, und fest entschlossen , den Rath des Pater Clemens nicht zu vergessen , so lange es sich mit ihrer Würde vereinigen ließe , eilte sie mit Margariths Hülfe , ihre Kleidung in eine ernste Form zu bringen , was ihr leicht gelingen konnte , da sie , zum Wechsel ihrer Reisekleider , nur die bei sich führte , die sie als Trauer für ihre Verwandte getragen . Ihre Juwelen ließ sie zurück , und die Fülle ihrer schönen Locken verbarg sie unter einer schwarz sammetnen Haube , die , an der Stirn mit einer Spitze anliegend , in zwei kleinen Bogen bis zu den Wangen sie umschloß , und wenn auch allerdings zur herrschenden Welttracht gehörend , doch ein ungemein einfaches und ernstes Ansehn verlieh . Sie suchte während dieser Anordnungen ihr Gemüth zu sammeln und den Schauer zu überwinden , der jeden Augenblick , bei dem Andenken an das Erlebte , ihre Fassung zu überwältigen drohte ; ja , sie ermahnte sich , höchst vorsichtig in ihren Aeußerungen zu sein und Alles genau zu beobachten , was um sie her vorgehe . Als sie bereit war , folgte sie der in großen Ernst versenkten Gefährtin , welche sie zu dem Hausflur führte , von wo breit geschwungene , schwerfällig verzierte eichene Treppen in die obern Zimmer des Schlosses gingen . Ueberall zeigte sich der prachtliebende Sinn der Erbauer oder Bewohner , und die polirten Stufen stimmten vollkommen mit den dunkeln eichenen Wänden überein , an denen in goldenen Rahmen eine Reihe Bilder hingen , unterbrochen von künstlich verzierten Wandleuchtern , welche doch schwerlich mit ihren dicken gelben Kerzen die dunkeln Räume erhellen mochten , die keinen lichten Gegenstand zum Reflex ihrer Strahlen darboten . Der trübe Morgen erhellte nur sparsam diese Gegenstände , denn sein an und für sich schwaches Licht fand keine Unterstützung in den Scheiben von gemaltem Glase , die keinen Blick nach der Gegend gestatteten , wohin sie führten . Auf der breiten saalartigen Brüstung , wo sich beide Treppen oben vereinigten , brannten ein paar schwache Kaminfeuer , und hier fand sich ein Diener , der , dem leisen Befehl der Schwester Electa folgend , hinter einem großen , sehr roh gezeichneten Gobelin verschwand , welcher den Haupteingang zu den innern Gemächern zu verbergen schien . Mit einem schrillenden Ton fuhr alsbald diese Vorwand zurück , und von dem stummen Diener angewiesen , traten Beide in das Innere ein . Der große Saal , der sie aufnahm , schien gänzlich unbenutzt , denn der weiße Marmor seiner Wände zeigte sichtlich die trübe Farbe des Staubes und der Feuchtigkeit , wovon die Luft durchdrungen war , und die fast erschreckend die Eintretenden anfiel . Es folgte auf der rechten Seite , wohin sie sich wendeten , eine Reihe von Zimmern , die reich mit Sammet , seidenen und goldenen Tapeten behängt und ausgestattet waren , zugleich aber , unfehlbar aus einer neuern Zeit herstammend , eine Reihe Gemälde aus der Heiligen- und Legenden-Geschichte enthielten , die jedes feiner ausgebildete Gefühl für Kunst empören mußten . Vor der letzten Thür blieb Electa , welche alle diese Räume mit gesenktem Haupte durchwandert und bei ihrem raschen Vorschreiten Maria nur wenig Zeit gelassen hatte , Beobachtungen zu machen , einen Augenblick stehn , und Maria ' s Näherkommen erwartend , sagte sie leise : Ehrwürdige Frau wird sie genannt . Sie drückte die Thür auf , und Maria stand in einem kleinen leeren Raum , der , von oben Licht empfangend , einen Flur bildete , von wo eine schmale Wendeltreppe aus den untern Räumen in die Höhe führte . Augenblicklich rief dieser Anblick ihr die Erzählung Margariths von jener Treppe zurück , wo der unglückliche , wahnsinnige Herr des Schlosses seinen verzweifelnden Geist ausgehaucht hatte , und die kleine spitze Thür , der sie sich näherten , schien mit ihrer breiten Schwelle und tiefen Nische das Sterbelager des Unglücklichen zu sein , auf dem seine Gemahlin ihn am Morgen vergeblich zu erwecken suchte . Schaudernd blieb Maria stehn , und nahm wahr , wie Electa ' s Schritte gleichfalls zögernd inne hielten , und sie erst nach einem kurzen Gebet , einer Bekreuzigung und Besprengung aus dem an der Thür aufgehängten Weihkessel sich zum Vorschreiten anschickte . Fast wider Willen folgte ihr mechanisch Maria , und sie standen nun wirklich in einem düstern Schlafgemach , mit dunkeln grün-damastenen Tapeten und einem ungeheuern Himmelbett versehn . Das Zimmer , in enger , halbrunder Form , durch einige schmale , hohe Fenster matt erleuchtet , war das Innere eines Thurms , zu dessen anderer Hälfte eine etwas größere Thür führte , der sie sich jetzt näherten . Dies zweite Gemach war von einem hellen Kaminfeuer sowol erwärmt , als erleuchtet , denn der Tag blickte auch hier nur sparsam , kaum eingelassen , durch die hohen , aber schmalen gothischen Fenster . Das hell vorspringende Feuer bewirkte aber , daß Maria , im ersten Augenblick geblendet , außer Stand war , die sie umgebenden Gegenstände zu erkennen , und mit gebeugtem Kopfe an der Thür stehn blieb . Als ihre Augen sich von dem schnellen Wechsel erholt hatten , sah sie sich in einem etwas größeren , runden und gewölbten Zimmer , an dessen getäfelten Wänden und Fußboden das Licht des Feuers zu erblinden schien , da das dunkle Eichenholz mit noch dunklern Tafeln behangen war , welche gefühlverletzende Darstellungen von Märtyrergeschichten enthielten , die eben keinen vortheilhaften Begriff von dem Sinn und Geschmack der Bewohnerin erwecken konnten . Eine Nische von kunstreich durchbrochenem Holze umschloß ein besser gelungenes Bild des Erlösers , vor dem zugleich ein Altar und ein Betschemmel standen . Einige hohe Sitze , welche gleich Chorstühlen zwischen den Fenstern hinliefen und ein eben so verzierter Schreibtisch waren der zunächst zu übersehende Inhalt des Gemaches , wovon Maria ' s Aufmerksamkeit indeß abgelenkt wurde , da Electa sie ermuthigte vorzuschreiten . Zunächst dem Kamin , doch so , daß sein Schatten sie deckte , gewahrte sie