wieder auf ; es wäre gut , da wär ihres Herzeleids ein Ende . « Susanna fragte , was geschehen ; da sagte ihr das Mädchen in aller Kürze , der Ratsherr wäre wegen der Versteigerung im Hause gewesen , da sei der kleine Anton voll Blut , aber recht fröhlich ins Zimmer getreten und hätte die Mutter gerufen , sie sollte einmal oben kommen , er habe sein Schwein recht schön geschlachtet und das Blut getrunken . Die Mutter habe erst nicht anders gemeint , als er sei an ihr Eingeschlachtetes gegangen , weil sie den Tag wegen des Umziehens alle Schweine habe schlachten lassen ; sie habe ihn gescholten , er aber habe gesagt , sie solle nur kommen , er habe es ganz ordentlich gemacht , das Schwein habe sich recht gewehrt . Mit Zagen sei die Mutter und der Ratsherr hinauf gegangen und habe ihren ältesten Sohn in seinem Bette vom Bruder geschlachtet gefunden ; alle Besinnung sei ihr erst vergangen , der Ratsherr aber habe den Anton gefragt : Wie er denn seinen Bruder ein Schwein nennen könne ! Der Kleine habe darauf geantwortet , die Mutter hätte ihn immer so genannt , wenn er das Bett verunreinigt hatte , und ihm gesagt , wenn er es wieder täte , sollt er ihn schlachten ; da habe er sich nun heut das Schlachten genau abgesehen , und als der Bruder , der krank war , wieder das Bett verunreinigt , habe er mit einem Messerchen ihn abgestochen . Als die Frau dieses Messerchen gesehen , habe sie laut aufgeschrieen und gesagt : mit dem Messerchen sei ihr Anton zur Ader gelassen worden vom Faust , als ihrem Manne das Blut eingezapft worden ! - » Das kommt von solchen falschen Künsten « , habe der Ratsherr gesprochen und den Kleinen ernsthaft gefragt , warum er das Blut getrunken . Der Kleine habe geantwortet , der Metzgerhund hätte es ebenso gemacht , und er sei sich wie der Hund auf einmal vorgekommen weil ein großer fremder Mann bei ihm gestanden , der wie der Schlächter ausgesehen . Hierauf habe der Ratsherr mit dem Kopfe geschüttelt , das Kind aber , auf welches die Mutter wütend losgehen wollen , unter seinen schwarzen Mantel genommen und erklärt daß er es im Namen eines hochweisen Rates zur Untersuchung mit sich fortführe . Die Magd hatte eben diese Erzählung geendigt , oft unterbrochen von Jammer und Verwunderung , als Frau Anna aufwachte und mit neuer Verzweiflung nach ihren Kindern fragte , nichts verschonte ihr Jammer ; wie Menschen im heftigen Fieber sich aus den Fenstern werfen , ohne der Tiefe zu achten , in die sie stürzen so rief die Unglückliche den höllischen Geist an , daß er sie tröste und erquicke , da Gott ihr nicht gnädig sein wolle . Bei diesen Worten verließ Susanna sie stillschweigend , ein Grauen trieb sie aus dem Unglückshause fort , die Bürger sammelten sich schon vor demselben , fragten und gaben Sentenz , aber die Glocke rief zu dem großen Ratssaale , wo auch Susanna begierig mit eintrat . Die Ratsherren waren schon in andern Angelegenheiten versammelt gewesen ; der Ratsherr Arnold , welcher den Knaben aus dem Hause geführt , hatte im Vorbeigehen das Glockenläuten bestellt , er trat jetzt zur Verwunderung aller in den Ratssaal , öffnete den Mantel und zeigte dann den Knaben , der über alles , was bisher zu ihm gesprochen und mit ihm geschehen , wie ein voller Brunnen in Tränen überlief . » Kind « , sagte der Ratsherr , » geh jetzt in diese Armesünderkammer , ich werde dich rufen , wenn deine Mutter hier ist , die sehr zornig gesinnt ist gegen dich . « Kaum war der Knabe in die Kammer getreten , so redete der Ratsherr ausführlich und sehr rührend zur Versammlung , erzählte von dem Unglücke der Frau ihres ehemals hochgeachteten Bürgermeisters , wie sie durch die Verschwendung ihres zweiten Mannes und durch die Verwüstung der Bilderstürmer , in der Meister Anton sein eigenes Haus preisgegeben habe , um das Haus Gottes zu retten , um alles Ihre gekommen und selbst darben müsse , während noch eine blühende Stiftung für die Jugend der Stadt auf ewige Zeiten das Wohlwollen und den Wohlstand ihres würdigen ersten Mannes verkünde . Nun erzählte er das unglückliche Ereignis , das die arme Frau mitten im Schmerz über die öffentliche Versteigerung niedergedrückt habe , das Lieblingskind ihres Herzens , ihren Erstgeborenen , das einzige Pfand der Liebe ihres verehrten ersten Mannes , so gewaltsam sich entrissen zu sehen ; der ihm aber ihr entrissen , das sei jetzt ihr letztes einziges Eigentum , ihr letzter Trost . Jetzt entwickelte er , zur großen Verwunderung aller , die wunderbare Geburt dieses älteren Sohnes , nachdem das Blut Antons dem schwachen alten Bürgermeister eingeflößt worden , wie unnatürlich seine Entstehung , wie der jüngere Anton gleichsam sein Eigentum nur zurückgenommen , das der Vater auf leichtsinnige Art verschwendet hatte , als er das Blut seines Bruders getrunken ; dabei beschrieb er die völlige Unbefangenheit des Knaben , seinen festen Glauben , daß er recht getan habe , dabei sein gutmütiges Wesen , das ihn bei allen Kindern beliebt gemacht hatte ; er rief die Kindern der Versammlung auf , die alle ein gutes Zeugnis für ihn ablegten , wie er oft durch seine ungemeine Stärke den Bruder geschützt habe . Diese Erzählungen der Kinder hatten alle bewegt ; jetzt trat der Ratsherr mit seinem Vorschlage heraus : » Ich sehe , liebe Mitbürger , ihr seid alle gerührt ; ihr habt die schwere Sünde des Brudermordes , die auf dem Kleinen ruht , als eine kindische Unwissenheit euch erklärt , ihr würdet vielleicht ohne weitere Beweise den Kleinen begnadigen ; aber ich glaube , daß der Ernst unserer Gerichte einen öffentlichen Beweis dieser kindischen Unwissenheit fordert , den Beweis , daß dieses Kind , über seine Jahre körperlich stark und groß aufgewachsen , doch geistig noch unentwickelt