sprechen scheinen , das ferne von mir liegt ? Ach , ich beschwöre euch ! Kommt , liebevereint , beide - und ruft mich an euer ausgesöhntes Herz ! Laßt mich zu euch beiden zu gleicher Stunde emporblicken ! Laßt mich reuevoll und in ewiger Liebe vor euch beiden niedersinken und mit einem einzigen glückseligen Worte mich nennen euer einziges und treues Kind , Armgart von Hülleshoven . « Und der Mutter ? Schreibt sie wörtlich dasselbe ! Bonaventura überflog den Brief , den der Dechant nach Wien schicken sollte . In dem einen Briefe waren nicht mehr Worte und Buchstaben als im andern . An den Pünktchen da , sagte der Dechant , seh ' ich , wie sie gezählt hat , ob auch keiner mehr Buchstaben bekommen hat als der andere ! Oder weniger ! sagte Bonaventura gerührt . Sieh , ein Kind will sich zum Preis der Aussöhnung seiner Aeltern setzen ! Sollten diese beide nun nicht wirklich , um vor ihrem Kinde nicht beschämt zu stehen , ihren Haß und Groll fahren lassen ? Bleibt der kleine Genius des Friedens nur fest in seiner Weigerung , so mein ' ich , müßte eine Eifersucht entbrennen zwischen Vater und Mutter , die zum Guten führt ! Nennen Sie das Sakrament der Ehe noch den großen wunden Schaden unserer Kirche , wenn es solche Opfer möglich macht ? Die kleine Armgart handelt - ich muß es so nennen - katholisch ! » Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dein Lob zugerichtet ! « sagte der Dechant ironisch und erhob sich , um Bonaventura das Geleit zu geben und nach Windhack zu klingeln . Nachdem sie beide die Reliquien aus dem Sarge zusammengelegt und in einer Tasche , die zu Bonaventura ' s Reiseeffecten gehörte , geborgen hatten ; nachdem der Dechant auf die von ihm ausgesprochene Erwartung , der Neffe würde doch wenigstens zum Mittagessen noch dasein , eine ablehnende Antwort erhalten hatte - den Pfarrer zog es mächtig in seine Gemeinde zurück und - Lucinde verscheuchte ihn - ; standen beide schon an der Thür , Bonaventura , um auf den Weinberg des Obersten zu gehen , der Dechant , um in der Stadt die diese Nacht mutterlos gewordenen Waisen mit Geldmitteln zu versehen . Eben sagte er : Tröste Witwen und Waisen , wie du heute Nacht gethan hast , theile , wenn du ihnen nichts Besseres geben kannst , Heiligenbilder an sie aus : nur um Eines bitt ' ich dich , Bona , um Eines ... Zwei Thüren gingen in diesem Augenblicke zu gleicher Zeit auf . Windhack trat ein und wollte eine Meldung an Bonaventura bringen . Herr Pfarrer ! sagte er eilends ... Aber auch Frau von Gülpen war von nebenan erschienen und machte einen Eindruck , der jedem , der sie nur ansah , die Sprache rauben konnte ... Zwar war ihre Toilette schon in schönster Ordnung , Windhack ' s gewellter Scheitel saß schon kunstvoll unter der buntbebänderten Spitzenhaube und doch kam sie wie eine halb Bewußtlose . Ihr eines Auge war Entrüstung , ihr anderes Schrecken , die Nase Zorn , die Oberlippe Staunen , die Unterlippe Abscheu . Sie glich einem eben von einem Traum Erwachten , der geträumt hatte , eine Maus wär ' ihm quer über das Gesicht gesprungen , und dem es in dem Augenblick , wo er erwachte , auch wirklich so vorgekommen , als hätte ihm etwas Kaltes auf der Nase gesessen . Gott , was ist Ihnen , Liebe ? fragte der Dechant . Sie wollte sprechen , aber sie konnte nicht ... Sie winkte nur Windhack , zu sagen , was der wolle ... Ein Wägelchen ist halt eben vorgefahren - ! sagte Windhack , stockte aber , weil dem so sichtbaren Schmerz der Frau von Gülpen offenbar die Vorhand gebührte ... Ein Wägelchen - ist - eben - vorgefahren ! wiederholte Frau von Gülpen mit hauchender Stimme . Sie that dies , um ihm gleichsam seine Mittheilung zu erleichtern . Es war ein Ton der leidendsten Geduld , ja der eines förmlichen Abgeschlossenhabens mit dieser ganzen höchst unvollkommenen Welt ... Schon ahnte der Dechant die Ursache dieses Anblicks - die neue Nichte - Was ist denn , Windhack ? fragte er , um nur bald wenigstens über dessen Störung hinwegzukommen - Der Wagen unten ... Nun ja , nun ja - Herr Maria ! Wer ? Herr Maria ! Frau von Gülpen war so großmüthig , so tief edelgesinnt , so gewohntermaßen aufopferungsfreudig , auch noch jetzt die Verständigung zu unterstützen . Herr Schnuphase ! sagte sie . Herr Schnuphase ? ... Eine dringende Meldung an den Herrn Pfarrer ... fuhr Windhack fort . An mich ? fragte Bonaventura ... Herr Maria hat Sie halt schon in St.-Wolfgang aufgesucht ... ein sehr wichtiger Auftrag ... Und schon hörte man auf dem Corridor draußen das Husten und Räuspern eines Mannes , der nicht gewohnt schien , lange ohne das freudigste Bewillkommtwerden zu verharren ... Ist denn schon die Zeit der Wachsernte , fragte der Dechant lächelnd und verdrießlich zugleich ... Aber Herr Jean Baptiste Maria Schnuphase , Lebküchler , Wachslichterfabrikant und Meßgewandsticker aus der Residenz des Kirchenfürsten , schien absichtlich zwei oder drei Prisen genommen zu haben , um nur dicht am Schlüsselloch draußen niesen zu können ... Und mit jener Selbstaufopferung , die für sich selbst im Leben ja auch nichts , auch gar nichts beansprucht , sondern die nur allein andere glücklich zu machen wünscht , winkte Frau von Gülpen , daß Herr Schnuphase eintreten möchte ! Der Dechant war im äußersten Grade gerührt , zu sehen , wie sich jetzt die gute Frau erschöpft auf ein Eckkanapee im Dunkeln niederließ , ganz nur Resignation , ganz nur ein Bild der Ergebung , sich selbst eklipsirend , wie Windhack hätte sagen können ... Gern hätte er tröstend ihr zugeflüstert : Nun , » die Person « ist doch schon fort ? Lassen Sie sie in Gottes