war , sacht zurück und faßte sich ein Herz . Sie wollte sehen , wie sie unbemerkt auf Nebenwegen zum Oberhofe zurückgelangen und der leidigen Kleider quitt werden möchte . Mit kleinen Schritten und niedergeschlagenen Augen ging sie durch einen Seitengang nach der Türe zu . Aus seinen Träumen endlich erwacht , kam der Jäger die Treppe hinunter . Auch er wollte die Kirche verlassen , wußte aber freilich nicht , wohin dann ? Sein Herz bebte , als er Lisbeth sah ; sie schlug die Augen auf und blieb schüchtern und fromm stehen . Dann gingen sie , ohne einander anzuschauen , stumm der Türe zu , auf deren Drücker er seine Hand legte , sie zu öffnen . » Sie ist verschlossen ! « rief er mit einem Laut des Entzückens , als sei ihm das höchste Glück widerfahren . » Wir sind in der Kirche eingeschlossen ! « » Eingeschlossen ? « fragte sie voll süßem Schreck . - » Warum macht Sie das bestürzt ? Wo kann man besser aufgehoben sein als in einer Kirche ? « sagte er seelenvoll . Er schlug sanft seine Arme um ihren Leib , mit der andern Hand faßte er ihre Hand , so führte er sie nach einer Bank , nötigte sie darauf nieder und setzte sich neben sie . Sie sah in ihren Schoß und ließ die Bänder an dem buntfarbigen Jäckchen , welches sie trug , durch die Finger gleiten . Er hatte seinen Kopf auf dem Betbrette aufgestützt , sah sie von der Seite an und berührte das Häubchen , welches sie trug , wie um den Stoff zu prüfen . Er hörte ihr Herz klopfen und sah ihren Hals gerötet . - » Nicht wahr , es ist ein abscheulicher Anzug ? « fragte sie nach langem Schweigen kaum hörbar . - » Oh ! « rief er und knöpfte seine Weste auf , » ich sah nicht nach dem Anzuge ! « - Er faßte ihre beiden Hände , drückte sie stürmisch gegen seine Brust und zog sie dann von der Bank . » Ich ertrag ' s nicht so still zu sitzen ! Lassen Sie uns die Kirche besehen ! « rief er . - » Hier ist wohl nicht viel Sehenswürdiges « , versetzte sie zitternd . Er ging mit ihr zu dem Taufsteine , auf dessen Grunde noch etwas von dem heiligen Naß stand , denn es war vor der Hochzeit schon eine Taufe in der Kirche gewesen . Sie mußte mit ihm auf den Grund und in das Wasser hinabsehen . Dann tauchte er den Finger hinein und netzte erst ihre und dann seine Stirn . » Um Gottes willen , was machen Sie ? « rief sie ängstlich und wischte rasch die ihr frevelhaft dünkende Befeuchtung ab . - » Wiedertäuferei treibe ich « , sagte er wunderbar lächelnd . - » Dieses Wasser weiht die Geburt zum Leben , und dann geht das Leben so fort - lange , lange , heißt Leben und ist keins - und dann bricht das wahre Leben auf , und man sollte dann von neuem taufen . « - Sie wurde ängstlich in seiner Nähe und stammelte : » Kommen Sie , ein Ausgang wird durch die Sakristei zu finden sein . « - » Nein « , rief er , » erst die Totenkronen wollen wir besehen ; zwischen Geburt und Grab erlebt unser Leben sein Leuchtendes , sein Schönes ! « - Er führte sie zu der stattlichsten Totenkrone am gegenüberstehenden Pfeiler und murmelte auf dem Wege mit trunken-irren Blicken die Stelle von Gray , welche mit seinen übrigen Gedanken nicht zusammenhing , und auf welche ihn nur der Ort bringen konnte : » Viel Tropfen reinsten Glanzes bergen des Meeres dunkele unermessene Tiefe , viel Blumen brachen auf , um ungesehen zu blühen und ihre Süße an die öde Luft zu verschwenden ! « Dachte er an das Mädchen , von dessen Sarge die strahlende Totenkrone war ? - Ich weiß es nicht . - Flittern und glänzende Ringe hingen an dünnem Zindel herunter . Er riß zwei Ringe ab und flüsterte : » Ihr seid nur schlechte Reifen , aber zu köstlichem Gold will ich euch weihen und heiligen ! « - Er steckte , ehe die Lisbeth es verwehren konnte , ihr den einen und den andern darauf sich an . Dabei sah er zornig aus , seine Lippen schürzte ein erhabener Unmut , er legte seine geballte Faust dem Mädchen auf den Nacken , als wollte er sie züchtigen , daß sie seine Seele ihm entwendet habe . In diesem starken jungen Gemüte riß die Liebe , wie ein Waldstrom im Gebirge , tiefe Schluchten und Spalten . » Oswald ! « rief sie und trat vor ihm zurück . Es war das erstemal , daß sie seinen Vornamen nannte . - » Wir können das ebensogut tun , wie die dummen Bauern « , sagte er , » und sind keine anderen Ringe zur Hand , so nehmen wir sie vom Sargschmuck , denn das Leben ist stärker als der Tod . « - » Nun gehe ich « , seufzte sie atmend und wankte . Ihr Busen flog , daß das Mieder wild bewegt wurde . Aber schon hatten seine starken Arme sie umstrickt und aufgehoben und vor den Altar getragen . Dort ließ er sie nieder , die halb ohnmächtig an seiner Brust lag , und stammelte schluchzend vor Liebesweh und Liebeszorn : » Lisbeth ! Liebe ! Einzige ! Entsetzliche ! Feindin ! Räuberin ! Vergib mir ! Willst du mein Du sein ? Mein ewiges , süßes Du ? « Sie antwortete nicht . Ihr Herz schlug an seinem , sie schmiegte sich ihm an , als wollte sie mit ihm verwachsen . Ihre Tränen flossen auf seine Brust . Nun hob er ihr Haupt empor , und die Lippen fanden sich . In diesem Kusse standen sie lange , lange