ihr den Wolfl beiseite . Dann alles , was da in der Truhe ist , auf meine Troßtiere ! Und fort ! Nehmt die Straße nach Emmering . In den Stauden des Buchenwaldes sollen mich zwei von den Meinen mit vier guten Gäulen erwarten . Ihr mit den Troßtieren flink voraus , über Bruck nach Augsburg ! Dort verbergt ihr euch - « Prinz Ludwig sah mit funkelnden Augen in die Truhe , » bis ich diese schönen Dinge von euch fordere . Ein Drittel des gemünzten Goldes ist euer . Und bin ich Herzog , so seid ihr die Besten unter den Meinen . « Seine Stimme bekam einen klagenden Ton . » Ich fürchte , mit meinem törichten Vater geht ' s hinunter . Vielleicht schon heute . Kluge Menschen halten sich an jene , die emporkommen . Aber tut , was ihr wollt . Wenn ich die Krone trage , laß ich meine Feinde hängen . « Er klappte lautlos an der Truhe den Deckel zu . » Geht , ihr Treuen ! Gott wird euch segnen . « Die beiden blieben ratlos noch immer stehen . » Der Wolfl kommt . « Da sprangen sie flink in die Zeltkammer hinaus , und lächelnd wandte Prinz Ludwig das Gesicht . Wolfl Graumann kam mit sechs Einrössern in blankem Stahl und in scharlachroten Wappenröcken . Einer von ihnen sagte streng : » Gnädigster Prinz ! Wir müssen Euch holen . Die Arbeit will anheben , wenn die Sonn , die uns widrig ist , hinuntergeht hinter die Wälder . « » Die Sonne ? So ? Diese Sonne ! Immer geht sie hinunter , wenn das Helle sterben will . Ich komme . Habt nur ein bißchen Geduld , ihr Gradgewachsenen ! Einer wie ich bewegt sich langsam . « Prinz Ludwig machte einen wippenden Spinnenschritt und legte einen herzlichen Klang in seine dünne Knabenstimme . » Komm , guter Wolfl ! Mache mich bereit ! Heut will ich sterben für meinen geliebten Vater . Zieh mir die Schnallen fest ! Gib mir den Degen , den mein Vater ablegte ! Der ist so scharf wie leicht . Und hüll mir den grauen Mantel um das Höckerchen , das mein Panzer hat . « Er lächelte . » Sonst erkennen mich die Feinde zu schnell . Wenn sie fliehen , bevor ich fechte , bleib ich ohne Ruhm . « Schweigend tat der Kämmerer , was der Prinz ihm befohlen hatte . » Guter Wolfl ? Warum so mürrisch ? Weil der Vater ungerecht wider mich redet ? Ich will ihn lieben dafür , wie es der Heiland befiehlt . Sag ihm das , wenn ich in der Schlacht für ihn gestorben bin . Und ehrlich : Hab ich dich schon zur Untreu verleiten wollen ? Nein ? Also ! Und hab ich den Vater nicht immer vor diesem bösen Nachtigall gewarnt ? Erst gestern noch ! Dieser Nachtigall ist ein Meister in schönen Dingen . Alles Schöne ist falsch . « Seine Stimme wurde leis . » Und diese beiden , die der Vater noch mit ins Feld genommen - « - « Prinz Ludwig flüsterte dem Kämmerer zwei Namen ins Ohr , doch immer noch so laut , daß die sechs Einrösser diese zwei Namen deutlich hören konnten . » Mir glaubt der Vater nicht . Warne du ihn vor diesen beiden ! Das sind Diebe . Gestern auf dem Marsche hab ich sie reden hören von meines Vaters Truhe . Sei wachsam , guter Wolfl ! Hüte meines Vaters Gut und Leben ! Gott wird dich segnen dafür . Wenn ich heute sterben muß und hinaufkomme , will ich die Heiligen bitten , daß sie dir beistehen . Um meines geliebten Vaters willen . « In diesen Worten war ein Klang von rührender Kindlichkeit . Und als der Greis verwundert aufblickte , sah er unanzweifelbare Tränen über das breite , blasse Gesicht des Prinzen herunterkollern . Draußen unter dumpfem Sausen ein Trommelgerassel und rasche Trompetenstöße . Der Führer der Einrösser sagte : » Gnädigster Prinz ! Es ist an der Zeit ! « Mit den nassen Augen nickte Prinz Ludwig den sechs Gepanzerten herzlich zu . Wippend trat er zu ihnen , reichte jedem die Hand , wickelte den mausgrauen Mantel um seine Rüstung und sagte : » Schützet den Sohn eures Fürsten ! « Als die sieben hinaustraten durch den Spalt des Zeltes , fiel wieder die Sonne herein . Wolfl Graumann strich mit dem Handrücken über seine Stirn , als müßte er einen Nebel vor seinem Blick verscheuchen . Da faßten ihn grobe Fäuste vom Rücken her und rissen ihn zu Boden . Bevor er schreien konnte , hatte er einen Leinenbausch im Munde . Die beiden , vor denen der Prinz ihn gewarnt hatte , fesselten ihm Hände und Füße , wickelten ihm einen Mantel seines Herrn um das Gesicht herum , und so ließen sie ihn liegen . In der Zeltkammer winselten und kläfften die zwei Hunde , während die schweren Säcke aus der Truhe gehoben und davongetragen wurden . Hinter dem Zelte machte sich ein Trupp von berittenen Leuten mit zwei schwerschleppenden Saumtieren und vier leeren Gäulen durch den schönen Abend davon , kreuzte die auf der Dachauer Straße im Laufschritt anrückende Nachhut des Heeres und mußte sich bei der Amperbrücke durch einen Knäuel von Troßwagen winden , mußte einem Schwarm der kreischenden Gelägerdirnen entrinnen . Der letzte Zug der Spießknechte , der den breitgezogenen Rücken des gegen die brennenden Dörfer Puechheim und Alling vorrückenden Schlachthaufens einzuholen versuchte , geriet auf der feuchten , von Menschen und Rossen zerstampften Wiese aus dem Zusammenhang , schließlich sprang ein jeder , wohin er wollte und wo er besseren Grund zu finden hoffte . Noch ehe diese Moosgaukler den vordrängenden Heerschwarm erreichen konnten , blieb er stehen . Nach allem Lärm war plötzlich eine wunderliche Stille in der Luft . Die Menschenmassen waren unbeweglich . Nur die Rosse , die der schlechte Boden