dagegen thun ! Sie wissen , der Graf haßt Sie eben so sehr wie den Fürsten . Wenn er seinem Hasse nicht nachgiebt und das Wort ausspricht , das Mutter und Sohn auf immer trennen würde , so ist es nicht Furcht vor der Schande - wann hätte sich der Graf jemals etwas aus der Schande gemacht ! - sondern nur Furcht vor der Armuth , die er noch mehr haßt , als Mutter und Sohn zusammengenommen . Lassen Sie ihn heute erfahren , daß ihm sein Schweigen nichts mehr einbringt , und er wird es morgen brechen . Die Gräfin ächzte wie eine Gefolterte , indem sie ihre mageren Hände zusammenpreßte . O , Nadeska , Nadeska , wimmerte sie ; warum mußte der Graf in jenem unglückseligen Augenblick kommen ! warum mußtest Du Deinen Posten verlassen in dieser einen Stunde , die Alles entschied ! Nur fünf Minuten vorher gewarnt , und der Graf hätte mich allein gefunden , und wie groß auch sein Verdacht sein mochte , er hätte auch diesmal keine Beweise gehabt . Nadeska stand seitwärts und etwas hinter der Gebieterin . Sie konnte also ungestraft eine höhnische Fratze ziehen , bevor sie in noch demüthigerem Tone antwortete : Verzeihen Sie , Fürstin ! dieses Mal war doch auch ohne das ein sehr sprechender Beweis da . Freilich , ein böser Zufall war es immer , daß die Geburt des Fürsten neun Monate nach der Nacht erfolgte , in welcher er von einem fremden Manne , den er im Zimmer seiner Gemahlin fand , zwanzig Fuß hoch durch das Fenster auf den Schnee geworfen wurde . Die Erinnerung an diesen Vorfall verscheuchte für diesen Augenblick die Melancholie der Fürstin . Die lächerlichen , abscheulichen Scenen jener tollen Nacht zogen mit Klarheit an ihrem inneren Auge vorüber , und das Bild des Helden derselben , des Mannes aus dem Volke , den die hochgeborene Dame mit ihrer Gunst beehrt hatte , erschien ihr wieder , wie es ihr damals erschienen war : ein Ideal übermüthiger Jugend und Manneskraft . Ob er wohl noch lebt ? fragte sie , ganz in diese Erinnerung verloren . Wer , meine Fürstin ? fragte Nadeska , die recht gut wußte , an wen die Gebieterin jetzt dachte . Die Fürstin antwortete nicht , und Nadeska begann geräuschlos die Lichter in dem Salon anzuzünden . Eine wollüstige Dämmerung verbreitete sich in dem Gemache , die heller und heller wurde , ohne den sanften Charakter zu verlieren , denn sämmtliche Lichter brannten in Kelchen von rosigem Glase . Es war dies das einzige Licht , welches die reizbaren Nerven der Fürstin ertragen konnten ; auch am Tage , der für sie erst spät am Nachmittage anfing , waren die Fenster stets mit rosenrothen Vorhängen geschlossen ; Spötter behaupteten , die Fürstin scheue das freche Licht des Tages nur , weil es für ihren durch eine ausschweifende Jugend und ein frühes Alter verwüsteten Teint allzu ungünstig sei . Nadeska hatte eben die letzte Kerze angezündet , als die diensthabende Kammerzofe in das Gemach schlüpfte und ihr etwas in ' s Ohr flüsterte . Was giebt ' s , Nadeska ? fragte die Fürstin . Der Graf läßt sich melden , erwiderte die Vertraute . Die Fürstin schrak zusammen . Was kann er wollen ? sagte sie ; er sollte jetzt auf dem Bahnhofe sein ! Er wird sich in der Zeit geirrt haben . Möglich . Laß ihn kommen , aber bleib ' im Zimmer . Auf einen Wink Nadeska ' s entfernte sich die Kammerzofe , die in demüthiger Haltung an der Thür gewartet hatte . Gleich darauf trat raschen Schrittes der Graf Malikowsky herein , kam auf die Fürstin zu , küßte ihr verbindlich die Hand und sagte , indem er sich in einen der Lehnstühle , die um den Kamin herum standen , sinken ließ : Sie wundern sich , Alexandrine , daß ich nicht mit den Andern zugleich erscheine - In der That . Glauben Sie nicht , daß es Mangel an Aufmerksamkeit für die Braut meines Sohnes ist - der Fürst sprach dies letztere Wort mit ganz besonderer Betonung und zeigte dabei seine falschen weißen Zähne - im Gegentheil ! gerade die zarte Sorge , die ich dem Wohl des jungen Paares widme , treibt mich , ich kann sagen , athemlos hierher . Eine Entdeckung , die ich heute - aber , darf ich bitten , Alexandrine , daß sich Ihre Kammerfrau entfernt ; meine Mittheilung erfordert unbedingtes Geheimniß - flüsterte der Graf , sich zu seiner Gemahlin hinüberbeugend . Laß und allein , Nadeska , aber bleib ' im Nebenzimmer , sagte die Fürstin . Alexandrine , sagte der Graf , als sich die Kammerfrau entfernt hatte , um in dem Nebenzimmer ihr Ohr an das Schlüsselloch zu legen ; Sie hatten gestern nicht die Güte , meiner , durch hartnäckige Verluste im Spiel erschöpften Casse mit der geringen Summe , um die ich Sie bat , auszuhelfen . Nun hätte ich das übel nehmen können in Anbetracht des eigenthümlichen Verhältnisses , in welchem wir zu einander stehen ; indessen : ich für meine Person weiß mich einzuschränken und möchte um Alles in der Welt nicht Ihnen , oder meinem Sohne beschwerlich fallen . Um so mehr thut es mir leid , daß ich schon wieder Ihre Casse in Anspruch nehmen muß , diesmal freilich nicht für mich , sondern für Jemand , der allerdings größere Ansprüche machen kann , als ich . Ich bin nicht so glücklich , den Sinn Ihrer Worte auch nur zu ahnen , erwiderte die Fürstin , sich mit halb geschlossenen Augen in die Kissen ihres Stuhles zurücklehnend . Vielleicht , sagte der Fürst , indem er in die Tasche seines Fracks faßte und einen Brief herausnahm , den er mit den in gelbe Glacéhandschuh gepreßten zitternden Händen auf seinem Knie entfaltete , wird dieser Brief , der mir vor einer halben Stunde durch einen jungen Menschen überbracht wurde , die