, daß die Prügel nicht ihm zugedacht waren , beruhigt die Arme sinken lassen , und fragte , als jetzt Stille eingetreten war , den Diakonus : » Sagen Sie mir um des Himmels willen , Herr Prediger , was bedeutete dieser wütende Auftritt und was hatte der arme Mensch seinen Angreifern getan ? « » Nichts , Ew . Exzellenz « , versetzte der Diakonus , der ungeachtet der Würde des Orts Mühe hatte , ein Lachen über den Höfling auf der Kanzel zu verbeißen . » Dieses Abklopfen des Bräutigams nach der Trauung ist ein uralter Gebrauch , den sich die Leute nicht nehmen lassen . Sie sagen , er solle bedeuten , daß der Bräutigam fühle , wie weh Schläge tun , damit er sein künftiges hausherrliches Recht wider die Frau nicht mißbrauche . « » Ja , das sind denn doch aber wunderbare Sitten ... « murmelte die Exzellenz und stieg von der Kanzel . Unten empfing sie der Diakonus sehr höflich und wurde von ihr mit drei Küssen auf der flachen Wange beehrt . Dann führte der Geistliche seinen vornehmen Bekannten in die Sakristei , um ihn von dort in das Freie zu entlassen . Der noch immer Erschrockene sagte , er müsse erst überlegen , ob er an dem ferneren Verlaufe der Festlichkeit teilnehmen könne . Der Geistliche bedauerte dagegen auf dem Wege nach der Sakristei unendlich , daß er nicht früher von dem Vorhaben Seiner Exzellenz Kunde erhalten habe , weil er dann imstande gewesen sei , Nachricht von der Prügelsitte zu erteilen und so Furcht und Schreck abzuwenden . Nachdem beide sich entfernt hatten , war Stille und Schweigen in der Kirche . Es war ein artiges Kirchlein , reinlich und nicht zu bunt ; ein reicher Wohltäter hatte manches dafür getan . Die Decke war blau gemalt mit goldenen Sternen , an der Kanzel zeigte sich künstliches Schnitzwerk und unter den Leichentafeln der alten Pfarrer , welche den Fußboden bedeckten , befanden sich sogar zwei oder drei von Messing . Reinlich und sauber wurden die Bänke gehalten , auch darauf hatte der Hofschulze mit seinem großen Einflusse hingewirkt . Eine schöne Decke zierte den Altar , über dem sich ein geschlungenes marmoriert angestrichenes Säulenwerk erhob . Hell fiel das Licht zu dem Kirchlein ein , die Bäume säuselten draußen und zuweilen bewegte ein gelindes Lüftchen , das durch eine zerbrochene Scheibe drang , die weiße Schärpe , womit der Engel über dem Taufbecken bekleidet war , oder die Flitter der Kronen , welche , von den Särgen der Jungfrauen genommen , die Pfeiler umher schmückten . Braut und Bräutigam waren fort , der Brautzug war fort , und doch war es nicht ganz einsam in dem stillen Kirchlein . Zwei junge Leute waren darin zurückgeblieben und wußten nicht voneinander und das war so zugegangen . Der Jäger hatte sich , als die Hochzeitleute die Kirche betraten , von ihnen abgesondert und war still eine Treppe zu einer oberen Prieche hinaufgegangen . Dort setzte er sich auf einen Schemel ungesehen von den andern , abgewendet von ihnen und von dem Altar , ganz für sich und allein . Er schlug sein Gesicht in seine Hand , aber das konnte er nicht lange ertragen , die Wange und Stirn glühte ihm zu stark . Das Kirchenlied drunten fiel mit seinen ernstgezogenen Tönen wie ein kühlender Tau in seine Glut , er dankte Gott , daß endlich , endlich ihm das größte Glück beschieden sei , und in die frommen Worte da unten sang er unaufhörlich seine weltlichen Verse hinein : In deinem Ernst , in deinem Lachen Gehörst du dir nach holdem Rechte ! ... Ein kleines Kind , welches sich neugierig heraufgeschlichen hatte , nahm er sanft bei der Hand und streichelte diese . Dann wollte er ihm Geld geben , aber er ließ es sein , drückte es an sich und küßte ihm die Stirn . Und als das Kind , ängstlich von den heißen Liebkosungen , die Treppe hinuntergehen wollte , führte er es sacht hinab , daß es nicht falle . Dann kehrte er zu seinem Sitze zurück und hörte nichts von der Rede und nichts von dem Lärmen , der ihr folgte , in tiefe , selige Träume versunken , die ihm seine schöne Mutter zeigten und sein weißes Schloß auf grünem Berge und ihn und noch jemand in dem Schlosse . Lisbeth war in ihrem fremdartigen Anzuge verlegen und scheu hinter der Braut hergegangen . » Ach « , dachte sie , » in dem Augenblicke , wo der gute Mensch von mir sagt , ich wäre immer natürlich , muß ich geborgte Kleider tragen . « Sie sehnte sich in die ihrigen zurück . Die Bauern , die Leute aus der Stadt hörte sie hinter sich zischelnd ihren Namen nennen , der vornehme Herr , welcher vor der Kirche dem Zuge entgegentrat , besah sie lange prüfend durch seine Lorgnette . Das alles mußte sie erleiden , als sie eben so schön besungen worden war , als ihr Herz von Freude und Entzücken überflutete . Sie trat halbbetäubt in die Kirche ein und nahm sich vor , bei dem Rückwege von dem Zuge zu bleiben , damit sie auf keine Weise wieder der Gegenstand des Gesprächs oder gar der Scherze werde , über welche sie sich seit einer Viertelstunde weit hinaus fühlte . Auch sie hörte von der Rede wenig , so sehr sie sich zwang , dem Vortrage ihres verehrten geistlichen Freundes zu folgen . Und als die Ringe gewechselt wurden , da erregten ihr die gleichgültigen Gesichter des Brautpaares eine sonderbare Empfindung , gemischt aus Wehmut , Neid und dem stillen Unwillen , daß ein so himmlischer Augenblick an stumpfen Seelen vorübergehe . Nun entstand der Tumult und da entfloh sie unwillkürlich hinter den Altar . Als es wieder still geworden war , holte sie tief Atem , zupfte an ihrer Schürze , strich sich eine Locke , die ihr auf die Stirn gefallen