und nicht vor dem siebenten Tage zu antworten , mochte ich mich nicht binden . » Nein doch , Frau « - sprach ich heimlich - » laß lieber unseres Schöpfers Wort gelten , zur Eva gesprochen : Deinem Manne sei dein Wille untertan , es seien Mann und Männin ein Fleisch . « Und es brausete mein Blut wie vor vielen Jahren zu Magdeburg , da ich mit der Geliebten unter der Erde Hochzeit gehalten . Alle Reize des süßen Weibes erblühten von neuem und waren entzückender noch als damals in der Kirchengruft ; mich verzehrte das Schmachten , eine Wüstenei galt mir das Leben ohne Thekla . Unsinnige Pläne beschwur meines Blutes Gärung herauf . Umlauern wollt ich Kiesewalds Baude und bei guter Gelegenheit Thekla zur Rede stellen , sie überzeugen , daß sie mir zu folgen habe , und dann mit ihr auf Schleichwegen entfliehen . Würde Heinrich uns verfolgen , dann wehe ihm ! Schon im Kampfe mit dem Nebenbuhler sah ich mich , sein Blut floß wie das meine . Und nieder zwang ich ihn , frei war nun die Bahn für mein erobert Glück . Nach Dresden wollten wir uns wenden und ein friedlich Gütlein erwerben beim schönen Elbestrome . An Gelde sollt es nicht fehlen ; des Abendburgschatzes wollt ich von neuem habhaft werden . Es reuete mich , ins Felsenloch ihn gesenkt zu haben . Indessen ließ sich der Schaden noch gut machen . Ich plante , das Höhlenwasser zu stauen und das Felsenloch trocken zu legen . Hineinkriechen wollt ich und das Gold wieder herausholen . Falls das Loch zu enge wäre , ließ es sich auseinandersprengen . Das Sprengmittel besaß ich ; drei Faß Pulver waren in den kriegerischen Tagen der Abendburg drunten verborgen und noch unverbraucht . Die nächsten Tage schaffte ich in der Höhle , um den Schatz wieder in meine Hände zu bringen . Durch das eisige Wasser patschte ich und griff ins Felsenloch . Verschwunden aber blieben die Kostbarkeiten , hinabgespült in den Schacht harten Gesteins . Meine Mühe , das Wasser zu stauen , wollte nicht gelingen ; zerrissen war das Felsenbett , und wenn ich mit Steinen , Moos und Schotter eine Sperre gemacht hatte , kam das Wasser aus tiefen Spalten herfürgeschossen . Da mußt ich mich schon auf langwierige Arbeit einrichten . Abgemattet und verzagt griff ich mit zitternder Hand an meine Stirn : » Was tust du , Narr ? Erst verwirfst du das Gold , wie man eine Giftschlange wegschleudert ; und jetzo suchst du wieder danach , als ob es dein Heil sei . War nun der Verwerfende ein Narr , oder ist es der reuige Sucher ? Besinne dich , Mensch ! « Und es raunte mein besser Selbst : » Verworfen hast du den Mammon , weil er Unfrieden und Schuld , Habgier und Neid , Trug und Totschlag heraufbeschwur und solchergestalt als echter Höllenfürst sich zu erkennen gab . Um dich ein für allemal loszusagen von dem Seelenverderber , hast du ihn hinabgestürzt in den schwarzen Erdenschlund . Friede hat dich seitdem begnadet , schon tat der Himmel sich dir auf . Nun aber wendest du dein Angesicht wieder zur Tiefe . Was suchst du drunten ? Meinst du , aus dem schaurigen Höllenkessel könne dein Glück emporsteigen ? Das Gold holst du vielleicht heraus , dafür aber wirst du dein besser Selbst hinuntersenken . « So haderte ich , und es reuete mich allgemach , daß in dem Briefe , den ich dem hohlen Baum beim Kesselstein anvertraut hatte , eine Sinnesart zum Ausdruck gelangte , keineswegs dem Edelmetall des Herzens angehörig , wie es Waldhäuser empfohlen . Da ich mich schämte , im ersten Brief an Thekla mich also wüst zu geben , so eilte ich zum Kesselstein , den Brief wieder zurück zu nehmen . Er war aber bereits abgeholt . Theklas Antwort ließ nicht lang auf sich warten . Eine Rauchsäule am Breiten Berge gab das Zeichen , daß ich zum Kesselstein kommen solle . Ich eilte hin und zitternd entnahm ich der Baumhöhlung das Papier . Und las Theklas Zeilen , die hastig hingeworfen und zuweilen durch Zähren verwaschen waren : » Wie zerrissen muß Dein arm lieb Herze sein , teuerster Mann ! Wilde Geister möchten Dein Heiligtum erobern und haben mit blendenden Kriegslisten für ein Weilchen Boden gewonnen . Gewißlich nur für ein Weilchen ! Bald wird mein Johannes aus seiner Verstörtheit erwachen und dann erst recht ein Gotteskind sein . Die unbeholfene Schreiberin hat im vorigen Brief verschwiegen , welch Entzücken ihr Deine Predigt im Felsendom erweckte . Sinne Dich , Geliebter , in eines anschmiegsamen Weibes Seele hinein , wenn sich der verlorene Gatte wiedergefunden hat , voller Adel wie ein Demant , der dem Besitzer abhanden kam , um köstlich geschliffen zurückzukehren . Nicht als ob ich in den Jahren unserer Jugend Mängel an Dir empfunden . So wie Du warst , hast Du meine wonnige Anbetung gehabt . Und nicht minder zärtlich umfinge Dich jetzo meine Liebe , wärest Du des Kriegsgottes Anhänger geblieben , obwohl ich alsdann zum Himmel flehen würde , daß er Dich über die rauhe Ritterschaft hinaushebe in jenen Stand , zu dem die Sterne Dich bestimmt haben . Herzog Wallenstein war ein astrologischer Prophete , als er sagte , Du werdest kein Kriegsmann sein , sondern Hoherpriester . Ja , einen Born in Dir hat sich die Weisheit bereitet . Denke doch , wie darob eine Frauenseele jubilieren muß , die in langjähriger Trennung vom Geliebten zum selbigen Gipfel der Verklärung aufschauen lernte , den Deine Hohepriesterschaft feiert . So sind wir beide ja im tiefsten Grunde eins , von einer Andacht zum gleichen Pilgerziel bewegt . O reiche mir Deine Hand , ich halte sie fest . Vertrauend will ich ihr gehorsamen , soweit ich vermag . Nachsicht aber , Erbarmen erflehe ich , falls ich vor Schauder zittere und meinen ungestümen Führer zurückzerre von der finstern Tiefe ,