unser Hausverwalter in dem Sternenhofe alles in Ordnung bringen , daß keine Verwirrung mehr zu sehr sichtbar ist , er wird uns hierüber einen Brief schreiben , und wir werden den Tag der Zusammenkunft bestimmen . Von dem Urteile , wenn irgend eines mit einem überwiegenden Gewichte zu Stande kömmt , wird es abhängen , ob auch die Kosten zu der Reinigung der andern Teile des Hauses verwendet werden , oder ob der jetzige Zustand , daß eine Seite von der Tünche befreit ist , die übrigen aber damit behaftet sind , der gewiß weniger schön ist , als wenn alles übertüncht geblieben wäre , fortbestehen , oder ob gar das Befreite wieder übertüncht werden solle . Daß Ihr übrigens Eure Ansichten geringe achtet , daran tut Ihr unrecht . Wenn in der Nähe unsers Freundes einiges an Euch früher zur Blüte kam , so ist dies wohl sehr natürlich ; es ist ja alles an uns Menschen so , daß es wieder von andern Menschen groß gezogen wird , und es ist das glückliche Vorrecht bedeutender Menschen , daß sie in andern auch das Bedeutende , das wohl sonst später zum Vorscheine gekommen wäre , früher entwickeln . Wie sicher in Euch die Anlage zu dem Höheren und Größeren vorhanden war , zeigt schon die Wahl , mit der Ihr aus eigenem Antriebe auf eine wissenschaftliche Beschäftigung gekommen seid , die sonst unsere jungen Leute in den Jahren , in denen Ihr Euch entschieden habt , nicht zu ergreifen pflegen , und daß Euer Herz dem Schönen zugewendet war , geht daraus hervor , daß Ihr schon bald begannet , die Gegenstände Eurer Wissenschaft abzubilden , worauf der , dem der bildende Sinn mangelt , nicht so leicht verfällt , er macht sich eher schriftliche Verzeichnisse , und endlich habt Ihr ja in kurzem die Abbildung anderer Dinge , menschlicher Köpfe , Landschaften versucht , und habt Euch auf die Dichter gewendet . Daß es aber auch nicht ein unglücklicher Tag war , an welchem Ihr über diesen Hügel herauf ginget , zeigt sich in einer Tatsache : Ihr liebt den Besitzer dieses Hauses , und einen Menschen lieben können ist für den , der das Gefühl hat , ein großer Gewinn . « Gustav hatte während dieser Rede die Mutter stets freundlich angesehen . Ich aber sagte : » Er ist ein ungewöhnlicher , ein ganz außerordentlicher Mensch . « Sie erwiderte auf diese Worte nichts , sondern schwieg eine Weile . Später fing sie wieder an : » Ich habe mir diese Rosenpflanze auf den Tisch gestellt , gewissermaßen als die Gesellschafterin meines Lesens - gefällt Euch die Blume ? « » Sie gefällt mir sehr , « antwortete ich , » wie mir überhaupt alle Rosen gefallen , die in diesem Hause gezogen werden . « » Sie ist eine neue Art , « sagte sie , » ich habe aus England einen Brief bekommen , in welchem eine Freundin mit Auszeichnung von einer Rose sprach , die sie in Kew gesehen habe , und deren Namen sie hinzu fügte . Da ich in dem Verzeichnisse unserer Rosen den Namen nicht fand , dachte ich , daß dies eine Art sein dürfte , welche unser Freund nicht hat . Ich schrieb an die Freundin , ob sie mir eine solche Rosenpflanze verschaffen könne . Mit Hilfe eines Mannes , der uns beide kennt , erhielt sie die Pflanze und in diesem Frühlinge wurde sie mir in einem Topfe sehr wohl und sinnreich verpackt aus England geschickt . Ich pflegte sie , und da die Blumen sich entwickeln wollten , brachte ich sie unserm Freunde . Die Rosen öffneten sich hier vollends , und wir sahen - besonders er , der alle Merkmale genau kennt - , daß diese Blume sich in der Sammlung dieses Hauses noch nicht befindet . Eustach bildete sie ab , daß wir sie festhalten , und ob die , welche in Zukunft kommen werden , ihr gleichen . Mein Freund schrieb nach England um Pfropfreiser für den nächsten Frühling , diese Pflanze bleibt indessen in dem Topfe und wird hier besorgt werden . « Während sie so sprach , regten sich die Zweige neben einem schmalen Pfade , der aus dem Gebüsche auf den Platz führte , und Natalie trat auf dem Pfade hervor . Sie war erhitzt , und trug einen Strauß von Feldblumen in der Hand . Sie mußte nicht gewußt haben , daß ein Fremder bei der Mutter sei ; denn sie erschrak sehr , und mir schien , als ginge durch das Rot des erwärmten Angesichtes eine Blässe , die wieder mit einem noch stärkeren Rot wechselte . Ich war ebenfalls beinahe erschrocken und stand auf . Sie war an der Ecke des Gebüsches stehen geblieben , und ich sagte die Worte : » Mich freut es sehr , mein Fräulein , Euch so wohl zu sehen . « » Mich freut es auch , daß Ihr wohl seid « , erwiderte sie . » Mein Kind , du bist sehr erhitzt , « sagte die Mutter , » du mußt weit gewesen sein , es kömmt schon die Mittagsstunde , und in derselben solltest du nicht so weit gehen . Setze dich ein wenig auf einen dieser Sessel , aber setze dich in die Sonne , damit du nicht zu schnell abkühlest . « Natalie blieb noch ein ganz kleines Weilchen stehen , dann rückte sie folgsam einen von den herumstehenden Sesseln so , daß er ganz von der Sonne beschienen wurde , und setzte sich auf ihn . Sie hatte den runden Hut mit dem nicht gar großen Schirme , wie ihn Mathilde und sie sehr gerne auf Spaziergängen in der Nähe des Rosenhauses und des Sternenhofes trugen , als sie aus dem Gebüsche getreten war , in der Hand gehabt , jetzt , da die Sonne auf ihren Scheitel schien , setzte sie ihn auf . Sie legte den Strauß von Feldblumen , den sie