weder von mir noch von sonst Etwas . Man nennt das » Schlaf « . Das richtige Wort hierfür hat sich erst noch zu finden ! Dann war es , grad auch wie gestern , gegen Mittag , als ich wieder erwachte . Jetzt saß Schakara da . Sie sah mich an , nickte mir lächelnd zu und sagte : » Noch eine solche Nacht , Effendi , dann ist die Gefahr vollständig überstanden . « » Hast denn auch du dich ausgeruht ? « fragte ich . » Ich wollte nicht . Dschanneh wacht gern für dich . Ich saß schon hier . Da kam der Aschyk vom Glockenwege herüber . Er hatte Einiges für dich aufgeschrieben und wollte es dir in das Zimmer legen . Er bat so nachhaltig und so rührend , meine Stelle hier einnehmen zu dürfen , daß ich es ihm erlaubte . Bist du mir bös darüber ? « » O nein ! Ich wachte auf und sah ihn beten . Dann schlief ich sogleich wieder ein . « » Und ich kam gegen Morgen wieder , als er fort mußte . Da sagte er mir , daß er für dich gebetet habe . Es sei dann ein Gefühl des Glückes über ihn gekommen , wie fast noch nie in seinem ganzen Leben . « » Wo ist das , was er für mich aufgeschrieben hat ? « » Ich trug es dem Ustad hinunter , weil du mit solchen Dingen jetzt noch nicht behelligt werden sollst . Horch ! Was ist das für ein Rufen im Hofe ? Es kommt Jemand , den man begrüßt . « Sie stand auf und schaute hinab . » Kara Ben Halef ! « fuhr sie fort . » Aber der Reitknecht des Mirza ist nicht bei ihm , sondern ein Anderer . Man sieht ihm an , daß er kein Diener , sondern ein Herr ist , und zwar ein vornehmer . Kara ist stehend abgesprungen ; das andere Hedschin aber muß sich legen , damit der Fremde bequem herunter kann . Jetzt kommt der Ustad . Er staunt , doch ist sein Erstaunen ein freudiges . Sie kennen einander . Ihre Begrüßung ist eine herzliche . Jetzt schaut der Ustad herauf . Er sieht mich . Er winkt , daß ich kommen soll . Ich muß also fort , Effendi , werde dir aber bald berichten . « Sie ging . Es dauerte über eine Stunde , ehe sie wiederkam . Sie hatte dem neuen Gaste die im Wartturme unter Dschafars Wohnung liegenden Gemächer herrichten müssen . Nun sagte sie : » Es ist ein Hauptmann der kaiserlichen Leibwache . Er besitzt das Vertrauen des Schah-in-Schah und wurde von ihm gesandt , um sich unter den Befehl des Ustad zu stellen . Es kommen hundert Mann der Leibgarde nach , lauter auserlesene Krieger , die hoch im Range stehen . Der Reitknecht des Mirza wird ihr Führer sein , weil er den Weg nun kennt . Kara ist sehr gut aufgenommen und auch mit einem Ehrenkleide beschenkt worden . Er hat ein eigenhändiges Schreiben an den Ustad mitgebracht und der Hauptmann ein ebensolches an Dschafar Mirza . Den Inhalt wird dir der Ustad selbst mitteilen . Jetzt speisen sie . Dann wird ein weiter Außenritt rund um das Tal gemacht , denn der Hauptmann will hinter den Bergen rekognoszieren , weil dies jetzt noch unbemerkt geschehen kann . Die Gegner sollen nämlich erst im letzten Augenblick erfahren , wer er ist und wozu er sich bei uns befindet . Der Ustad wird jetzt nicht zu dir kommen . Ich habe ihm Bericht über dein Befinden erstattet und soll dir sagen , daß du dich als genesen betrachten darfst . Doch hat er Gründe , zu wünschen , daß du noch für krank gehalten wirst . Er läßt dich also bitten , dich den Leuten so wenig wie möglich zu zeigen , bis er dich hier aufsucht und dir Alles sagt . Er gab mir eine große , starke Papierrolle mit , die ich dir herein auf den Tisch gelegt habe . Es sei , um dich zu beschäftigen , meinte er . « Jawohl , es war eine Beschäftigung , und zwar was für eine ! Als Schakara wieder gegangen und ich aufgestanden war , öffnete ich die Rolle , welche aus mehreren größeren und kleineren Blättern bestand . Das erste große Blatt war eine Federzeichnung , welche die jetzige westliche Seite des Sees darstellte , von der Mitte desselben aus gesehen . Unten der Duar , links der Weg nach dem Tale des Sackes und rechts der Pfad nach den Gebieten der Takikurden und der nördlichen Dschamikun . In der Mitte , am Berge aufsteigend , die Ruinen , trotzig , düster , verschwiegen , ohne eine Spur innern oder äußern Lebens . Südlich von ihnen das Haus des Ustad , auf hoher Gigantenmauer , den Stürmen ausgesetzt . Von ihm ausgehend der Glockenpfad hinauf zum Alabasterzelt . Indem ich dieses Blatt betrachtete , kam mir der Gedanke , es zeige viel zu viel und dennoch fehle Alles ! Ich griff also zum zweiten . Was sah ich da ? Nicht mehr die massige Materie , sondern an ihrer Stelle das Geistige , das Seelische . Die Veränderung erstreckte sich nur auf die Ruinen , und doch hatte sie alles Fehlende gebracht . Die Hand des Menschen hatte dem Gestein eine andere Gestalt und mit ihr ein neues Leben gegeben . Da , wo jetzt der Landeplatz lag , führten hier sehr breite Stufen durch die geöffnete Mauer nach dem freien Platze , der durch den Wegfall der Etagen entstanden war . Rosen , viele Rosen , nichts als Rosen blühten hier , grad wie drüben vor dem Beit-y-Chodeh . Alle Wege , die es zwischen ihnen gab , führten nach einer gradezu imposanten , prächtigen Säulenhalle , zu deren Bau die sämtlichen Kolossalquader der Ruinen verwendet worden waren . Ich dachte an Baalbek