gesorgt . Wir wissen in aller Herren Ländern jedes Plätzchen , wo man sich ruhig niederlassen kann . « » Ist denn das zum Beispiel hier der Fall ? « unterbrach ihn der Gast . » Freilich ! « rief der Zigeuner . » Die Frage beweist , wie wenig du die Welt noch kennst . Hier sitzen wir auf edelmännischem Boden und sind so sicher , wie das Kind im Mutterleib , während du in deiner Unkenntnis mit ein paar Schritten ins Württembergische taumelst , wo die Leute dumm sind und die Beamten , wie du selbst erzählst , sich kein Gewissen daraus machen , einem seine eigenen Kinder als Lockwürmer an die Angel zu stecken , um den Fisch damit zu fangen . Auch haben wir überall unsere vertrauten Leute , die uns Nachricht geben , wenn etwas gegen uns los ist . Und wenn je einmal eins von uns den Fuß übertritt und in die unrechten Hände gerät , so gibt es auch Mittel und Wege , ihm wieder aus der Falle zu helfen . Das alles geht dir ab , solang du wie ein Irrlicht allein und auf eigene Faust umherflackerst Und was für Ehre hast du davon , dein kümmerliches Leben immer und ewig um dein einfältiges Ebersbach herum zu fristen , wo alles schreit : Der Dieb , der schlechte Kerl , der Sonnenwirtle ist wieder einmal dagewesen und hat dies und das gestohlen ! Wenn du in unsere Gesellschaft eintrittst , so hörst du ganz andere Titel , da bist du allen ein lieber werter Freund , wirst wegen deines Mutes , wegen deines Verstandes , wegen deiner Treue geliebt , geachtet , bewundert , auf den Händen getragen . Du hast einmal auf einen wunderlichen Adjutanten zu Hohentwiel das Bibelwort angewendet : Es ist dem Menschen nicht gut , daß er alleine sei . Das paßt nicht bloß darauf , daß er eine Gehilfin haben sollte , es paßt auch auf das Handwerk , das er treibt , er muß auch darin seinesgleichen um sich haben , bei denen er Beifall und Aufmunterung findet , denn sonst ist ' s ein Hundeleben . « » Das ist sehr wahr ! « rief der Gast , von dieser Bemerkung ergriffen . » Bei uns findest du keinen Brotneid , keine Unterdrückung , wie in der honetten Welt draußen . Du bist uns mit deinem Kopf und Arm willkommen , und wir bedürfen deiner , wie du unserer bedarfst . Unsern Ertrag teilen wir ehrlich und redlich , und wenn einer vor den andern eine besondere Mühe auf sich genommen hat , so wird ihm ein verhältnismäßig größerer Anteil zuerkannt . Einen Leutnant , der das Beste an sich reißt und die andern als seine Untergebenen behandelt , gibt es nicht bei uns . Wer die beste Meinung geltend machen kann , dessen Anschlag wird befolgt , und was gemeinsam beschlossen ist , wird in strenger Ordnung ausgeführt . Außerdem aber leben wir als freie Leute auf gleichem Fuß miteinander . « » Und immer in Floribus ! « fiel Bettelmelcher ein , indem er die Flasche schwang und dem Gaste reichte . » Leuchtet dir aber die Wahrheit deines Sprüchleins auch im anderen Punkte ein « , hob der Zigeuner wieder an , » und möchtest du eine Gefährtin haben , die in deinen neuen Lebenslauf paßt , so hast du , ohne Ziererei gesprochen , zwischen meinen Schwestern die Wahl . Du wirst sie , denk ich , beide nicht übel gefunden haben . Eine abschlägige Antwort hast du nicht zu befürchten ; ich bürge dir nicht bloß für die Freundliche , sondern auch für die Trutzige , die mir ein herbes Gesicht für meine Rede macht . Auch findest du nicht einmal einen Nebenbuhler , denn beide sind frei , Freund Bettelmelcher aber ist versehen und schwört nicht höher als auf seine Marianna , die zärtliche Taube , die auch mit uns fliegen wird , und Freund Schwamenjackel macht dir nicht die mindeste Konkurrenz . Der hat statt des Herzens eine zweite Leber , oder wenn ' s je ein Herz ist , so ist es für die Weiber unzugänglich : keine Schottenfellerin wird es einsacken , keine Schrendefegerin wird hineinsteigen . « Schwamenjackel grunzte , und die andern brachen in ein Gelächter aus . » Sollten jedoch beide keine Gnade vor deinen Augen finden « , setzte der Zigeuner hinzu , » so dürfen sie dir kein saures Gesicht machen , wenn du eine andere wählst . Ich hab dir ' s ja schon früher gesagt : in Bickesheim bei Rastatt , am großen Wallfahrts- und Jahrmarktstage , da kannst du alles beisammen finden , was zu unserer Verwandtschaft gehört , und noch viel andere mehr , den Hannobel , den Josephle , den Tonele , den Frischholz , die Bebe , das Suphile , die Lisa , den Leopold , den Baron Stihl , den Buchdrucker und seine Hammelschwänzin , den Peter Paul , den Jägerkasperle , fast alle mit Familie und Mädels genug . Da hast du eine große Auswahl , und welche dir gefällt , die muß uns recht sein . Ich kann dir aber voraussagen , daß dir außer meinen beiden Schwestern höchstens noch die Lisa gefallen wird ; denn diese drei gelten bei Freund und Feind für die drei größten Schönheiten zwischen Rhein und Donau . Die Marianna ist die vierte und sticht vielleicht alle drei aus , aber die läßt von ihrem Herzblatt nicht . Die Lisa hat zwar einen Mann , dem sie aber längst wegen seiner Schneidercourage den Laufpaß gegeben hat . Er ist ein Landsmann von dir , aus dem Maulbronner Oberamt gebürtig und bei uns unter dem Namen Schneidermichel bekannt . « » Den kenn ich von Ludwigsburg her « , sagte der Gast . » Ja , sie haben ihn um etlicher Kalamitäten willen ins Zuchthaus gesteckt und seitdem , wie ich höre , unter ein Grenadierbataillon gestoßen .