das Aeussere , vortheilhaft zu benutzen gewußt , und nichts bezeichnet sie besser , als das französische Wort : je ne suis pas la Rose , mais j ' ai habité avec elle . Begleitet von diesem ihrem jungen glänzenden Lieblinge , trat nun die Gräfin eines Abends ganz unerwartet in Gabrielens Zimmer ein , um ihre vielgeliebte Nichte einmal wieder zu sehen , nach der sie sich , ihrer Versicherung nach , Mondenlang vergebens gesehnt hatte . Sie erklärte , den ganzen Abend bei ihr bleiben zu wollen und etablirte sich förmlich mit ihrer Knötchen-Arbeit auf dem Sopha , um dieses zu beweisen , denn der heutige Tag war eben ein allgemeiner Bußtag gewesen , der ohnehin still und mitunter auch wohl langweilig selbst von denen zugebracht werden mußte , die wie die Gräfin und Ida im ewigen Wechsel des Vergnügens sich herumzudrehen gewohnt sind . Der seltne Besuch der Tante ward von Gabrielen mit gewohnter Holdseligkeit empfangen und auch Idas beinahe ungestüme Liebkosungen wurden so von ihr erwidert . Wie entzückt , warf sich diese ihr in die Arme , und ward nicht müde , ihrer Freude über dieses lang ersehnte Wiedersehen Worte zu geben . Mit innigem Wohlgefallen und stiller Bewunderung betrachtete indessen Gabriele das , alle frühere Erwartungen weit hinter sich lassende Erblühen des jugendlichen Wesens , das noch in diesem Moment durch ein , bei Hippolits Anblick aufleuchtendes freudiges Strahlen der schönen Augen unendlich reizender ward . Sie ließ Ida lächelnd gewähren , wie man einem artig spielenden Kinde den Willen thut , als diese nun mit anmuthiger Geschäftigkeit sich der Verwaltung des Theetisches bemächtigte , dabei die in Schloß Aarheim selig verlebten Tage pries , und überhaupt alle ihre kleinen Künste spielen ließ , um sich so interessant und liebenswürdig als möglich zu zeigen . In Gabrielens reine Seele kam noch immer keine Ahnung von diesen Künsten , unerachtet ihre genaue Bekanntschaft mit der Welt sie in dieser Hinsicht wohl hätte einsichtiger machen können . Sie aber war zu wahr geblieben , um an das Falsche oder Schlechte zu glauben , ehe Thatsachen davon sie unwidersprechlich überzeugten . Und so wie sie als sechszehnjähriges Kind die jugendliche frische Farbe ihrer schon damals mehr als vierzigjährigen Tante bewundert hatte , eben so ließ sie sich auch jetzt zehn Jahre später , von der gutgespielten kindlichen Naivetät eines achtzehnjährigen Mädchens blenden , ohne in ihr die geübte Schauspielerin zu erkennen . Das Vergnügen , mit dem sie dem anmuthigen Wesen zusah , stieg mit jeder Minute , ihr Auge suchte endlich Hippoliten auf , um auch ihn zur Theilnahme daran aufzufordern , doch sie ward gewahr , daß es dessen nicht bedürfe . Fest gebannt , alle seine Aufmerksamkeit ausschließend dem reizenden Geschöpfe zugewendet , sah sie ihn hinter Idas Stuhl stehen , die glänzenden Augen nur auf diese geheftet , und ein ganz eignes stechendes Weh durchbebte in dem Momente ihre Brust . Ida ward immer lebendiger in ihren Bewegungen und im Gespräche . Die ihr ganz eigne Grazie in all ' ihrem Thun wurde immer sichtbarer , und Hippolit gerieth dadurch nach und nach in eine ihm jetzt seltne fröhliche Laune . Unter dem Vorwande , ihr wie wohl ehemals in Schloß Aarheim geschah , bei ihrem Geschäfte helfen zu wollen , rückte er sich einen Stuhl dicht neben den ihrigen , verwirrte lachend und schäckernd die Tassen , reichte ihr den Rum statt des Rahms , warf Zucker in die Tassen die dessen nicht bedurften , ließ sich von ihr ausschelten ohne sich deßhalb zu bessern , und trieb tausend kindische Possen , worüber sie herzlich lachen mußte , was ihr über die Maßen wohl stand , und ihn zu immer neuen lustigen Einfällen hinriß . Die Gräfin sah dem artigen Spiele des schönen jungen Paars mit unverhehltem Vergnügen darüber zu , und begann nach Art älternder Frauen , auf diese Stunde Pläne für ihre Ida zu bauen , die sie durch manchen heimlichen Wink auch Gabrielen mitzutheilen versuchte ; doch diese war nicht gestimmt , sie zu verstehen . Mit nie empfundner Angst fühlte sie in ihren Augen aufsteigende Thränen , sie wollte nach dem Beispiel der Andern den heimlichen Schmerz weglachen , aber es war ihr unmöglich . Je lustiger jene wurden , je ernster ward sie . Zum ersten mal in ihrem Leben dünkte sie sich launig , verdrüßlich zu seyn ; sie strebte , ihre Verstimmung wenigstens zu verbergen , da sie nicht vermochte sie zu unterdrücken , und zuletzt hielt sie dieses sogar für überflüssig , denn sie glaubte zu bemerken , daß niemand sie beachte . Hippolit wie die Tante , hatten nur Augen für Ida , die ihren Muthwillen immer höher trieb , und dabei immer reizender ward , während Gabriele in immer steigender Angst den Abstand ihres innern Mißmuths mit der allgemeinen Stimmung empfand . Es ist Besorgniß um Moritzen , was so mich quält , dachte sie endlich , er ist so verlassen , vielleicht schmerzlich leidend , in seinem einsamen Zimmer . Sie wünschte Hippoliten an ihn zu erinnern , aber ein wunderliches Schämen hemmte ihre Worte . Sie dachte darauf , sich selbst auf einige Minuten bei der Tante zu beurlauben um nach ihm zu sehen , aber auch dazu fehlte ihr Entschlossenheit . So kämpfte sie eine ziemliche Weile mit sich selbst und ward immer ernster , als der vermeinte Gegenstand ihrer Sorge ihrer Ueberlegung ein ganz unerwartetes Ende brachte , denn Moritz selbst trat in ihr Zimmer , was er lange nicht gewagt hatte . Heiter und wohl , wie er es seit Monden nicht gewesen , wollte er seine Gemahlin durch diesen Besuch angenehm überraschen , und ward selbst durch das lustige Treiben überrascht , in das er hier ganz unerwarteter Weise hineingerieth , und das ihm in diesem seinen Anflug von guter Laune höchst willkommen war . Die Stunden flogen , der Abend verging ehe man es dachte . Idas naiver Witz zeigte sich unerschöpflich , ihre Fröhlichkeit