war nur ein Deckel : das Buch selbst war herausgeschnitten . Corona sagte ungemein freundlich : » So sind sie alle . Du hast sie mir geschenkt , folglich durfte ich über sie verfügen , und sie sind längst dem Feuer übergeben . Den Einband ließ ich stehen , weil er Dir gefiel und unschädlich ist . « » Warum gabst Du mir nicht meine Bücher zurück , wenn Du sie durchaus nicht haben wolltest « - murrte Orest . » Weil ich keine schlechten Bücher verschenke und gern alle , die je geschrieben wurden , von der Erde vertilgen möchte . « » Das ist einmal ganz à la Regina gesprochen ! sie - im Fanatismus für den Glauben ; Du - im Fanatismus für die Tugend ! « rief er spöttisch . Allein er versuchte nicht wieder , sie mit dergleichen Büchern zu belästigen . Weil er aber immer in unzufriedener Laune war , so mäkelte er an ihr vom Morgen bis zum Abend . » Was machst Du für Toiletten , Corona ! bist Du denn ein altes Weiblein von dreißig Jahren ? was helfen schöne Stoffe , wenn man sie nicht zu tragen versteht ! « Corona kleidete sich sehr gut und standesmäßig elegant , wie sie das bei ihrem Vater gewohnt war . Sie war aber ein durchaus edles Wesen ; deshalb kam ihr ein Herausschmücken ihrer Person , ein Geltendmachen ihrer Schönheit nie in den Sinn , und sie kleidete sich , wie es sich schickt für die züchtige vornehme Frau . » Corona , Dein Gesang ist eben nicht Deine glänzendste Seite - umsoweniger , als Deine Aussprache des Italienischen auch Vieles zu wünschen läßt . « » Lehre mich die richtige , « sagte sie bittend . » Sprachmeister meiner Frau zu sein - horrender Gedanke ! kolossale Zumutung ! Nein , gutes Kind , willst Du durchaus singen , so singe deutsch . « Und sang sie deutsch , so klagte er über die unmelodische , ächt Odenwäldische Musik ! Jeder dieser kleinen Nadelstiche war für Corona ein Schmerz , den sie zu überwinden hatte . Ihre feine Natur fühlte die leiseste Verletzung und empfand sie tief ; das war ihre schwächste Seite , und weil sie es war , so sorgte Gott , der alle Menschen für das ewige Leben erziehen und sie stark machen will , dafür , daß gerade auf dem schwächsten Punkte die Angriffe nicht aufhörten . Auf Windeck war sie das verzogene Kind gewesen . Wie das oft in zahlreichen Familien geht : das jüngste Kind wird allgemeiner Liebling . Für ihn lassen die Eltern nach von früherer Strenge oder von allzu großen Ansprüchen . Für ihn haben die übrigen Geschwister , die sich zuweilen schroff genug gegenüber stehen , ein Herz . Ein solcher Liebling des ganzen Hauses war Corona und - so weit sie in der Welt erschienen war - auch dort . Ihrem Vater hatte sie gehorchen müssen ; allein dafür trug er sie auch auf den Händen . Jetzt mußte sie lernen , sich ihrem Mann zu fügen , ohne je die Genugtuung zu haben , daß er zufriedengestellt sei . Und wäre es nur bei den kleinen Nadelstichen geblieben ! Corona ' s heisester Wunsch stand nach Hausgottesdienst . Noch als Braut hatte Orest ihr die Zusage machen müssen , die Kapelle zu vollenden und einzurichten , welche Uriel begonnen hatte , eine Messe zu stiften und einen Hausgeistlichen anzustellen ; damals hatte Orest zu allen diesen Wünschen Ja gesagt . Als sie sich nun aber auf Stamberg niederließen und Corona ihren Mann an das Notwendigste : den Ausbau der Kapelle erinnerte , da hieß es , im nächsten Frühling solle er vorgenommen werden . Aber im nächsten Frühling hieß es : die Kasse sei eben leer . Corona , die von ihrem Vater ein reichliches Nadelgeld erhielt , bat Orest , zu gestatten , daß sie die Kosten des Ausbaues bestreiten dürfe . » Und die Einrichtung , soll die vom Himmel fallen ? « rief er unmutig . » Die kostet enorm viel und eines zieht das andere nach sich . Besser der Ausbau unterbleibt . Mir liegt nichts an der Kapelle , ich möchte lieber die Stallungen erweitern , und Du fährst ja so pünktlich jeden Sonntag zum Gottesdienst , daß Du dich an den Werktagen schon mit dem Gebet in Deinem Zimmer begnügen kannst . « » Ich kann es freilich ! aber es quält mich , daß ich es nicht möglich machen kann , sämtliche katholischen Dienstboten Sonntags dem Gottesdienst anwohnen zu lassen . Bei der Entfernung der Pfarrkirche geht der Vormittag darauf ; da können sie nicht alle fort . Hätten wir Kapelle und Hausgeistlichen - ach , welch ein Trost ! « » Hausgeistlichen ! das fehlte noch , um die Langeweile des Hauses komplett zu machen ! Nein ! den Gedanken laß total schwinden . Ich - mit einem Schwarzrock unter einem Dache ! « » Lieber Orest , vergiß nicht , daß Onkel Levin und Hyazinth geistlich sind und daß dies eine Gnade und Ehre für uns alle ist . « » Nun ja , die gehören einmal zur Familie - und was in der Familie geschieht , wird gut geheißen . Da ist ein esprit de corps , wie im Soldatenstande . Da läßt auch keiner irgend etwas auf sein Regiment kommen . Doch von den beiden ist hier nicht die Rede ! Übrigens möchte ich keinen von beiden hier auf Stamberg anders haben , als zum Besuch . Um wie viel weniger einen anderen von diesen schwarzen - Diamanten ! Denn wahrhaftig ! rar wie schwarze Diamanten sollen ja diese Herren sein , weil kein vernünftiger Mensch geistlich werden mag . Das kann Dich trösten : der Bischof würde uns keinen Hausgeistlichen geben . « » Hast Du ihn denn darum gebeten ? « » O nein ! ich bitte nicht um Dinge , von denen ich weiß , daß