um sich wieder davon zu reinigen . Sehr schlimm war es , daß die Hitze vielen übel bekam , so wie das viele Essen ; da gab ' s erst Gestank , daß Güldenkamm ein Fenster aufmachen wollte , wie schrie ihn aber der Bartmann an ! wenn er in die Luft wollte , möchte er sich hinausscheren . Da sah er nun wohl , daß er unter groben Leuten sei , die von den Nürnbergern noch sehr verschieden waren . Nach langem Harren wurde ein Tuch , grob wie Segeltuch , über den Tisch gebreitet , Teller ausgesetzt , Messer und Gabel beigelegt mit Brot ; alle setzten sich heran und schabten beinahe eine halbe Stunde bis die Suppe fertig , an der schmutzigen Brotrinde . Endlich kam dieser ungeheure Kübel voll Suppe , bald darauf ein Gemüse in gleicher Brühe , dann gekochtes Fleisch in eben solcher , endlich nach einer Stunde etwas gebratenes Fleisch und Fisch , nachdem alle satt waren ; ein saurer Wein stand dazu auf dem Tische , wovon jeder so viel trinken mochte als er wollte , denn alle bezahlten gleich . Da brachte der Barthans einen Schinkenteller , worauf er einige Ringe und halbe Ringe mit Kreide gemalt hatte , das verstanden viele und legten ihre Zeche auf den Tisch . Güldenkamm verstand es aber nicht , er hatte all sein Geld zum Mittagessen aufgehen lassen ; er wußte nichts Besseres zu tun , als den Schalksnarren zu spielen , worauf er sich schon in Nürnberg beflissen hatte . Er stellte sich wie ein blökendes Kalb und machte allerlei lächerliche Sprünge , die aber Susannen herzlich zuwider waren ; zuletzt sprang er auf den Tisch , streckte Hände und Beine in die Luft , drehte sich auf dem Bauche herum und wischte sehr geschickt alles auf dem Kreideteller aus . Der Schwank gefiel allen ; ein Kaufmann bezahlte für ihn und für Susannen und schenkte ihm noch Reisegeld obenein . Susanna nur empfand von dem Augenblicke gegen ihn einen unerklärlichen Widerwillen , er war ihr einen Augenblick wie eine lächerliche widerliche Spinne erschienen . Als er so wohl aufgenommen , ließ er sich in allerlei Trinksprüchen hören , die um so lauter belacht wurden , je kräftiger der Schmutz sie würzte . Endlich wurde eine Streu über den Boden ausgebreitet , schmutzige Tücher mit Kopfkissen und wollene Decken darauf gelegt ; Güldenkamm legte sich zu den Füßen Susannens . Die Lampe wurde ausgelöscht , und Güldenkamm stieg die Glut des Weines ins Herz ; er näherte sich leise Susannens Füßen und küßte sie mit einer Inbrunst , daß sie erwachend aus unwiderstehlichem Widerwillen ihm einen Tritt gegen den Kopf gab , der sich für den Augenblick zurückzog . Aber mit erneuter Liebesmacht drängte es ihn zurück , doch ein heftiger Stoß gegen die Nase erleichterte ihn vom Blute und kühlte ihn dadurch . Früh Morgens ging es davon ; der Fuhrmann fluchte , daß die Kinder ein Stück von seiner Peitsche abgeschnitten , Güldenkamm war verstimmt durch seine aufgeschwollene Nase , Susanna konnte ihn gar nicht mehr ansehn , und das Stoßen des Wagens schien ihnen heute so ganz unerträglich , daß sie abstiegen , stillschweigend ihre Straße zu gehen . Sie hatten jetzt den Kamm des Gebirges erreicht und sahen in ein weites reiches Tal , alle auslaufenden Spitzen des Gebirges waren mit glänzenden Schlössern besetzt , in den grünsten Tälern schimmerten ferne Klöster ; ein Wohlleben war überall , und ihre Augen schwankten von einem Anblick zum andern wie Füllen , die im Überflusse das Gras durch den Mund gehenlassen , ohne es abzubeißen , und sich lieber drin strecken und wälzen . Die beiden Reisegefährten waren plötzlich versöhnt , und Güldenkamm ließ seine Zither so anmutig klingen , daß der Fuhrmann den Takt dazu knallte , bis sie die Stadt Waiblingen erreicht hatten . » Das heißt lange geschlafen « , sagte der Wirt , als er gegen Mittag eintrat ; » wollt ihr denn nicht heute nach dem Hause des gewesenen Bürgermeisters gehen ? das wird heute von den Schuldleuten verkauft . « Susanna erschrak bei diesen Worten , sie vernahm so unerwartet , daß die Umstände von Frau Annen viel schlimmer ständen , als Anton ihr gesagt hatte ; sie beschloß sogleich zu ihr hinzugehen . Als sie vor das hohe Haus trat , da dachte sie ihres Anton recht in Liebe , sie dachte ihn , wie er da aus und ein gegangen ; sie hatte eine ungemeine Sehnsucht , sein Weib und seine Kinder zu sehen , da dachte sie , würde ihr recht wohl sein , da wollte sie für alle arbeiten , allen dienen . Die Haustür stand offen , eine harte gellende Stimme tobte im Hause mit höchster Verzweiflung ; ein ernster Mann in Ratskleidung führte einen kleinen kräftigen blondgelockten Knaben , den kleinen Anton , zur Tür hinaus . Eine Frau von ernstem Ansehen , von schönem Bau , hohen , etwas starken Leibes , in der Kleidung vornehmer Bürgerinnen , fluchte hinter dem Kinde : » Du Kain , meine Schläge kriegst du nicht , aber das Rad wird dich schlagen , Tunichtgut , wie dein Vater , der Landstreicher , der Dieb . Mein liebes , liebes Kind hast du umgebracht , mein Oswaldchen ; Fluch über dich , daß du unstet und flüchtig durch die Welt irrest , daß dich der Teufel besitze und dir in allen Gliedern bis zum jüngsten Tage gichtere , daß deine Knochen noch auf dem Galgen tanzen ; ja sieh dich nur um , du Fresser , wirst bald ausgefressen haben ! « Bei diesen erschrecklichen Verfluchungen traten alle Menschen von ihr zurück , und so schlug sie an der Treppe des großen Hausflures hart auf die Erde nieder . Susanna , aus einem Mitleidsinstinkt , trat zu ihr und suchte sie zu sich zu bringen ; ein Mädchen trat mit Wasser herbei und sagte : » Ich glaube , sie wacht nicht