Hören sie Echo mit lautem Schall . Die Schwäne herrlich sangen Ihr letztes schönstes Lied , Und leuchtende Wölkchen hangen , Manch Engelein nieder sieht ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Schwebet wie Blüte ein süßer Schall . Der Mond sieht aus dem Bette Des glatten Falls empor , Die Nacht mit der Blumenkette Erhebet zu sich dies Chor ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Grünt es von Tränen nun überall . Vierzehntes Kapitel Der Minister reiset nach Sizilien Der Schreiber , immer besorgter , das Geheimnis jener Nacht möchte verraten werden , hatte inzwischen gleich nach der Rückkehr vom Ätna einen Brief an den Minister über die Leidenschaft der Fürstin zu seinem Schwiegersohne geschrieben ; der Brief war durchaus wahr ohne Übertreibung . So wenig der Minister die Untreue bei Männern für etwas Bedeutendes hielt , so war sie ihm doch unangenehm an seinem Schwiegersohne ; er wollte ihn nicht gerne an der Stelle sehen , wo er selbst einst gestanden . Die bestimmte Zeit zur Rückkehr der Fürstin war längst verstrichen , und mehrere politische Ereignisse machten diese doch notwendig ; schon mehrmals hatte er ihr deswegen geschrieben , aber sie antwortete entschlossen , sie würde es vorziehen , die vormundschaftliche Verwaltung für den ausschweifenden Erbprinzen ganz niederzulegen . Durch den Brief des Schreibers überzeugte er sich , daß dieser Entschluß ernstlich begründet sei - so sollte er mehrjährige Bemühung für des Landes Wohl in einer Zeit , die alle seine Stetigkeit und alles Talent der Fürstin forderte , einer gleichgültigen fremden Verwaltung überlassen ? - Die Trennung von den Seinen , von seiner Moham und ihren Kindern war ihm sehr unangenehm , aber ein Staatsmann unterzieht sich dem Schwersten ; er mußte sich endlich selbst zu einer Reise nach Italien entschließen , nicht um nach eigner Lust sich von vieljähriger Arbeit dort auszuruhen , sondern um wie ein hartes geistliches Gericht ein paar liebende Seelen aus einem unbekannten Verwandtschaftsgrunde von einander zu reißen . Zu seiner Aufheiterung nahm er den Kammerjunker und die Mamsell mit sich ; beide waren in höchster Freude , daß sie Italien sehen sollten , und er verdarb sie ihnen nie . Rührend war es , wie der alte Geschäftsmann allmählich ohne sein Wissen auftaute , je weiter er nach Süden vordrang ; zwar handelten seine Briefe meist von Geschäften , doch verlängerte sich die Nachschrift an seine Freunde bei jedem Briefe . Hier zur Probe nur eine : » Lieben Freunde ! Ich schreibe aus Como , dem Geburtsorte der neueren elektrischen Physik ; doch kann ich mich nicht entschließen , zu dem berühmten Volta zu gehen , so fest hält mich das Marktgewühl an meine Fenster gelehnt ; die verschleierten Frauen mit ihren Mägden erwecken meine ganze Neugierde . Ihr werdet fragen , ob ich wohl und gesund bin ; zu solchen Fragen bleibt aber hier keine Zeit ; jeden Augenblick gibt ' s etwas Neues , und selbst so alte Bekanntinnen wie die Sonne und Sterne , glänzen hier wie in erster Jugend . Ich kann Euch meine Verwunderung über den ersten hohen Feigenbaum im Freien nicht ausdrücken , als ich gen Chiavenna auf meinem Maultiere vom Gebürge herabritt , hinter mir ein Gewitter , um mich alles so schwül , Kammerjunker und Mamsell sehr schmachtend gegen einander , und der Baum so frisch , großblättrig ; ich mußte stille bei ihm halten , und mir ein paar Blätter davon auf meinen Hut stecken . Die Bauart der Stadt , die unter mir lag , die flachen Dächer , das gute Verhältnis zwischen Länge und Breite der Häuser , zwischen Fenstern und Türen , ein Marienbild in der Mauer , das sich durch seine guten Umrisse und Farben von der bloßen mechanischen Heiligenmalerei unsrer katholischen Länder unterschied , machten mir einen so behaglichen Eindruck von einem reiferen gebildetern Lande , daß ich alle Ermüdung vergaß , die ich aus der alten Welt mitgebracht und recht frisch die spinnenden feinen länglichten Weiber vor allen Haustüren beschaute , deren feurige aufmerksame auszeichnende Blicke und laute Stimmen sie gleich von allen Nachbarinnen jenseit der Alpen unterscheiden ; Ähnlichkeit haben sie darin mit den Ostindierinnen , nur ist in Italien alles frei , offen und erklärt , was sich dort hinter tausend Schleiern verbirgt . Die Eifersucht der Italiener ist ein altes Märchen : es gibt Eifersüchtige wie allenthalben ; die Männer sind meist widrige , schmutzige Eseltreiber , Köche , Faulenzer , eine niedrige List entstellt meist ihre schönen Züge . Das erste Wirtshaus war so durchsichtig , weil alle Türen und Fenster offen standen , daß ich glaubte in einem Lager zu sein , wo die Hütten nur für einen Monat erbaut ; so war auch die Kost : gute Sachen schnell und schlecht bereitet . Auf dem Comersee sorgte eine hübsche runde Frau , die ich aus Gefälligkeit in mein Fahrzeug aufgenommen hatte , sehr artig für uns . Sie wollte mein Alter nicht glauben , versicherte mir heimlich , daß ihr noch nie ein so stattlicher Herr wie ich vorgekommen , ich möchte sie doch in Como besuchen . Sagt meiner Frau , daß ich nicht untreu geworden bin . Ein paar Schifferbuben , Pietro und Battista , sangen ununterbrochen beim Rudern , der alte Schiffer besserte zuweilen , wo sie falsch gesungen ; wie verschieden von uns , wo der Alte sicher den Jungen das Singen bald gelegt hätte . Ja lieben Freunde , wir haben viel Kritik , aber sonst nicht viel , was der Mühe des Lebens wert wäre , und unsre meiste Erziehung besteht doch bloß in einem Entwöhnen von der Freude . Angesicht dieses gebt dem Hofmeister meiner Kinder den Auftrag , alles , was noch volksmäßig gesungen wird , mit ihnen durchzusingen , so haben sie doch etwas , woran sie sich in vergnügten einsamen Stunden halten können . Mir fehlt so etwas ; meine beiden Reisegefährten schmachten , schmollen oder schreiben . « Funfzehntes Kapitel Unterhaltung der Reisenden in den Pontinischen Sümpfen Die