halten . Die Kinder lassen Sie nicht zu ihm , nein um Gottes Willen , das thun Sie nicht . Bei ihm sind sie in Grund und Boden verloren , der Herr Geheimrath verstehen nichts von der Erziehung . Das Mädchen verdirbt und der Junge auch , sonst hätten sie auch nicht die Chocolade aufgetrunken , aber sie lernen ' s von ihrem Vater , Gott straf ' mich , der kann auch nichts stehen lassen , er muß in Alles die Nase stecken und kosten . Und die selige Frau Geheimräthin werden vom Himmel runter sehen und ' s Ihnen lohnen . Und handeln Sie an diesen Kleinen , wie sie - o Gott ! an meinem Cousin gehandelt haben . « Unter noch heftigerem Schluchzen flog die Thür hinter ihr zu . Daß die kranken Kinder einstweilen bei der Geheimräthin blieben , war eine Sache , die sich von selbst verstand , denn der Arzt hatte schon erklärt , sie dürften auf keinen Fall fortgeschafft werden . Warum aber der Geheimrath nach einer Weile aufsprang , und den Hut ergriff , um der Köchin nachzueilen , blieb zweifelhafter . Er sagte , es geschehe , um nachzusehen , damit die desperate Person nicht sein Haus von oben zu unten kehre . Es gab indeß in der Gesellschaft Einige , die meinten , es wäre nur um sein Mittagessen . In seinem Affekt hatte er nicht bedacht , daß sein Schicksal noch in Charlottens Händen ruhte . Der Aufbruch war jetzt so allgemein , als die Verstimmung . Walter empfing für seinen ehrerbietigen einen sehr kalten Gruß vom Kriegsrath Alltag ; die Kriegsräthin musste in einer eigenen Laune sein , denn sie zupfte noch ihren Mann , warum er sich so lange aufhalte ? Auch der Geheimräthin bewies sie lange nicht mehr die Ehrerbietung und gerührte Dankbarkeit , mit der sie sonst von dieser gütigen und unvergleichlichen Frau Abschied nahm . Kaum aber war sie die Treppe hinunter , als es die Brust nicht mehr hielt : » Mann , hast Du gehört , Ihre Majestät die Königin hat sich nach unserer Adelheid erkundigt ! « - Der Mann sagte : » Hm ! « und meinte , man müsse auch nicht alles glauben , was vornehme Leute sagen . » Aber , « erwiderte sie , » eine Fürstin kann doch nicht lügen ! « Und als er meinte , es könne wohl etwas daran sein , es werde aber nicht alles so sein , sprach sie : » Daß aber die Königin auch nur von unsrer Tochter weiß , daß sie überhaupt auf der Welt ist , das hattest Du und ich uns doch nicht im Traume einfallen lassen ! « Sie hatte immer geglaubt , die Könige wüssten von den einzelnen Menschen gar nichts , und die Individuen verschwömmen ihnen , wie man von einem hohen Berge eine Landschaft sieht . Walter und Adelheid nahmen im Vorzimmer Abschied . Es musste auch hier etwas von Verstimmung sein . Sie meinte , er hätte sich doch überwinden können und zuvorkommender gegen ihre Eltern sein . Er sagte , es habe ihm etwas die Brust zugeschnürt . Sie entgegnete , auch auf ihrer Brust laste es wie ein Alp - » und ich überwinde es doch , « sagte sie , und zwang ihr Gesicht zu einem heiter lächelnden Ausdruck . » Wenn ich Dich erst aus diesem Hause fort wüsste , « sagte er nach einer Pause . » Wünsche es nicht , « entgegnete sie . - » Und wohin ? So lieb ich meine Eltern habe , so fühle ich doch , dahin passe ich nicht mehr . « » Du verlangst nicht nach Glanz und Reichthum - « » Aber - « unterbrach sie ihn und schwieg plötzlich . » Daran bist Du auch schuld ; warum hast Du aus mir eine Andre gemacht , als ich war - « Er ging mit einem stumm wehmüthigen Händedruck . An der Thür wandte er sich noch einmal um . Sie war ihm nachgeeilt und hielt den Kopf an seine Brust : » Gieb den Muth nicht auf , Walter . Ich lerne mich täglich mehr überwinden und es wird alles besser werden - - für uns Beide . « Der Legationsrath hatte beim Hinausbegleiten die Hand der Baronin Eitelbach sanft ergriffen : » Meine Freundin , mir ist eingefallen , haben Sie sich auch nichts vorzuwerfen ? Ich meine keine Schuld , aber vielleicht doch irgend einen geringschätzigen Blick , eine Bewegung - Sie wissen , Männer sind eitel , und Verliebte leicht gereizt . - Sinnen Sie darüber nach ! « hatte er theilnehmend hinzugesetzt , als sie ihn erschreckt anblickte , und klopfte sanft auf ihre Hand . Neununddreißigstes Kapitel . Es war etwas nicht , wie es sein sollte . Die Geheimräthin ruhte in einem Fauteuil , als Wandel ins Zimmer zurückkehrte . Sie sah sehr abgespannt aus ; über das blasse Gesicht flog aber doch eine nervöse Röthe , und ihr dunkles Auge rollte seltsame Blicke umher . In dem weißen Kleide , das sich in weiten weichen Falten um sie breitete , und der Haube von derselben Farbe hatte ihre Erscheinung etwas Geisterartiges . » Wie steht es nun also ? « fragte sie . » Ach mein Gott , es ist so viel , was mir durch den Kopf geht . « » Das Kapital , was Sie morgen ausgezahlt erhalten , würde ich meiner Freundin rathen , baar in Händen zu behalten . « Die Geheimräthin sah ihn mit etwas mehr als Verwunderung an . Sie hatte von dieser Sache nie mit ihm gesprochen . Erst heute hatte sie das Notifikatorium erhalten , daß das Geld für sie fällig im Depositorium des Kammergerichts liege . » Beruhigen Sie sich , ich bin kein Geisterseher . Dies erfuhr ich auf ganz natürlichem Wege , als ich heut früh auf der Registratur des Pupillenkollegiums einige Akten durchsah . Nicht aber