Ein Verwandter macht Ihnen diesen Vorschlag , der sich entfernen will und dem Sie dann vielleicht nie im Leben mehr begegnen . Dieß entscheidet , sagte der Graf . Unter dieser Bedingung bin ich bereit auch auf diese Forderung einzugehen , wenn sie meine Kräfte nicht übersteigt , denn ich setze voraus , Sie wissen den Werth Ihrer Bedingung zu schätzen , und ich fürchte , Sie haben Ihre Forderung dem gemäß eingerichtet . Ich werde die Genugthuung haben , sagte der Baron mit einschmeichelnder Stimme , daß Sie mich bescheidener finden , als Sie vermuthen . Ich habe einem Freunde tausend Thaler zu bezahlen , der seine Rechte seinem Vater übertragen hat , dem alten Herrn Lorenz , der mich hieher begleitet hat , um das Geld sogleich zu empfangen , und ich muß deßhalb auf die Abzahlung dieser Summe dringen , weil sonst leicht eine mir nachtheilige Spannung zwischen mir und meinem Freunde entstehen könnte . Und Sie nennen diesen Menschen Ihren Freund ? fragte der Graf mit Erstaunen . Warum nicht ? erwiederte der Baron lächelnd . Wollte ich hier bleiben , so könnte vielleicht aus dieser freundschaftlichen Verbindung manche Verlegenheit für mich entstehen , aber da wir beide nach der spanischen Gränze gesendet werden , wo unser Vortheil gemeinschaftlich sein wird , und wo uns Niemand kennt , so können die hiesigen engherzigen Rücksichten keinen Einfluß auf mich üben , um so mehr , da die Franzosen alles andere eher aufgeben werden , als das Gefühl einer ursprünglichen Gleichheit ; daher würde es mir selbst keinen Nachtheil bringen , wenn auch die Herkunft meines Freundes bekannt würde . Ich habe den Franzosen niemals so sehr Unrecht thun mögen , sagte der Graf , zu glauben , daß sie die Gleichheit , welche sie verlangen , so verstanden wissen wollen , daß sie keine moralische Unterschiede annähmen . Doch , fuhr er mit einem kalten Blick auf den Baron fort , ich habe hier kein Urtheil zu fällen . Sie meinen , entgegnete dieser lächelnd , der moralische Unterschied zwischen mir und dem werthen Herrn Lorenz möchte nicht bedeutend sein , denn ich wette , Sie halten uns beide für ein Paar Taugenichtse . Ich habe schon bemerkt , sagte der Graf , daß ich kein Urtheil über Sie habe . Nach der spanischen Gränze wollen Sie , fragte er hierauf , also muß ich vermuthen , Sie nehmen französische Dienste , und so könnte es sich fügen , daß Sie selbst einmal gegen Ihr Vaterland gebraucht würden . Wie die Sachen jetzt stehen , antwortete der Baron , läßt es sich kaum vermuthen , denn dieß Preußen , welches Sie mein Vaterland nennen , ist zu eng , zu nothwendig mit Frankreich verbunden , als daß sein Adler nicht immer mit dem französischen fliegen sollte . Aber selbst , wenn es anders wäre , so könnte dieß mein Handeln nicht bestimmen . Wie oft haben Preußen gegen Oesterreicher , Sachsen und Andere gefochten , die sich doch wohl Deutsche nennen müssen und die folglich zu dem deutschen Vaterlande gehören , denn so enge Grenzen werden Sie doch Ihrer Vaterlandsliebe nicht stecken wollen , daß Sie alles , was außerhalb Preußen liegt , Fremde und Feindesland nennen wollen . Wenigstens würden Sie , wenn Sie dieß thäten , in seltsame Verlegenheiten gerathen . Sie müßten dann mit feindlichen Augen selbst die betrachten , die Sie noch im vorigen Jahre mit Bruderliebe umfaßt haben als die Söhne des gemeinsamen Vaterlandes , die Einwohner der abgetretenen Provinzen nämlich . Der Baron schwieg . Da aber der Graf nicht antwortete , fuhr er fort : Sie nehmen vermuthlich die Gränzen des Vaterlandes bis zum Rhein an . Ich gehe etwas weiter ; ich überschreite den schönen Fluß und finde mit Weltbürgersinn überall mein Vaterland , so weit die Civilisation reicht . Dieß ist ein Gegenstand , sagte der Graf kalt , über den sich nicht streiten läßt . Jedermann folgt darin seiner Ansicht , und es würde zu weit von dem Zwecke unserer Zusammenkunft abführen , wenn wir gegen einander unsere Meinungen entwickeln wollten . Der Baron folgte bereitwillig diesem Wink , und es wurde festgesetzt , daß beide Herren sich nach vier Tagen in Breslau treffen wollten , um den beabsichtigten Handel abzuschließen , und daß der Graf tausend Thaler dem Pfarrer übergeben wollte , der sie gegen die gehörige Quittung dem alten Lorenz abzugeben habe . Der Graf hatte sich zu diesem Opfer entschlossen , um einen Verwandten zu entfernen , dessen Nähe nur unheilbringend sein konnte . Er hatte aber den Vorsatz , in Breslau einen Rechtsgelehrten zu Rathe zu ziehen und nur dann den Kauf der Güter in der That abzuschließen , wenn er überzeugt sein könnte , daß sein unwürdiger Verwandter ihm nicht neue Nachtheile bereitete . In diesem Falle wollte er die ihm abgedrungene Summe lieber verlieren . Als das Geschäft so weit beendigt war , wollte der Graf sogleich nach Schloß Hohenthal zurückkehren . Der Baron aber hielt ihn mit höflichen Gesprächen zurück , ohne sich durch die kurzen Antworten , welche er erhielt , abschrecken zu lassen , und ein mit allen Verhältnissen Unbekannter hätte nach der Art , wie die Unterredung geführt wurde , schließen müssen , daß beide Verwandte eigentlich im besten Einverständniß lebten , und daß der Baron mit liebenswürdiger Gutmüthigkeit sich bestrebte , die üble Laune eines geachteten Verwandten zu verscheuchen . Der Graf erfuhr auf diese Weise gegen seinen Willen , daß der Baron ein genauer Freund des Obristen sei , der durch den Herrn von Wertheim war verwundet worden , daß er durch diesen mit dem Divisions-General in Verbindung gekommen sei , welcher bedeutenden Einfluß in Paris habe , so daß es ihm nicht schwer gefallen wäre , dem Baron so wie dem jungen Lorenz eine Anstellung bei der Armee zu verschaffen , die nach der spanischen Gränze geschickt werden solle . Doch erklärte sich der Baron über die Natur dieser Anstellung nicht genauer , und