mit ertheilt . Darauf erklärte der Hüttenmeister , daß das geistliche Gericht Anklage erhoben habe wider Hieronymus und Ulrich von Straßburg - daß man aber keinen Grund habe an der Unschuld des ersteren zu zweifeln , daher derselbe nach wie vor daheim bleiben und ruhig zur Arbeit kommen solle . Ulrich von Straßburg aber , der sich selbst als schuldig angegeben , solle den draußen harrenden Dienern des Gerichts übergeben werden . » Wir und die Haupthütte zu Straßburg , « fuhr der Hüttenmeister fort , » sind über ihn und seine Herkunft getäuscht worden durch falsche Zeugnisse ; es bewährt sich nicht nur an ihm , daß Gott die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern , sondern auch , daß kein Frevel an der Wahrheit ohne Entdeckung und ohne Rache bleibt . Ulrich von Straßburg war von je ein Unehrlicher und Unreiner , der nicht in unsern reinen Bund gehört : sein Vater war ein Mönch und seine Mutter eine Nonne - « » Haltet ein ! « rief Ulrich , als er auf allen Gesichtern Spuren des Abscheus , der Verachtung oder des Spottes sah ; » haltet ein , meine Eltern solchen Frevels zu beschimpfen ; ein grausames Geschick hatte sie getrennt , und sie wählten das Kloster erst vor zwölf Jahren , um zu büßen und zu entsagen . « » Es mag so sein , « sagte der Hüttenmeister , » aber Dir geziemt zu schweigen ; Du bist ausgestoßen aus unserem Bund ! ein Unreiner , der niemals daran hätte Theil nehmen sollen . Lege dein Werkzeug hin und kniee nieder . « Ulrich gehorchte schweigend , sein Antlitz ward todtenblaß und er suchte es in seinen Händen zu verbergen . Der Hüttenmeister stieß ihn mit dem Fuße noch tiefer nieder , schritt über ihn hinweg , spie ihn an und sagte : » Du Unreiner ! wir haben keinen Theil an Dir ! Unsere Hütte ist beschimpft und entweiht unsere heilige Kunst , wenn wir Dich noch länger unter uns dulden . Mögen Dich die Profanen richten , wie Du es verdienst , uns bist Du nichts mehr , denn Du bist uns zum Schandfleck geworden , und Dein Steinmetzzeichen wird vertilgt werden , wo man es nur findet ! « Bei den letzten Worten war es Ulrich , als zertrete der schwere Absatzstiefel des Hüttenmeisters sein Haupt - einen solchen Schmerz fühlte er innerlich bei diesem Spruch in dem Sitz seiner Gedanken , die hochaufstrebend schon Unsterbliches geschaffen und noch mehr zu schaffen gehofft - aber schon schritten der Werkmeister und der Pallirer auch über seine zu Boden geworfene Gestalt und wiederholten denselben Spruch : » Wir haben keinen Theil an Dir ! « Und so folgten alle Gesellen mit demselben Spruch , schritten über Ulrich und spieen ihn an . Jetzt kam auch Hieronymus an die Reihe . Er zögerte ; da traf ihn ein prüfender Blick des Hüttenmeisters - Hieronymus mußte ; wenn er nicht that wie die Andern , so machte er sich zu dem Mitschuldigen und Genossen des Ausgestoßenen . Noch bleicher als dieser , der für den Freund erröthete , ward Hieronymus Antlitz , als er über ihn hinweg schritt und zitternd stammelte : » Ich habe keinen Theil an Dir ! « Diesmal war es Ulrich , als habe der Fußtritt sein Herz getroffen und zertreten . Mochten nun noch die Lehrlinge , die unmündigen Knaben , ihre Füße über ihn heben und ihn beschimpfen ; mochte nun noch mit ihm geschehen was da wollte - er hatte das Aergste erlebt : der Freund , für den er sein Leben hatte opfern wollen , der jetzt nur , weil Ulrich alle Schuld auf sich allein nahm , ganz frei ausging - der hatte auch sagen können : » Ich habe keinen Theil an Dir ! « Wen gab es denn nun noch , an dessen Theilnahme er glauben durfte ? - Die traurige Ceromonie , die an diesen Akt der Ausstoßung sich knüpfte , währte zwar lange , aber endlich war sie doch vorüber . Zwei Steinmetzgesellen hoben Ulrich auf und begleiteten ihn zur Thüre , ihm diese öffnend . Dann stießen sie ihn mit den Füßen hinaus auf den Platz , auf welchem die Gerichtsdiener seiner mit Ketten harrten , und sagten : » Nehm ' t ihn hin ! er ist kein freier Maurer mehr - wir haben keinen Theil an ihm ! « - Zehntes Capitel Todesurtheile Elisabeth war in ihrem eigenen Hause eine Gefangene - sie erklärte selbst es sein zu wollen , bis auch jede Spur des entsetzlichen Verdachtes von ihr genommen , den die Bosheit auf sie geworfen . Wie groß auch das Ansehen war , in welchem das Geschlecht der Behaim stand , gerade jetzt , da Martin diesen Namen auch im Ausland zu hohen Ehren gebracht hatte : so gewannen doch jetzt täglich Elisabeth ' s Feinde mehr und mehr Oberhand im Rath , und selbst die meisten Männer und Frauen , die ihr früher gehuldigt und geschmeichelt , verläugneten sie jetzt um so mehr , damit man im Fall , daß Elisabeth wirklich verurtheilt werde , es vergesse , daß sie einst mit ihnen freundschaftlich verbunden gewesen . Nur Ursula und Clara Pirkheimer waren unter den Nürnbergerinnen ihr treu geblieben und suchten ihr im Leide beizustehen , wenn nicht mit Rath und Trost - da sie selbst oft weniger hatten , als die geistesklare Elisabeth , doch mit den Beweisen ihrer Treue und einer Anhänglichkeit , die eben erst jetzt die erste Gelegenheit fand sich zu bewähren . An dem Tage , an welchem Elisabeth in das Verhör beschieden ward , war Ursula auch bei ihr und sagte : » König Max hat einen Tag nach Augsburg ausgeschrieben zum Vergleich zwischen Herzog Albrecht den Baiern und dem Kaiser Friedrich . Mein Eheherr brachte mir diese Kunde und er hofft , daß der König binnen Kurzem in Augsburg sein werde . Dorthin will er reiten und dem