. Ich habe mit euch nichts zu schaffen . Aber handelt ihr gegen die Gesetze und berührt meine Person dabei , so bekommt ihr es mit mir zu thun . Ich rate euch also , mich und meine Freunde in Ruhe zu lassen ! « Bis jetzt hatte er an sich gehalten . Er beherrschte sich auch noch ; aber seine Augen blitzten ; sein Gesicht verzerrte sich vor Haß , und er ballte die Fäuste . » Also - - - Feind ! « knirschte er . » Ja , wenn du es so nennst - - - Feind ! « antwortete ich ruhig . » Weißt du , was das für dich bedeutet ? « » Ich weiß nur , wie gefährlich es für dich ist . Ich habe nichts zu fürchten . « » Bin ich etwa nichts ? Heut muß ich dir weichen . Heut muß ich verzichten . Du würdest mich sonst verraten . Aber es kommt eine andere Zeit . Und ich werde dafür sorgen , daß sie sehr bald kommt . Dann rechne ich mit dir ab . Bestehst du noch auf dem , was du vorhin sagtest ? « » Ja . « » Daß ich mich zu vergleichen habe ? « » Unbedingt ! « Da streckte er mir die Hand hin . Seine Stimme zitterte . » Hier nimm meine Hand . Es ist die Hand des ärgsten Feindes , den es für dich giebt . Du zwingst mich , auf die Blutrache gegen die Kalhuran und Dschamikun zu verzichten . Aber ich entsage nicht ; ich werfe sie auf dich . Nimmst du sie an ? « Er stand vor mir wie einer , der sich kaum mehr zu beherrschen vermag . Ich ergriff seine Hand und antwortete : » Ja . Ich nehme sie an . « » Du weißt also , daß ich der Bluträcher gegen dich bin ? « » Ja . « » So sei von dieser Stunde an gesegnet von allen Teufeln , die in des obersten Scheitan tiefster Hölle wohnen . Du entgehst mir nicht ! « » Und du sei geleitet und geführt von den Engeln der Selbsterkenntnis und der göttlichen Barmherzigkeit . Der , welcher über allen Menschen steht , der steht auch über dir . Wehre dich , so viel du willst , ihm entgehst du nicht ! « » Hund ! « » Mensch ! « » Ich speie aus vor dir . Lecke es auf ! Wenn nicht jetzt , so dann später . Ich werde dich dazu zwingen ! « Er spuckte vor mir nieder , warf mir die geballte Faust entgegen , drehte sich um und ging . Ich hatte Hafis Aram , den Scheik der Kalhuran , und sein Weib von der Blutrache erlöst . Dafür aber war ich ihr nun selbst verfallen . Diesen letzteren Umstand aber durften die Dschamikun nicht erfahren . Wer wahrhaft dankbar ist , wird nie vom Danke sprechen ! - - - Fünftes Kapitel Ahriman Mirza Eine musikalische Familie . Der Vater spielt die erste Violine , der Onkel das Cello , der eine Sohn die zweite Violine und der andere die Viola . Für heut sind alle Freunde eingeladen . Es soll ein Quartett gegeben werden . Kammermusik . Ob von Mozart , Haydn oder einem anderen , das weiß man nicht . Aber daß man nur Schönes , Gutes , von den vier Künstlern Durchdachtes und Verstandenes hören werde , davon ist man überzeugt . Man freut sich also auf den Genuß . Man kommt . Man weiß , daß man gern gesehen ist . Man nimmt Platz . Die Noten liegen auf den Pulten . Die Instrumente sind bereit , schon wohlgestimmt . Auch die Zuhörerschaft befindet sich in jener Stimmung , welche dem Erfolge gern und einsichtsvoll entgegenkommt . Da sind die Vier . Sie nehmen Platz . Sie greifen nach den Instrumenten . Durch den Raum geht das Geräusch leise gerückter Stühle ; hier ein erwartungsvolles , kurzes Räuspern , dort das Rauschen bequemgelegter Seide . Dann tiefe Stille . Jetzt ! Die Bogen berühren die Saiten . Die ersten Takte erklingen . Die Erwartung hat sich in offenruhende Empfänglichkeit verwandelt . Man lauscht . Da wird die Thür aufgerissen . Ein Feind der Familie kommt lärmend herein , rücksichtslos störend , ungeladen . Er erklärt , daß er die Absicht habe , einen Strafprozeß gegen die Familie zu führen , und macht in ganz ungesitteter Weise die Anwesenden mit dem Inhalte der Anklage bekannt . Man unterbricht ihn . Man entzieht ihm das Wort . Man sagt ihm , daß er unrecht habe und daß doch jetzt und hier nicht die rechte Zeit und der rechte Ort zu solchen Dingen sei . Man sei zu einem Kunstgenuß versammelt , nicht aber , um sich mit dem jus criminale zu befassen . Da entschließt er sich , mit zuzuhören , nimmt einen Stuhl und setzt sich nieder . Soll man die unangenehme Scene gewaltsam enden ? Ihn hinauswerfen ? Nein ! Man entschließt sich , ihn gewähren zu lassen und das Stück von neuem anzufangen . Aber in welcher Stimmung befindet man sich nun ? Werden die in Geist , Herz und Gemüt anzuschlagenden Accorde so befriedigend ausklingen , wie es vorher mit froher Bestimmtheit zu erwarten war ? Das ist ein Bild . Ich bringe es , um begreiflich zu machen , daß auch die vorhin vom Glockentone berührten Saiten unsers Innern durch den rauhen Gedanken der Blutrache vollständig zum Schweigen gebracht worden waren . Ob sie wieder so ungezwungen und rein erklingen würden wie vorher , das war wohl zu bezweifeln . - Tifl war , während ich mit dem Multasim sprach , nach dem Tempel gegangen . Als ich nun zu diesem zurückkehrte , hatte er von meinem Platze ein Kissen geholt und an eine der beiden Säulen des hintern Ausganges gelegt . Der Chodj-y-Dschuna stand dabei . Ich sah ,