muß es lieb haben , so lange Du es mir läßt - nur das Eine lasse geschehen , daß ich ihn wiedersehe , ehe ich sterbe . - Du mußt ihn schicken , wo er auch sei - mache ihn los und führe ihn den Weg zu mir , daß ich mich noch recht erfreue an ihm ! « Dann hatte sie Antwort bekommen und dankte Gott dafür , daß er ihn schicken wolle . Täglich wiederholte sich dies . Sie wunderte sich vor Gott , daß er nicht komme , und tröstete sich dann wieder durch ein neues Versprechen , das sie vernommen . So lenkte Gott die Herzen ihrer Freunde . Was sie auch mehr oder weniger Alle gegen Leonin empfinden mochten , Fennimor beugte ihren Sinn , ohne daß sie es wollte , und Alle belebte nur noch der Wunsch seiner Ankunft , die Lesüeur ermitteln sollte - die Fennimor jeden Tag schon im Voraus empfand und die durch die täglich näher rückende Stunde ihrer Anflösung immer dringender ward . - Leonin stieg am Fuße des Schlosses aus seinem Wagen und fühlte eine Scheu , ein Beben , sich dem Sterbebette dieser Heiligen zu nahen , welches ihn heran schleichen ließ , als dürfe kein Geräusch seine Ankunft verkündigen . Wie schön war Ste . Roche in dieser ersten Frühlingspracht ! Es drängte sich ihm überall auf , ohne daß er geneigt war , es zu genießen . Durch die Zimmer , durch die er leise strich , wehte in die geöffneten Thüren und Fenster der warme Hauch des Maitages . Es war der duftendste , reinste Morgen . In den Zimmern seitwärts hörte Leonin sprechen und das Geräusch beschäftigter Personen . Doch die Zimmer , die vor Fennimors kleinem Kabinette lagen , genossen der Ruhe ; - nur die schöne Natur sah in die großen , offenen Fenster ! Jetzt stand er vor dem letzten Zimmer , welches ihn von Fennimors Kabinet trennte . Auch hier konnte sie sein - ob er sie nicht vorbereiten müsse , drängte sich ihm auf . Zweifelhaft und horchend blieb er stehen ; er hörte ein Geräusch - aber es war eine Art Lachen und lallendes Krähen . Plötzlich trat eine Ahnung ihm näher - er drückte leise das Schloß auf und streckte den Kopf in die Thür . Er hatte sich nicht geirrt ! Auf einem grünen Teppiche , der gegen die Fenster hin ausgebreitet war , lag ein holdes Kind im kurzen , weißen Röckchen , das es kaum bedeckte und Arme und Beinchen , die in großer Thätigkeit waren , frei ließ . Es machte die reizenden , kleinen Versuche , sich eifrig kriechend fortzuschieben , um die glänzenden Schälchen und Töpfchen , die wahrscheinlich , um es zu seinen Versuchen anzuregen , an den äußersten Enden des Teppichs vertheilt waren , zu erreichen . Es ruderte mit den reizenden , rosenrothen Füßchen mit einer Schnelligkeit und einem Eifer , daß seine blühenden Wangen noch frischer erscheinen ; und je näher es dem glänzenden Gegenstande kam , je lauter lallte und krähte es vor Lust und Begierde . Neben ihm saß auf einem Kissen eine Frau in ländlicher Tracht , die , den Rücken nach Leonin gewandt , doch bemerken ließ , wie zärtlich sie das Kind hütete ; denn , wenn das holde Geschöpf ausglitt und einen Augenblick auf seinem Gesichtchen lag , ehe die starken Aermchen sich wieder empor arbeiteten , sah man deutlich , wie ihre Hände ihm gern zu Hülfe gekommen wären . Auch blickte der kleine , fleißige Ruderer sich dann jedes Mal nach ihr um , jauchzte aber nur , wenn sie in die Hände schlug , und ruderte schnell weiter . Leonin wußte , daß es sein Kind sei , und er fühlte vor ihm alle unnennbare Wonne , den ganzen Wahnsinn einer Entzückung , die uns der übrigen Welt entzieht ! Er stand jetzt neben dem Teppiche - jauchzend ergriff eben das Kind das blanke Tellerchen - da rollte es hinunter auf Leonins Fuß . Schon kniete er und hielt es ihm hin - das Kind blickte ihn erstaunt an , dann lachte es und griff nach dem Tellerchen . Leonin hielt es ganz bewußtlos in die Höhe - da arbeitete sich das himmlische , kleine Wesen an seinen Knien in die Höhe , und Leonin umschlang es und hielt es , und es langte um so viel höher nach seinem Tellerchen und ergriff es jetzt wirklich , laut jauchzend . Leonins Herz wollte in Wonne zerspringen ! Er hielt sein Kind im Arm ; er fühlte , wie er es stützte , wie die kleinen Beinchen , so stark und kräftig sie waren , doch noch immer fort einknickten - und er durfte es halten , an sich drücken , und es scheute ihn nicht ! Die Bäuerin sah still zu . Sie wußte Alles , wie sie den fremden Herrn sah . Für das Natürliche hat der einfache Mensch immer das richtigste Verstehen . » Bringe ihn mir , Leonin ! « tönte es da mit einem Male - ein bekannter , leiser , ach , überirdischer Ton ! Aber er ließ Leonin erbeben , als ob ein Donnerschlag ihn träfe - er brach fast zusammen , und seine Erschütterung war so plötzlich , daß das Kind davon erschreckt ward , sich in seinen Armen wand und in Thränen ausbrach . » Reginald , « ertönte dieselbe sanfte Stimme - » o komm her ! Leonin , bringe ihn mir ! « Leonin sprang mit dem Kinde im Arme auf und flog der Richtung nach . - In einer der offenen Fensterthüren , die nach dem Garten gingen , stand ein hoher Lehnstuhl , der die Richtung nach dem Teppiche hatte . In diesem Lehnstuhl ruhte Fennimors verklärter Geist - so glaubte Leonin . - Er reichte ihr den Knaben auf seinen Knien , und als dieser , gewohnt hier Hülfe zu finden , seine Aermchen um