. Süße Täuschung wie im Bache , Ich dein Bild verdoppelt sah . JOHANNES . Schwimmend Auge , wache , wache , Wenn der Vater mir bald nah . HYOLDA . Wenn es doch recht bald geschähe , Sag es Kuckuck in dem Wald . BEIDE . Kuckuck rufend in der Nähe , Wie von Vaters Stimme schallt ! Schmerzen wußt ich zu ertragen , Aber diese Freude nicht , Frühling hilf mir Freuden tragen , Daß mein Herz davon nicht bricht . Wirklich hatte sich der Graf an der Seite des Johannes leise herangeschlichen und Kuckuck gerufen ; er umarmte ihn bei diesen Worten und drückte ihn an sein Herz . Alle Kinder liebten ihn wunderbar ; er war zu gleicher Zeit ihres gleichen und ihnen so überlegen , ging in alle ihre Freuden ein und wußte alle zu einer Hauptwirkung zu führen ; mit stummer Freude küßte er den lang entbehrten Sohn . Wir müssen uns von einer leidenschaftlichen Bewegung der zärtlichen Hyolda jetzt nicht erschrecken lassen , sie hielt sich nicht am andern Ufer , sie sank in den Strom , um zu Vater und Bruder zu gelangen ; sie konnte nicht schwimmen , aber ihre Sehnsucht und der Strom trugen sie dienend an eine tiefere Stelle aufs Land , als der Vater , der es zu spät bemerkte , sich eben ins Wasser stürzen wollte , sie heraus zu heben . Es war in dem ganzen Ereignis zu viel Schönes , zu viel Glück ; er konnte ihr keinen Vorwurf machen . Nachdem sich alle dreie ihrer Vereinigung herzlich gefreut hatten , so schickte er Hyolda fort , um die Kleider zu wechseln ; er selbst ging mit Johannes zu der Fürstin , die mit ihrer Würde , ihrer Annehmlichkeit diesen Sohn so wie die andern Kinder für sich einnahm , ihn auch durch das Geschenk einer herrlichen Madonna hoch beglückte . Er sprach gern mit ihr , und doch sehnte er sich nach dem Kloster zurück ; was ihn erfreute , schien ihm ein vergänglicher Rausch gegen jene feste Ruhe seiner Seele , die ihn dort erfüllte . Jetzt wurde er zur Herzogin gerufen , die von einer Fahrt zurückgekommen , ihn mit Liebe empfing , mit Andacht hörte und aus innerster Seele zu ihm sprach . Sie gab ihm in dieser einsamen Stunde seine Erhebung über die Ereignisse der Welt zurück ; sie sprachen mit einander viel Herrliches über die Stufen der geistigen Erhebung und über geistige Führung ; sie verstanden einander ganz , und darum kann es einem anderen ohne Entheiligung nicht mitgeteilt werden . Glücklich die Seele , die ihr Bestimmtes gefunden . Am Schlusse ihres einsamen Gespräches wünschte Klelia , daß Johannes ihr eine Messe in ihrer Schloßkapelle lesen möchte . Er tat nach ihrem Wunsche ; sie selbst spielte die prächtige Orgel , deren unerwarteter mächtiger Ton alle Bewohner des Schlosses , auch Dolores dahin zog . Johannes las mit hohem Sinne und Anstande ; nie war eine Mutter seliger , als Dolores , kein Vater glücklicher als Karl ; aber wie schmerzlich war der Abschied , als Johannes nun wieder für ein Jahr scheiden mußte . - » Wir sehen uns wieder , wer weiß wie ! « rief ihm die Gräfin nach . Johannes ging ernst und ohne Umschauen aus der Türe . Der Schreiber begleitete ihn und seine beiden Ordensgeistlichen weiter als alle andern . Johannes erzählte ihm unbefangen den ganzen Tag , verweilte mit Rührung bei dem Vorfalle mit der Schwester , den dieser begierig ergriff , um daraus eine Geschichte zu bilden , wie er sie in seinem weltlichen Sinne lieber erlebt hätte . Wir wollen sie den Weltleuten zu Gefallen mitteilen . Getrennte Liebe Zwei schöne liebe Kinder , Die hatten sich so lieb , Daß eines dem andern im Winter Mit Singen die Zeit vertrieb , Diesseit und jenseit am Wasserfall Höret ihr immer den Doppelschall . Der Winter bauet Brücken , Sie beide hat vereint , Und jedes mit frohem Entzücken Die Brücke nun ewig meint ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Wohnten die Eltern getrennt im Tal . Der Frühling ist gekommen , Das Eis will nun aufgehn , Da werden sie beide beklommen , Die laulichen Winde wehn ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Stürzen die Bäche mit wildem Schall . Was hilft der helle Bogen , Womit der Fall entzückt , Von ihnen so liebreich erzogen , Zum erstenmal bunt geschmückt ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Höret sie klagen getrennt im Tal . Die Vögel über fliegen , Die Kinder traurig stehn , Und müssen sich einsam begnügen Einander von fern zu sehn ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Kreuzen die Schwalben mit lautem Schall . Sie möchten zusammen mit Singen , So wie der Vögel Brut , Den himmlischen Frühling verbringen , Das Scheiden so wehe tut ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Sehn sie sich endlich zum letztenmal . Der Knabe kriegt zur Freude Ein Röckchen wie ein Mann , Das Mädchen ein Kleidchen von Seide Nun gehet die Schule an ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Gehn sie zum Kloster bei Glockenschall . Sie sahn sich lang nicht wieder , Sie kannten sich nicht mehr , Das Mädchen mit vollem Mieder , Der Knabe ein Mönch schon wär ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Kamen und riefen sie sich im Tal . Das Mädchen ruft so helle , Der Knabe singt so tief ; Verstehen sich endlich doch schnelle , Als alles im Hause schlief ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Springen im Mondschein die Fische all . Froh in der nächt ' gen Frische , Sie kühlen sich im Fluß , Sie können nicht schwimmen wie Fische , Und suchen sich doch zum Kuß ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Reißen die Strudel sie fort mit Schall . Die Eltern hören singen Und schaun aus hohem Haus , Zwei Schwäne im Sternenschein ringen Zum Dampfe des Falls hinaus ; Diesseit und jenseit am Wasserfall