seinem Fortschreiten diesen üblen Anzeichen entsprechend . Der Winter war lang und sehr hart , das Frühjahr kalt und naß . Man konnte also die Arbeiten erst spät beginnen , und die spärlich und ungleich aufgehenden Saaten versprachen nicht den gewohnten und gehofften Ertrag . Der Freiherr , welcher sich niemals um die Bestellung des Landes gekümmert hatte und kein Landwirth war , fing jetzt , da er bald der Zuversicht und Sicherheit in das alte , ihm dienende Geschlecht der Steinerts entbehren sollte , plötzlich nach dem Seinigen zu sehen an , und mit der Unkenntniß des Neulings meinte er die übeln Ernte-Aussichten einer verminderten Sorgfalt des Amtmanns zur Last legen zu dürfen . Der Verdacht , daß er seine Schuldigkeit nicht thue , beleidigte Adam . Er vertheidigte sich lebhaft gegen denselben , aber in dieser gerechten Abwehr eines ungerechten Verdachtes glaubte der Freiherr nur den Hochmuth des Emporkömmlings sehen und beugen zu müssen , und er verlor überhaupt mehr und mehr seine heitere , selbstgewisse Ruhe , weil er seine bis dahin unumschränkte Herrschaft über seine Untergebenen und die unbedingte Geltung , deren er vor ihnen und in seinem ganzen Lebenskreise sich stets sicher gewußt hatte , nun , wohin er blickte , angezweifelt wähnte . Das machte die Zustände nicht besser , wohl aber ihm und seinen Leuten das Leben bitter und schwer , und vor allen Andern hatten die Geschwister im Amthofe zum Schlusse ihres Aufenthaltes in der alten Heimath böse Tage , denn die Geldverlegenheiten des Freiherrn hatten sich in unerwarteter Weise gesteigert . Mit dem Vertrauen des Ehrenmannes und des Edelmannes in die Ehrenhaftigkeit seines Standesgenossen und mit dem Bewußtsein , sich von dem Marquis für die ihm erwiesenen mannigfachen Gutthaten des Besten versehen zu dürfen , hatte der Freiherr demselben , um der Herzogin seinen fortdauernden guten Willen für ihren Bruder zu beweisen , sowohl bei Herrn Flies als bei einem Banquier in der Residenz ausgedehnte Credite eröffnet , und die Herzogin hatte diese Briefe für ihren Bruder mit der Versicherung angenommen , daß derselbe natürlich nur den beschränktesten Gebrauch davon zu machen denke . Sie hatte es entweder vergessen , wie oft und mit wie großen Opfern sie dem Marquis zu Hülfe kommen müssen , so lange sie selbst ihm zu helfen im Stande gewesen war , oder sie mochte erwarten , daß die Jahre und die Erfahrung ihn gebessert und von seinen alten , verschwenderischen Gewohnheiten zurückgebracht haben würden ; indeß diese Hoffnung traf nicht zu . Denn nur wenig Tage hatte der Marquis in der Stadt verweilt , als er sich von einem Kreise von Emigranten umringt und schnell versucht fand , sich vor ihnen , deren üble Lage ihn dazu aufforderte , als den Beschützer , als den Freigebigen , als den großen Herrn von ehemals zu zeigen . Die Anerkennung , der lebhafte Dank , die er geerntet , waren verführerisch für ihn geworden . Seit langer Zeit hatte er sich endlich wieder einmal frei und als er selbst , endlich sich wieder einmal in einer ihm angemessenen Lage gefühlt , und fröhlich und leichtherzig gemacht durch die sichtliche Zufriedenheit , die er um sich her zu verbreiten im Falle war , hatte er des Geldes nicht geschont , hatte er gegeben und geholfen und erfreut , wo sich ihm die Gelegenheit dazu geboten . Er hatte niemals gerechnet und gezählt ; die Herzogin hatte dies immer für ihn übernommen , und sorglos die flüchtigen Tage und das flüchtige Geld hingleiten lassend , war er plötzlich doch betroffen worden durch die Summen , die er in liebenswürdigen Gefälligkeiten , in Hülfsleistungen aufgewendet hatte , die seinem Herzen Ehre gemacht haben würden , hätte er sie aus eigenen Mitteln zu leisten vermocht . Er wünschte einzuhalten , ja , mehr als das , er wünschte zu vergüten , zu ersetzen , und an das Spiel von Jugend auf gewohnt , hatten ihm die verführerischen Gunstbezeigungen desselben den sichersten und leichtesten Ausweg aus seinen Verlegenheiten zu versprechen geschienen . Aber das Spiel war ihm niemals besonders günstig gewesen und versagte sich ihm auch jetzt . Von einem Tage zum andern hoffend , immer leidenschaftlicher wagend , je weniger diese Wagnisse ihm einschlugen und je tiefer sie ihn in die Verlegenheit verwickelten , der er sich zu entziehen wünschte , hatte er allmählich Summen erhoben , welche die Auszahler stutzig werden ließen und welche endlich Herrn Flies bewogen , jene Anfrage und jene Berichte zu machen , die der Freiherr eben am Neujahrstage erhalten und die ihn genöthigt hatten , auf eine augenblickliche Deckung dieser bedeutenden Posten zu denken . Adam sollte Rath schaffen und Herr Flies sollte Geld schaffen ; aber guter Rath war theuer , und Geld war es noch mehr . Die republikanische Bewegung und der ihr folgende Krieg , die von Frankreich aus immer weiter um sich griffen , machten alle Capitalisten in der Anlage ihres Geldes vorsichtig und schwierig . In den Gegenden , in welchen sich revolutionäre Gesinnungen kund gaben , suchten ängstliche Besitzer sich ihrer liegenden Gründe zu entäußern , und wie der Werth des Grundbesitzes sank , stieg der Werth des baaren Geldes . Dem Amtmanne kam das sehr zu Statten . Er hatte seinen Handel wegen des schönen Gutes Marienau bereits lange abgeschlossen , ehe der Freiherr das neue Darlehn auf Rothenfeld und die Capitalien gefunden hatte , deren er bedurfte , um die Wechsel des Marquis zu decken und um endlich den Bau der Kirche vollenden zu lassen , der im letzten Jahre nur wenig vorgeschritten war . Dem Freiherrn selber war freilich dieser Kirchenbau niemals eine persönliche Herzensangelegenheit gewesen ; jetzt war er ihm aus mehr als einem Grunde lästig , und er würde ihn in diesem Augenblicke mit Freuden unterbrochen , die Kirche vorläufig unvollendet stehen gelassen haben , hätte er nicht fürchten müssen , eben dadurch den nachtheiligen Gerüchten Nahrung zu geben , die es ihm ohnehin so wesentlich erschwerten , Geld zu finden , selbst wenn