Kästchen steht vor mir , den Schlüssel , der nicht schließt , hab ' ich in der Hand , jenes wollt ' ich gern uneröffnet lassen , wenn dieser mir nur die nächste Zukunft aufschlösse . Um mich bekümmern Sie sich eine Weile ja nicht , aber was ich inständig bitte , flehe , dringend empfehle : forschen Sie nach Felix ; ich habe vergebens umhergesandt , um die Spuren seines Weges aufzufinden . Ich weiß nicht , ob ich den Tag segnen oder fürchten soll , der uns wieder zusammenführt . Endlich , endlich ! verlangt der Bote seine Abfertigung ; man hat ihn lange genug hier aufgehalten , er soll die Wanderer mit wichtigen Depeschen ereilen . In dieser Gesellschaft wird er Sie ja auch wohl finden , oder man wird ihn zurecht weisen . Ich unterdes werde nicht beruhigt sein . Achtzehntes Kapitel Nun gleitete der Kahn , beschienen von heißer Mittagssonne , den Fluß hinab , gelinde Lüfte kühlten den erwärmten Äther , sanfte Ufer zu beiden Seiten gewährten einen zwar einfachen , doch behäglichen Anblick . Das Kornfeld näherte sich dem Strome , und ein guter Boden trat so nah heran , daß ein rauschendes Wasser , auf irgendeine Stelle sich hinwerfend , das lockere Erdreich gewaltig angegriffen , fortgerissen und steile Abhänge von bedeutender Höhe sich gebildet hatten . Ganz oben auf dem schroffen Rande einer solchen Steile , wo sonst der Leinpfad mochte hergegangen sein , sah der Freund einen jungen Mann herantraben , gut gebaut , von kräftiger Gestalt . Kaum aber wollte man ihn schärfer ins Auge fassen , als der dort überhangende Rasen losbricht und jener Unglückliche jählings , Pferd über , Mann unter , ins Wasser stürzt . Hier war nicht Zeit zu denken , wie und warum , die Schiffer fuhren pfeilschnell dem Strudel zu und hatten im Augenblick die schöne Beute gefaßt . Entseelt scheinend lag der holde Jüngling im Schiffe , und nach kurzer Überlegung fuhren die gewandten Männer einem Kiesweidicht zu , das sich mitten im Fluß gebildet hatte . Landen , den Körper ans Ufer heben , ausziehen und abtrocknen war eins . Noch aber kein Zeichen des Lebens zu bemerken , die holde Blume hingesenkt in ihren Armen ! Wilhelm griff sogleich nach der Lanzette , die Ader des Arms zu öffnen ; das Blut sprang reichlich hervor , und mit der schlängelnd anspielenden Welle vermischt , folgte es gekreiseltem Strome nach . Das Leben kehrte wieder ; kaum hatte der liebevolle Wundarzt nur Zeit , die Binde zu befestigen , als der Jüngling sich schon mutvoll auf seine Füße stellte , Wilhelmen scharf ansah und rief : » Wenn ich leben soll , so sei es mit dir ! « Mit diesen Worten fiel er dem erkennenden und erkannten Retter um den Hals und weinte bitterlich . So standen sie fest umschlungen , wie Kastor und so Pollux , Brüder , die sich auf dem Wechselwege vom Orkus zum Licht begegnen . Man bat ihn , sich zu beruhigen . Die wackern Männer hatten schon ein bequemes Lager , halb sonnig , halb schattig , unter leichten Büschen und Zweigen bereitet ; hier lag er nun auf den väterlichen Mantel hingestreckt , der holdeste Jüngling ; braune Locken , schnell getrocknet , rollten sich schon wieder auf , er lächelte beruhigt und schlief ein . Mit Gefallen sah unser Freund auf ihn herab , indem er ihn zudeckte . - » Wirst du doch immer aufs neue hervorgebracht , herrlich Ebenbild Gottes ! « rief er aus , » und wirst sogleich wieder beschädigt , verletzt von innen oder von außen . « - Der Mantel fiel über ihn her , eine gemäßigte Sonnenglut durchwärmte die Glieder sanft und innigst , seine Wangen röteten sich gesund , er schien schon völlig wiederhergestellt . Die tätigen Männer , einer guten geglückten Handlung und des zu erwartenden reichlichen Lohns zum voraus sich erfreuend , hatten auf dem heißen Kies die Kleider des Jünglings schon so gut als getrocknet , um ihn beim Erwachen sogleich wieder in den gesellig anständigsten Zustand zu versetzen . Aus Makariens Archiv Die Geheimnisse der Lebenspfade darf und kann man nicht offenbaren ; es gibt Steine des Anstoßes , über die ein jeder Wanderer stolpern muß . Der Poet aber deutet auf die Stelle hin . Es wäre nicht der Mühe wert , siebzig Jahr alt zu werden , wenn alle Weisheit der Welt Torheit wäre vor Gott . Das Wahre ist gottähnlich ; es erscheint nicht unmittelbar , wir müssen es aus seinen Manifestationen erraten . Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister . Aber die Menschen vermögen nicht leicht aus dem Bekannten das Unbekannte zu entwickeln ; denn sie wissen nicht , daß ihr Verstand ebensolche Künste wie die Natur treibt . Denn die Götter lehren uns ihr eigenstes Werk nachahmen ; doch wissen wir nur , was wir tun , erkennen aber nicht , was wir nachahmen . Alles ist gleich , alles ungleich , alles nützlich und schädlich , sprechend und stumm , vernünftig und unvernünftig . Und was man von einzelnen Dingen bekennt , widerspricht sich öfters . Denn das Gesetz haben die Menschen sich selbst auferlegt , ohne zu wissen , über was sie Gesetze gaben ; aber die Natur haben alle Götter geordnet . Was nun die Menschen gesetzt haben , das will nicht passen , es mag recht oder unrecht sein ; was aber die Götter setzen , das ist immer am Platz , recht oder unrecht . Ich aber will zeigen , daß die bekannten Künste der Menschen natürlichen Begebenheiten gleich sind , die offenbar oder geheim vorgehen . Von der Art ist die Weissagekunst . Sie erkennet aus dem Offenbaren das Verborgene , aus dem Gegenwärtigen das Zukünftige , aus dem Toten das Lebendige , und den Sinn des Sinnlosen . So erkennt der Unterrichtete immer recht die Natur des Menschen ;