ihren Nacken schlang und sich innig in ihre müden Arme drückte , und das holde , wunderschöne Kind nun in den weißen Gewändern ruhte , die Fennimors Lichtgestalt umgaben , da sah Leonin einen Engel , der mit seinen weißen Flügeln dies blühende Leben in seinem Schooße deckte . Aber sie lächelte verscheidend über das Kind hin ihm zu und hob die bleiche Hand - und diese winkte ihm . Doch der Unglückliche hatte keine Thräne , keinen Seufzer , keinen Laut ! Seine Augen sogen mit jedem Augenblicke mehr so unnennbare Qualen ein , daß es dafür kein Zeichen in der Sprache giebt : sie starb - sie war schon halb verklärt - vielleicht sanken im nächsten Augenblicke diese Augenlieder , und sie war todt ! » Ach , Leonin , ich wußte es wohl , wie Du traurig sein würdest ! Aber Gott will es - er hat mir gesagt , ich könne nicht länger leben ; - aber für Dich und unser Kind wolle er sorgen - und da bin ich denn ruhig und will zu ihm gehen , da er es will . « - Nach einer Pause fuhr sie leise fort , indem sie versuchte , den Kopf gegen Leonin zu beugen : » Ich glaube dabei heimlich , die Trennung wird so streng nicht sein ; - denn , obwol mir Gott Nichts sagt , denke ich doch , ich werde noch zuweilen bei Euch sein . « Sie lächelte dabei so süß beglückt , als habe sie Gott dies kleine Geheimniß abgelauscht . » O , nimm mich mit ! « rief Leonin und stürzte sich mit dem Kopfe auf das Kissen , worauf ihre Füße ruhten . - » Ja , das dachte ich auch - und wußte wohl , wie gern Du es gemocht hättest ; - aber Gott will nicht . - Du sollst noch Vieles erleben - ich kann das nie begreifen ; - denn meine Gedanken haben keine Kraft mehr ; - aber das weiß ich wohl - Du sollst leben ! « Leonin weinte nun . Er fühlte eine leichte , aber kalte Hand über seinen Kopf streichen - er hob sich auf - Fennimor hatte versucht , sich nieder zu beugen ; - noch immer hatte sie die reichen Locken , die wie eine Glorie leuchteten - sie beschatteten fast ihr feines Antlitz . » Leonin , « sagte sie kaum hörbar - » ich wollte Dich noch so herzlich lieben - weil Dich die Welt da draußen so trostlos läßt - Du kamst zu spät , ich habe keine Zeit mehr ! « Ihr Kopf war auf Leonins Gesicht gesunken - er hielt sie im Arme - das Kind lag glühend wie eine Rose , mit seinen eignen Händchen spielend , in ihrem Schooße . - » Fennimor , geliebte Fennimor , o stirb nicht - stirb nicht , ehe Du mir vergeben hast ! « » Du hast mich so sehr geliebt und immer liebst Du mich ! « stammelte sie leise . - » Ich komme , mein Vater ! « - fuhr sie mit freundlichem Engelslallen fort - » Du hast mein Bitten erfüllt - ich habe ihn wieder - nun halte ich auch Wort - nimm mich hin , mein Gott ! - Mein süßes , kleines Kind ! - Mein Leonin ! - Mein Vater , ich komme ! « - Das bleiche Haupt , das auf seinem Antlitze ruhte , ward kalt und schwer . Er fühlte ein leises Zittern durch ihren Körper - dann war Alles still und ruhig ; - aber sie ward immer schwerer - er wußte Alles - aber er hielt sie fest . - Es war selbst ihr entseelter Körper noch ein Schild gegen den Wahnsinn , der ihn bedrohte . Da war das Kind leise nach dem Kopfe seiner Mutter hingekrochen ; - es wollte sich an ihr aufrichten ; aber der leblose Körper gab nach , das Kind fiel in Leonins Arme . Instinktartig faßte er das schöne , kleine Wesen , das nun die Locken seiner Mutter ergriff und im freudigen Lallen an ihr hinaufsteigen wollte . Die Bäuerin trat hinzu , sie nahm das Kind in ihren Arm und lehnte Fennimor sanft in den Lehnstuhl zurück . Da erfuhr auch sie , was geschehen , und winkte den fern stehenden Arzt herbei , während Leonins Kopf auf Fennimors Füße sank in jener glücklichen Betäubung , die uns gegen jeden Schmerz unempfindlich macht . Der Arzt legte die Hand auf Fennimors kalte Stirn , er suchte ihren Puls - er hatte aufgehört zu schlagen ! Lange betrachtete er das süße , bleiche Engelsantlitz , dann reichte er dem Vikar die Hand , der indessen mit Veronika herein getreten war . » Gönnen wir es ihr ! « sagte er milde . » Laßt uns beten ! « erwiederte der erschütterte Vikar - und Keiner hielt seine Thränen zurück . Doch ward diese milde Stimmung rauh unterbrochen durch Emmy ' s plötzlichen Eintritt . Keiner wagte ihr das Geschehene mitzutheilen ; forschend blickte sie die Weinenden an - sie stürzte gegen den Stuhl - sie ergriff Fennimors leblose Hand und stieß einen wilden Schrei aus . Jetzt erblickte sie Leonins fast eben so leblose Gestalt . » Mörder ! Mörder ! « schrie sie - » bist Du gekommen , ihr den letzten Athem zu stehlen ? Bösewicht , treffe Dich Gottes Gericht - sein Fluch ! « - » Halt ! « rief der Vikar - » stört den heiligen Frieden dieses Engels nicht ! Bezwingt Euer ungestümes Herz ! Seht Ihr nicht auf diesem Antlitze , daß sie vergebend gestorben ist ? « » Vergebend ? ihrem Mörder vergebend ? « schrie Emmy Gray . - » Nein , nein , ich will es nicht denken ! Sie darf ihm nicht vergeben ! Niemals , niemals darf der Fluch dieser That von seinem Haupte genommen werden ! « Mit Entsetzen