mit dem schweren Schmuckrahmen versehen , stand hier die größte Komposition , deren Veranlassung die Bibelworte gegeben Wohl dem , der nicht sitzet auf der Bank der Spötter ! Auf einer halbkreisförmigen Steinbank in einer römischen Villa , unter einem Rebendache , saßen vier bis fünf Männer in der Tracht des achtzehnten Jahrhunderts , einen Marmortisch vor sich , auf welchem Champagnerwein in hohen venezianischen Gläsern perlte . Vor dem Tische , mit dem Rücken gegen den Beschauer gewendet , saß einzeln ein üppig gewachsenes junges Mädchen , festlich geschmückt , welches eine Laute stimmt und , während sie mit beiden Händen damit beschäftigt ist , aus einem Glase trinkt , das ihr der nächste der Männer , ein kaum neunzehnjähriger Jüngling , an den Mund hält . Dieser sah beim lässigen Hinhalten des Glases nicht auf das Mädchen , sondern fixierte den Beschauer , indessen er sich zu gleicher Zeit an einen silberhaarigen Greis mit rötlichem Gesicht lehnte . Der Greis sah ebenfalls auf den Beschauer und schlug dazu spöttisch mutwillig ein Schnippchen mit der einen Hand , während die andere sich gegen den Tisch stemmte . Er blinzelte ganz verzwickt freundlich mit den Augen und zeigte allen Mutwillen eines Neunzehnjährigen , indessen der Junge , Mit trotzig schönen Lippen , mattglühenden schwarzen Augen und unbändigen Haaren , deren Ebenholzschwärze durch den verwischten Puder glänzte , die Erfahrungen eines Greises in sich zu tragen schien . Auf der Mitte der Bank , deren hohe , zierlich gemeißelte Lehne man durch die Lücken bemerkte , saß ein ausgemachter Taugenichts und Hanswurst , welcher mit offenbarem Hohne , die Nase verziehend , aus dem Bilde sah und seinen Hohn dadurch noch beleidigender machte , daß er sich durch eine vor den Mund gehaltene Rose das Ansehen gab , als wolle er denselben gutmütig verhehlen . Auf diesen folgte ein stattlicher Mann in Uniform ; dieser blickte ruhig , fast schwermütig , aber doch mit mitleidigem Spotte drein , und endlich schloß den Halbkreis , dem Jüngling gegenüber , ein Abbé in seidener Soutane , welcher , wie eben erst aufmerksam gemacht , einen forschenden stechenden Blick auf den Beschauer richtete , während er eine Prise zur Nase führte und in diesem Geschäft einen Augenblick anhielt , so sehr schien ihn die Lächerlichkeit , Hohlheit oder Unlauterkeit des Beschauers zu frappieren und zu bösen Witzen aufzufordern . So waren alle Blicke , mit Ausnahme derjenigen des Mädchens , auf den gerichtet , der vor das Bild trat , und sie schienen mit unabwehrbarem Durchdringen jede Selbsttäuschung , Halbheit , Schwärmerei , jede verborgene Schwäche , jede unbewußte oder bewußte Heuchelei aus ihm herauszufischen . Auf ihren eigenen Stirnen , um ihre Mundwinkel ruhte zwar unverkennbare Hoffnungslosigkeit ; aber trotz der Blässe , die ohne den rötlichen Greis alle überzog , steckten sie in einer unverwüstlichen Gesundheit , wie die Fische im Wasser , und der Betrachter , der seiner nicht ganz bewußt war , befand sich so übel unter diesen Blicken , daß man eher versucht war auszurufen Weh dem , der vor der Bank der Spötter steht ! Waren nun Absicht und Wirkung dieses Bildes verneinender Natur , so war dagegen die Ausführung mit dem wärmsten Leben getränkt . Jeder Kopf zeigte eine inhaltvolle wirkliche Persönlichkeit und war für sich eine ganze tragische Welt oder eine Komödie und nebst den feinen arbeitlosen Händen vortrefflich beleuchtet und gemalt . Die gestickten Kleider der wunderlichen Herren , die altrömische Tracht des Weibes , ihr blendender Nacken , die Korallenschnur darum , die schwarzen Zöpfe und Locken , die Bildhauerarbeit an dem alten Marmortische , selbst der glänzende Sand des Bodens , in welchen sich der Fuß des Mädchens drückte , diese Knöchel im blaßroten Seidenschuh alles dies war so breit und sicher und doch ohne Manier und Unbescheidenheit , sondern aus dem naivsten Wesen heraus gemalt , daß der Widerspruch zwischen dem freudigen Glanz und dem kritischen Gegenstand des Bildes die sonderbarste Wirkung hervorrief . Lys nannte dies Bild seine » hohe Kommission « , den Ausschuß der Sachverständigen , vor welchen er sich selbst zuweilen mit bangem Herzen stelle ; auch führte er etwa einen armen Sünder , dessen Wohlweisheit und Salbung nicht aus dem lautersten Himmel zu stammen schien , vor die Leinwand und beobachtete die verlegenen Gesichter , die er schnitt . Als wir wiederholt von einem Bilde zum andern gingen , ich dazwischen auch bei diesem oder jenem allein zurückblieb , wußte ich nicht ein Wort zu dem Gespräche beizutragen , sondern unterlag schweigend dem Eindrucke , den ein so entschiedenes Können auf den machte , der es nicht übersah . Erikson dagegen , welcher ein so beschränktes und bescheidenes Arbeitsfeld besorgte , hatte so vieles geübt und gesehen , daß er sich mit Leichtigkeit und Verständnis aussprechen konnte . Er pflegte auch zu sagen , er verstehe nun gerade genug von der Kunst , um ein anständiger Liebhaber und Sammler zu sein , wenn das Glück ihn reich machen wollte , und um diesen Preis würde er sofort seine Palette an den Nagel hängen . In der Tat wußte er Altes und Neues wohl zu beurteilen und zu würdigen , ungleich so manchen Künstlern , die alles hassen oder geringschätzen oder einfach nicht verstehen , was nicht in ihrer Richtung liegt . Diese leidenschaftliche Beschränktheit ist freilich für manche notwendig , wenn sie auf dem Punkte beharren sollen , dem sie allein gewachsen sind , weil Anspruch und Bescheidung sich selten glücklich mischen . Auf jene Äußerung erwiderte dann Lys zuweilen , es sollte allerdings ab und zu einer von der Ausübung freiwillig zurücktreten , um der Kennerschaft frisches Blut zuzuführen ; die Literaten seien wohl nützlich für das Logische und Chronologische , das Graphische und Biographische , für das Eintragen des Festgesetzten ; vor dem Gegenwärtigen , sofern es als neu oder überraschend erscheine , ständen sie in der Regel unproduktiv und ratlos , und die ersten Stichworte müßten immer von den Künstlerkreisen ausgehen und seien daher