Zweigen erkletterte . O keine Erinnerung brennt mehr in meinem Herzen , auf meinen Lippen , die dieser den Rang abliefe ; nicht Du , nicht andre haben für die süße Kost der Kirsche , auf höchstem Gipfel im brennenden Sonnenlicht gereift , oder der waldeinsamen Erdbeere , unter betautem Gras aufgefunden , mich nur einmal entschädigt . Darum , weil er denn in den Geist so tief eingegraben ist , der Genuß kindlicher Jugend , so tief wie die Flammenschrift der Leidenschaft , so ist er wohl auch eine göttliche Offenbarung , und er bedingt viel in der Brust , in der er haftet . Gedanken sind auch Pflanzen , sie schweben im geistigen Äther , die Empfindung ist ihre Muttererde , in der sie ihre Wurzeln ausdehnen und nähren ; der Geist ist ihre Luft , in dem sie ihre Blüten ausbreiten und ihren Duft ; der Geist , in dem viele Gedanken ihre Blüten treiben , der ist ein gewürziger Geist , in seiner Nähe atmen wir seine Verklärung . Die ganze Natur ist aber ein Spiegel von dem , was im Geistesleben vorgeht . Keinem Sommervogel hab ich umsonst nachgejagt , mein Geist empfing dadurch die Befähigung , einem verborgenen , idealischen Reiz nachzujagen ; und hab ich das klopfende Herz in die hohen Kräuter der blühenden Erde gedrückt : ich lag am Busen einer göttlichen Natur , die meiner Inbrunst , meiner Sehnsucht kühlenden Balsam zuträufelte , der alles Begehren in geistiges Schauen umwandelte . - Die wandelnden Herden in der Abenddämmerung mit ihrem Geläut , die ich oben von der Mauer herab mit stillem Entzücken betrachtete , die Schalmei des Schäfers , der in Mondnächten seine Schafe von Triften zu Triften leitete , das Bellen des Hundes in der Ferne , die jagenden Wolken , die aufseufzenden Abendwinde , das Rauschen des Flusses , das sanfte Anklatschen der Wellen am steinigen Ufer , das Einschlafen der Pflanzen , ihr Einsaugen des Morgenlichtes , das Kämpfen und Spielen der Nebel , - o sag , welcher Geist hat mir das geistig noch einmal geboten ? - Du ? - Hast Du Dich so traulich an mich geschmiegt wie die Abendschatten ? Hat Deine Stimme wehmütig freundlich in mich eingedrungen wie jene ferne Rohrpfeife ? Hat der Hund mir angeschlagen , es nahe sich einer auf heimlicher Fährte , dem mein Herz entgegenschlägt ? Und habe ich nach glücklichen Stunden wie jene schlaftrunkne Natur mit dem Bewußtsein befriedigter Sehnsucht , mich der Ruhe hingegeben ? Nein ! Nur in dem Spiegel der Natur hab ich ' s erfahren und die Bilder einer höheren Welterscheinung gesehen . So nimm denn jene Mitteilungen als Ereignisse hohen Genusses und reizender Liebesbegebenheiten auf ; was hab ich alles durch sie ahnen und begreifen gelernt ! Und was können wir mehr vom Leben fordern , was kann es Besseres in uns vorbereiten als die Befähigung zur Seligkeit ! Wenn also Sinne und Geist so bewegt war durch das Regen in der Natur , wenn die Begierde gespannt war durch ihr Schmachten , wenn ihr Dursten , ihr Trinken , ihr Brennen und Verzehren , ihr Erzeugen und Ausbrüten das Herz durchströmte , sag , was hätte ich da nicht erfahren im Liebesglück ; und welche Blume würde mir im Paradies nicht duften und welche Frucht mir nicht reifen ? Darum nimm sie auf , diese Hieroglyphen höherer Seligkeit , wie sie mein Gedächtnis nacheinander aufzeichnet . O sieh doch , das Buch der Erinnerung blättert sich ja grade in Deiner Gegenwart an diesen merkwürdigen Stellen auf ; Du ! - Du wirst mir vielleicht im Paradiese die Äpfel vom unverbotenen Baum pflücken ; an Deiner Brust werde ich dort aufwachen , und die Melodien einer beseligenden Schöpfung werden meine Lust in Deinen Busen hauchen . * * * Eins bewahr im Herzen : daß Du mir den reinsten Eindruck von Schönheit gemacht hast , dem ich unmittelbar gehuldigt habe , und daß nichts dem Ursprünglichen in Deiner Natur Eintrag tun könne , und daß meine Liebe innig mit diesem einverstanden ist . * * * Nur so weit geht die Höhe der Seligkeit , als sie begriffen wird ; was der Geist nicht umfaßt , das macht ihn nicht glücklich , vergebens würden Cherubim und Seraphim ihn auf ihren Schwingen höher tragen ; er vermöchte nie sich da zu erhalten . * * * Ahnungen sind Regungen , die Flügel des Geistes höher zu heben ; Sehnsucht ist ein Beweis , daß der Geist eine höhere Seligkeit sucht ; Geist ist nicht allein Fassungsgabe , sondern auch Gefühl und Instinkt des Höheren , aus dem er seine Erscheinung , den Gedanken entwickelt ; der Gedanke aber ist nicht das Wesentliche , wir könnten seiner entbehren , wenn er nicht für die Seele der Spiegel wär , in dem sie ihre Geistigkeit erkennt . * * * Der verschloßne Same und die Blüte , die aus ihm erwächst , sind einander nicht vergleichbar , und doch ist sein erstes Keimen die Ahnung dieser Blüte , und so wächst und gedeiht er fort mit gesteigerter Zuversicht , bis Blüte und Frucht seinen ersten Instinkt bewährt , der , wenn er verloren gehen könnte , keine Blüte und Früchte tragen würde . * * * Und wenn ich ' s auch ins Buch schreibe , daß ich heute traurig bin , kann mich ' s trösten ? Wie öde sind diese Zeilen ! Ach sie bezeichnen die Zeit des Verlassenseins . Verlassen ! War ich denn je vereint mit dem , was ich liebte ? War ich verstanden ? - Ach warum will ich verstanden sein ? - Alles ist Geheimnis , die ganze Natur , ihr Zauber , die Liebe , ihre Beseligung , wie ihre Schmerzen . Die Sonne scheint , treibt Blüte und Frucht , aber ihr folgen die Schatten und die winterliche Zeit . - Sind denn die Bäume auch so trostlos , so verzweiflungsvoll in ihrem Winter wie das