Herz in seiner Verlassenheit ? - Sehnen sich die Pflanzen ? Ringen sie nach dem Blühen , wie mein Herz heute ringt , daß es lieben will , daß es empfunden sein will ? - Du mich empfinden ? - Wer bist Du , daß ich ' s von Dir verlangen muß ? - Ach ! - Die ganze Welt ist tot ; in jedem Busen ist ' s öde ! gäb ' s ein Herz , einen Geist , der mir erwachte ! - * * * Komm ! Laß uns noch einmal die hängenden Gärten , in denen meine Kindheit einheimisch war , durchlaufen ; laß Dich durch die langen Laubgänge geleiten zu dem Glockenturm , wo ich mit leichter Mühe das Seil in Schwung brachte , um zu Tisch oder zum Gebet zu rufen ; und abends um sieben Uhr läutete ich dreimal das Angelus , um die Schutzengel zur Nachtwache bei den Schlafenden zu rufen . O damals schnitt mir das Abendrot ins Herz , und das schweifende Gold , in das sich die Wolken senkten ; o ich weiß es noch wie heute , daß es mir weh tat , wenn ich so einsam durch das schlafende Blumenfeld ging , und weiter , weiter Himmel um mich , der in beschwingter Eile seine Wolken zusammentrieb , wie eine Herde , die er weiterführen wollte , der rotes , blaues und gelbes Gewand entfaltete , und dann wieder andre Farben , bis die Schatten ihn übermannten . Da stand ich und sah die verspäteten Vögel mit rascher Eile nach ihrem Nest fliegen ; und dachte , wenn doch einer in meine Hand flög , und ich fühlte sein klein Herzchen pochen , ich wollte zufrieden sein ; ja , ich glaubte , ein Vögelchen nur , das mir zahm war , könne mich glücklich machen . Aber es flog kein Vogel in meine Hand , ein jeder hatte schon anders gewählt , und ich war nicht verstanden mit meiner Sehnsucht . Ich glaubte doch damals , die ganze Natur bestehe bloß aus dem Begriff aufgeregter Gefühle , davon komme das Blühen aller Blumen , und dadurch schmelze sich das Licht in alle Farben , und darum hauche der Abendwind so leise Schauer übers Herz , und deswegen spiegle sich der Himmel , umgrenzt vom Ufer , in den Wellen . Ich sah das Leben der Natur und glaubte , ein Geist , der der Wehmut , die meine Brust erfüllte , entsprach , sei dies Leben selbst ; es seien seine Regungen , seine Gedanken , die dies Tag- und Nachtwandeln der Natur bilde ; ja und ich junges Kind fühlte , daß ich einschmelzen müsse in diesen Geist , und daß es allein Seligkeit sei , in ihm aufzugehen ; ich rang , ohne zu wissen , was Tod sei , dahin , aufgelöst zu sein ; ich war unersättlich , die Nachtluft mit vollen Zügen einzuatmen , ich streckte die Hände in die Luft , und das flatternde Gewand , die fliegenden Haare bewiesen mir die Gegenwart des liebenden Naturgeistes ; - ich ließ mich küssen von der Sonne mit verschlossenen Augen , und dann öffnete ich sie , und mein Blick hielt es aus ; ich dachte : läßt du dich küssen von ihr , und solltest nicht vertragen können , sie anzusehen ? Von dem Kirchgarten führte eine hohe Treppe , über die das Wasser schäumend hinabstürzte , zum zweiten Garten , der rund war , mit regelmäßigen Blumenstücken ein großes Bassin umgab , in dem das Wasser sprang ; hohe Pyramiden von Taxus umgaben das Bassin , sie waren mit purpurroten Beeren übersäet , deren jede ein kristallhelles Harztröpfchen ausschwitzte ; ich weiß noch alles , und dies besonders war meine Lieblingsfreude , die ersten Strahlen der Morgensonne in diesen Harzdiamanten sich spiegeln zu sehen . Das Wasser lief aus dem Bassin unter der Erde bis zum Ende des runden Gartens und stürzte von da wieder eine hohe Treppe hinab in den dritten Garten , der den runden Garten ganz umzog und gerade so tief lag , daß die Wipfel seiner Bäume wie ein Meer den runden Garten umwogten . Es war so schön , wenn sie blühten , oder auch wenn die Äpfel und die Kirschen reiften und die vollen Äste herüberstreckten . Oft lag ich unter den Bäumen in der heißen Mittagssonne , und in der lautlosen Natur , wo sich kein Hälmchen regte , fiel die reife Frucht neben mir nieder ins hohe Gras ; ich dachte : » Dich wird auch keiner finden ! « Da streckte ich die Hand aus nach dem goldnen Apfel und berührte ihn mit meinen Lippen , damit er doch nicht gar umsonst gewesen sein solle . * * * Nicht wahr , die Gärten waren schön ! - Zauberisch ! Da unten sammelte sich das Wasser in einem steinernen Brunnen , der von hohen Tannen umgeben war ; dann lief es noch mehrere Terrassen hinab , immer in steinerne Becken gesammelt , wo es denn unter der Erde bis zur Mauer kam , die den tiefsten alle andere Gärten umgebenden einschloß , und von da sich ins Tal ergoß , denn auch dieser letzte Garten lag noch auf einer ziemlichen Höhe ; da floß es in einem Bach weiter , ich weiß nicht wohin . So sah ich denn von oben hinab seinem Stürzen , seinem Sprudeln , seinem ruhigen Lauf zu ; ich sah , wie es sich sammelte und kunstreich emporsprang und in feinen Strahlen umherspielte ; es verbarg sich , es kam aber wieder und eilte wieder eine hohe Treppe hinab ; ich eilte ihm nach , ich fand es im klaren Brunnen von dunklen Tannen umgeben , in denen die Nachtigallen hausten ; da war es so traulich , da spielte ich mit bloßen Füßen in dem kühlen Wasser . - Und dann lief ' s weiter verborgen , und wie es sich außerhalb der Mauer hinabstürzte