gewünscht , daß sie sich für ihre Kinder erhalte . Das war genug für sie . Das Daseyn ist ihr unzweifelbar eine drückende Last , alle ihre Gedanken wohnen im Grabe , und dennoch hat sie sich aufgerafft , und ihre liebsten Neigungen bekämpft , und ihre Gesundheit gepflegt , wie wenn das Leben das wünschenswertheste Gut für sie wäre . Sie spricht oft und am liebsten - und fast nur von ihm - und diese Gespräche dienen nicht , wie in ähnlichen Fällen , ihren Zustand zu verschlimmern , sie scheinen vielmehr ihre gepreßte Brust zu erleichtern . Ach , ihre Wunden können nicht aufgerissen werden , denn sie haben noch keinen Augenblick aufgehört zu bluten ! Darum kann ich auch kein langes Leben für sie hoffen , und ich müßte wahrlich die Selbstsucht bis zur Grausamkeit treiben , wenn ich es ihr wünschen könnte . Wir und ihre Kinder werden unendlich durch ihren Tod verlieren , denn wie ein guter Geist waltet sie sanft , beruhigend und erheiternd , selbst jetzt in allen ihren Schmerzen unter uns , und die fremdartigsten Gemüther bezwingt und fesselt ihre unwiderstehliche Güte , ihr tiefer innerlicher Werth . Aber sie ist nur mehr halb auf dieser Erde . Ihre bessere Hälfte , so sagt sie selbst , ist hinübergegangen , und der traurige Rest muß verwelken , wie der Baum abstirbt , dem ein Sturmwind oder die Art des Landmanns alle seine Aeste geraubt , und den größten Theil des Stammes zersplittert hat . So lange die matten Säfte noch auf-und absteigen , grünt die Rinde noch , und sprossen noch einzelne Blätter hervor ; aber jeden Frühling weniger , und immer weniger , bis , wenn einst der Wanderer kömmt , und ihn sucht , er ihn dürr und abgestorben findet , und mitleidig die morschen Ueberbleibsel zu den längst gefällten Theilen gesellt . Nur ein Punkt ist außer ihren Kindern auf der Welt , der ihr lebhafte Theilnahme einflößt - Constantins Schicksal . Sie hat vor zwei Tagen durch den König einen Brief von ihm erhalten . Er ist Augustus . Als er an der gallischen Küste ankam , fand er seinen Vater schwer krank , und im Begriff , sich nach Britannien bringen zu lassen . Kaum in Eboracum angelangt , starb er in den Armen seines Sohns . Die Legionen standen keinen Augenblick an , zwischen dem würdigen Sohne ihres geliebten Kaisers , und irgend einem Fremden , den ihnen Galerius aufdringen würde , zu wählen , und riefen ihn einmüthig zum Augustus und Imperator aus.1 Dies Alles meldete ihr Constantin mit der Genauigkeit und dem edlen Zutrauen eines Freundes , und in dem Ton eines Mannes , dem ein doppelter Verlust für diesen Augenblick den Glanz des Purpurs verdüstert , und ihn für nichts als den Schmerz für Vater und Freund empfänglich gemacht hat . Theophania ergriff diese Nachrichten mit Wärme , ja ich kann sagen mit Heftigkeit . Sie brach in Thränen aus , faltete die Hände und schlug den leuchtenden Blick zum Himmel . O mein Agathokles ! rief sie dann mit lebhafter Zärtlichkeit : Du hast es gewußt ! Du weißt es auch jetzt - und das ist dein Lohn ! Sie entfernte sich bald darauf , und schloß sich in ihr Zimmer ein . Lange darauf kam sie sehr bleich , und wie es schien , erschöpft , aber mit einer unaussprechlich milden Heiterkeit wieder zu uns . Ihre Thränen floßen beinahe den ganzen Abend , aber es schienen keine Thränen des Unglücks zu seyn . Ueberhaupt ist es zuweilen , als hätte sie Tröstungen , die weit über unsre Begriffe und alle Macht der menschlichen Natur erhaben wären . Ihr scheint Agathokles nicht ganz todt zu seyn , sie fühlt sich manchmal nicht völlig von ihm getrennt ; es ist , als beglücke sie noch ein unsichtbares Band , als walte ein geheimnißvoller Zusammenhang zwischen ihnen . Ich kann nicht bestimmen , wie vielen Antheil an diesen Vorstellungen , Religion , Schwärmerei , Wirklichkeit , oder ein durch so lange heftige Leiden geschwächter Geist hat . Sey es immer Wahn - er ist wohlthätig für sie , und ich werde mich sehr hüten , ihn durch Zergliederung und Vernunftschlüsse zu zerstören . Und wer von uns kennt denn die Gesetze der Geisterwelt , und die unerforschten . Kräfte der Natur ? Wer wagt es auszusprechen , daß eine seltsame , unerhörte Sache , darum nicht möglich sey , weil sie bisher noch nicht in dem Kreis unserer Erfahrungen lag ? Die höchste Weisheit ist , zu bekennen , daß wir hierüber , wie über so viele andere Dinge , Nichts wissen , und so müssen wir wünschen und hoffen , daß unsere unglückliche Freundin diese beruhigenden Vorstellungen so lange hege und nähre , bis es dem Schöpfer gefällt , die schwachen Bande zu lösen , die ihren Geist an die welkende Hülle binden , und sie ganz und auf ewig mit dem zu vereinigen , mit dem ihr Wesen , seit ihrer Kindheit , nur Eins ausgemacht hat , und von dem sie , wie es beinahe scheint , selbst der Tod nicht völlig zu trennen vermochte . So weit die Geschichte des unglücklichen Paares , die der Inhalt dieser Blätter war . Sechs Jahre darauf starb Galerius ; aber nur erst nach einem langen Zwischenräume von Kampf und Elend , nachdem mehr als sechs auf einander folgende Auguste und Cäsarn um die Herrschaft der Welt gestritten und geblutet hatten , ging aus Krieg und Zerrüttung über den stillen Gräbern der ersten Opfer für Constantins Rettung jener Zeitpunkt von Ruhe und stille hervor , um dessentwillen so Vieles geschehen , und so manches edle Herz gebrochen worden war . Constantin wurde Herr der ganzen römischen Welt . Er verlegte den Sitz der Regierung nach Byzanz , das er mit vieler Pracht zur Hauptstadt erhob , und nach seinem Namen Constantinopel nannte . Das Christenthum , als die laut bekannte Religion des Kaisers