auf Scheidungen und Standesunterschiede verzichtet , die nun , so scheint es , Zeugnis ablegen sollen , daß wir uns hier auf dem Grund und Boden eines adligen Fräuleinstiftes befinden . Im Leben » leben und leben lassen « aber im Tode – Rangordnung ! So begegnet man denn Steinen und Grabkreuzen an drei verschiedenen Punkten des Parkes , und während die Dienstleute samt den Beamten an einer , die Gäste des Klosters an einer andern Stelle ruhn , ist den Stiftsdamen eine dritte Stelle vorbehalten geblieben . In zwei Reihen , zu beiden Seiten einer alten Rüsterallee , liegen sie hier in hochaufgemauerten Gräbern , von denen übrigens keines über den Anfang des vorigen Jahrhunderts zurückreicht . In deutlichen Buchstaben sprach nur noch das Grab der letztverstorbenen Domina zu mir , stattlicher aber war ein älterer Stein , unter dem ( wenn ich das Wappen richtig erkannt ) eine von Pannewitz ihren letzten Schlummer schlief . Auf dieses Epitaphium , das einen guten Überblick versprach , stieg ich hinauf und übersah nun , ein paar Zweige zurückbiegend , die ganze Klosteranlage : nach links hin der von Lindengängen eingefaßte See , zwischen uns und ihm ein buntes Durcheinander von Blumen- und Gemüsegärten , und mitten hinein gestellt in diese , das villenartige Haus der Domina , dichtgrenzend mit einem in Trümmern liegenden Langbau , der sehr wahrscheinlich einst das Refektorium des alten Klosters ausmachte . Jetzt ist es Wirtschaftshof , Eis-und Vorratskeller der drei , vier Damen , die hier ihre Tage leben und beschließen , und jeder Zauber wäre dieser Verfallstätte längst abgestreift , wenn nicht die hohen , stehengebliebenen Giebelwände wären , mit ihren gotischen Nischen und Fenstern und ihrem Storchennest darauf . Eine Viertelstunde lang hielt ich Umschau von dem Pannewitz-Grabstein aus ; dann , auf einem Schlängelpfade den See gewinnend , schritt ich langsam einen Ufer- und Lindengang hinunter , bis ich mich unerwartet und plötzlich fast inmitten einer völlig veränderten Szenerie sah . Beete mit eingemusterten Blumen lagen wie Teppiche vor mir ausgebreitet , aus dem Mittelrondell stiegen Büsche von Ricinus und Canna indica auf , Wein und Pfirsich lachten am Spalier , und abwechselnd liefen Lauben von Geißblatt und Pfeifenkraut an der einen Seite des Gartens hin , während an der anderen ein Drahtzaun , leicht wie ein ausgespanntes Fischernetz , die Anlage schloß . War dies noch Klostergrund ? Nein . Aus mittelalterlichen Überbleibseln heraus war ich in eine modern-bürgerliche Welt eingetreten , und ein reicher , in Anlagen und Gartenkunst erprobter » Proprietaire « stickte hier mit eigener Hand diese Blumenmuster in den Rasenteppich und gefiel sich darin , in richtiger Benutzung des Erworbenen , auch dem » was wohltut und gefällig ist « zu dienen . Ein Reichtum , der zur Pflege des Schönen führt , er freut immer wieder mein Herz und tat es auch hier . Aber beinah wohltuender noch berührte mich die Wahrnehmung , daß das Fehlen einer Grenz- und Scheidelinie zwischen Klostergrund und Gartenanlage wenigstens an dieser Stelle kein bloßer Zufall war . Diese Scheidelinie fehlte , weil der Trennungsstrich auch in den Herzen nicht vorhanden ist und der Besitzer des Gartens Frieden und Freundschaft hält mit den Klosterfrauen von drüben . Gransee Die » Warte « bei Gransee die » Warte « bei Gransee Sie steht auf dem höchsten Punkte der Umgebung , dem » Warte-Berg « . Junge Fichten und dichtes Kusselwerk , drin der Sandhase sein Lager hat , bedeckten ihn an seinen Abhängen , und nur der abgeplattete Gipfel ist kahl . Hier erhebt sich die » Warte « , von fern her einem modernen Fabrikschornsteine nicht unähnlich , bis man im Näherkommen den bedeutenderen Durchmesser erkennt . Es ist ein etwa 50 Fuß hoher Rundturm , aus Feldstein und acht senkrechtstehenden Backsteinrippen derartig aufgeführt , daß bei der Aufmauerung immer erst die Rippen um einige Fuß erhöht wurden , ehe man wieder mit Feldstein zu füllen begann . Wie alt der Turm ist , stehe dahin . Ich möchte ihn frühstens in den Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts setzen . Der gleichen Ansicht scheint nun freilich W. Alexis nicht gewesen zu sein , als er eben diesen Warteturm in seinem berühmten Romane : » Der falsche Waldemar « zum Schauplatz eines Hergangs aus dem Jahre 1348 machte . Diesen Hergang selbst erzählt er annähernd wie folgt . Gransee hatte selbstverständlich seine Fehden mit dem benachbarten Adel , und zur Waldemar-Zeit waren es vorzugsweise die Winterfeldts und die Quaste , mit denen es sich bekriegte . Tile Quast wird eigens genannt , ebenso Tacke de Wons und Hans Lüddecke vom roten Haus . Im Jahre 1348 handelte sich es von seiten dieser Drei um nicht mehr und nicht weniger als einen Überfall der Stadt , solcher war aber nur möglich , wenn es vorher glückte , den auf der Warte stationierten Stadtwächter , Mathis mit Namen , einzuschläfern . Dies zu bewerkstelligen , kam man überein , daß ein als Kärrner verkleideter Knecht , der ein Stückfaß Wein auf seinem Karren habe , die vorüberführende Straße passieren und am Fuß der Warte halten solle , wie wenn es sich um Ausbesserung eines Schadens an Rad oder Achse handle . Und so geschah es auch . Der Karren hielt . Mathis , der sich langweilen mochte , wie noch heute die Schildwache tun , ging ohne Besinnen in die Falle , stieg die Wendeltreppe hinunter und bot sich an , bei dem anscheinend verunglückten Wagen mit zu helfen . Dabei fanden beide , daß der Wein für die Granseer viel zu stark sei . Sie spundeten also auf , tranken ein Erhebliches und füllten mit Wasser nach . Dies geschah aber erst ganz zuletzt und Mathis fiel gleich danach in tiefen Schlaf . Als er andren Tags bei schon hochstehender Sonne wach ward und Umschau hielt , sah er den ganzen zwischen seinem Turm und der Stadt liegenden Plan von Bewaffneten überdeckt ; in der Tat , der Überfall hatte bereits stattgefunden . Er