Lautlos kamen die jüngeren Hähne der Reihe nach zugeflogen , die einen , um unter dem eifersüchtigen Zorn des gestrengen Platzherrn einen Teil ihrer Federn zu lassen , die anderen , um sich verstohlen zu den Hennen zu gesellen , die sich aus der Nähe des alten Hahnes verloren . Lächelnd sah Franzl diesem lustigen Minnetreiben des Waldes zu . » Alles liebt in der Welt , jeds Manndl hat sei ' Freud am Weiberl ! Kruzitürken ! Wenn ich ' s nur auch so gut haben könnt ! « Er seufzte . » Was wird jetzt d ' Mali machen im Unterland ? « Er schlang die Arme um das Knie und träumte in den erwachenden Tag hinein . Die Bilder , die vor seinem sehnsüchtigen Herzen gaukelten , waren freilich himmelweit verschieden von der Wirklichkeit . In ihres Bruders Haus lag Mali auf den Knien vor dem Bettchen des kranken Dirnleins , das in Schmerzen um sein erlöschendes Leben kämpfte - und Franzls Träume sahen das Mädel weit draußen » im Unterland « , wie es in der Morgensonne unter der Haustür stand und gegen Süden blickte , wo die Berge der Heimat blauten . Er schloß die Augen und lehnte den Kopf an den Stamm der Fichte . Mit linder Wärme umschmeichelte ihm die Frühlingssonne das Gesicht , und ohne daß er es merkte , holte sich der in der Nacht versäumte Schlummer sein gesundes Recht . Eine Stunde hatte er geschlafen , als ihn der Hall eines Schusses weckte . Das Echo kam von der Hangenden Wand . » Jetzt hat er an Adler ! Gott sei Dank ! « Mit lärmendem Geflatter hob sich das Auerwild aus dem Heidekraut , als Franzl die Blöße überschritt . Rastlos stieg er bis zum Abend im Wald umher und hörte , als schon die Dämmerung einbrach , wieder einen Schuß von der Hangenden Wand . » Mein heiliger Schutzengel , jetzt kriegst a Kerzl , jetzt hat er alle zwei , jetzt kommen gute Zeiten ! « Er lachte , schrie einen Jauchzer in den glühenden Abend hinaus und fing zu rennen an . Bei sinkender Nacht erreichte er die Dippelhütte , in deren Herrenstube die Lampe brannte . An dem hölzernen Nagel neben der Hüttentür hing ein Adler . Nur einer ? Franzl guckte und guckte , ohne den zweiten zu finden . Graf Egge lag auf dem Bett , als Franzl in die Stube trat . » Ich gratulier , gnädiger Herr ! Hab ' s Manndl schon hängen sehen draußen . Wo is denn der ander ? « Mühsam , als wären ihm alle Gelenke erstarrt , richtete Graf Egge sich auf und brummte : » Das Weibchen hab ' ich am Abend gefehlt . Geflucht hab ' ich wie ein Türk ' . Aber das ist gegangen wie der Blitz : hinein in den Horst und wieder davon . Schon nachmittags um zwei Uhr hab ' ich gemeint , ich halt das Stillsitzen nimmer aus , immer mit der Büchs im Anschlag . Mit Gewalt hab ' ich ' s erzwungen - und richtig , wie der Adler absegelt vom Horst , sind mir alle Knochen so steif gewesen , daß ich mit dem Schuß zu kurz gekommen bin . Und jetzt bin ich wie zerschlagen am ganzen Leib ! Komm her und zieh mir die Hos herunter . Dann mach ' die Lampe aus ! Gegessen hab ' ich schon . « Er ließ die Füße schwer vom Bett fallen und drückte stöhnend die Hand an den Hinterkopf . » Soll ich net an kalten Umschlag bringen ? « » Laß mich in Ruh ' ! « Mit krumm gezogenem Rücken schob Graf Egge sich unter die wollene Decke . » Na , ich hoff ' , die Geschichte morgen wird mir das verstockte Blut wieder aufmischen ! « Der Jäger drehte die Lampe ab und verließ die Stube . Früh am Morgen brachte Schipper die Meldung : » Alles in Ordnung ! Bis in zwei Stund kommen d ' Leut und bringen , was der Herr Graf bstellt haben ! « In erregter Hast wurde das Frühstück genommen und - nach Erzeugung eines neuen Dippels auf Graf Egges Stirn - der Weg zur Hangenden Wand angetreten . Schipper ging neben seinem Herrn und sah ein paarmal spöttisch auf Franzl zurück , der hinten nachtraben durfte . Als sie das weite Almfeld überschritten hatten und den Fuß der Felswand erreichten , hörten sie schon das Geschrei der Leute , die durch den Wald heraufkamen . Sechzehn Holzknechte trugen die vier mächtigen Leitern , vier andere schleppten sich mit dicken Seilrollen . » Was schreit ihr denn wie die Jochgeier ? Hier wird das Maul gehalten ! « rief ihnen Graf Egge entgegen . Die Leute bekamen rote Köpfe , aber sie sprachen kein Wort mehr . Mit erschrockenen Augen betrachtete Franzl die Leitern , sah prüfend an der hohen Wand hinauf und schüttelte den Kopf . Graf Egge hatte den Hut in den Nacken zurückgeschoben , denn die Beule des Morgens brannte unter dem Schweißband . Er stellte die Büchse an einen Baum , zog die Joppe aus und übernahm das Kommando . In gerader Linie unter dem Horst , senkrecht zur Felswand , wurden die vier Leitern auf dem Latschenfeld der Länge nach aneinandergelegt . Die Enden der Stangen wurden zusammengefalzt und mit den eisernen , die Fugen stützenden Schienen fest verschraubt , so daß die vier Stücke zu einer einzigen riesigen Leiter verbunden waren . Während Franzl , dem die Sache nicht geheuer erschien , an der Leiter entlang ging und die Stangen , jede Sprosse und alle Verschraubungen einer peinlichen Prüfung unterzog , stiegen zwölf Holzknechte mit Seilen auf einem Umweg zur Zinne der Felswand empor . Eine Stunde verging , bis sie auf dem überhängenden Grat als winzige Figürchen erschienen . Von zwei Stellen , zur Rechten und zur Linken des Horstes , wurden die Seile niedergelassen . Wie