deinem Umgange genoß , für jeden Beweis der Freundschaft , den du mir und meinem Weibe gegeben hast ! Entziehe sie der Unglücklichen nicht , nimm sie als deine Freundin , als mein einziges theuerstes Vermächtniß auf ! « Mit Thränen der innigsten Rührung , aber gewiß ohne Leidenschaft , gelobte ich ihm , Theophanien als meine Schwester zu betrachten . Ich war jetzt wirklich seine Freundin geworden . O was hätte der Mann aus mir machen können , wenn keine frühere Verbindung eine unübersteigliche Kluft zwischen uns eröffnet hätte ! Und er ist todt ! - Tiridates und Apelles , ein christlicher Priester , waren den letzten Tag viel bei ihm . Er war gefaßt , und sogar heiter , wenn die Rede nicht auf seine Frau fiel . Den Abend wendete er an , um Briefe zu schreiben , legte sich dann schlafen , und schlief noch sehr ruhig , als Tiridates gegen den Morgen in sein Gefängniß trat . Die Lictoren kamen bald darauf . Eine leichte Bewegung ward in Agathokles Zügen sichtbar , dann stand er ruhig auf , umarmte seine Freunde , gab Tiridates ein letztes Lebewohl an seine Hinterlassenen auf , und folgte den Lictoren . Seine vertrauten Sclaven empfingen ihn an der Thür des Gefängnisses , die Treuen wollten ihren geliebten Herrn noch ein Mal sehen . Er redete gütig mit ihnen , gab den Meisten die Freiheit , und verwies sie auf sein Testament , das er im Kerker geschrieben hatte , und jetzt Tiridates übergab . Dann bestieg er das Todesgerüste , betete mit stiller Rührung - und so verließ der Schatten des edelsten Mannes die Erde , die seiner nicht werth war ! O mein Bruder ! Nie , nie wird dieser ungeheure Verlust seinen Verlassenen , seinen Freunden ersetzt werden ! Theophania war , seit dem Abschied ihres Mannes , wenig bei sich gewesen , wir wünschten sehr , daß dieser Zustand noch eine Weile dauern , und die traurige Catastrophe ihr unbewußt vorübergehen möchte . Aber es ist seltsam , obwohl es nichts als Zufall seyn kann ; in der Nacht seines Todes , gegen den Morgen fuhr sie auf ein Mal aus dem Schlummer empor , nannte seinen Namen , sah uns Alle starr an , und sagte : Jetzt ist er todt . Wir suchten ihr diese Vorstellung zu benehmen , sie blieb ruhig auf ihrer Behauptung , fragte , welche Zeit es wäre , und schwieg zuletzt mit einem sonderbaren Lächeln . Als Apelles eintrat , sagte sie ihm die Stunde , in der ihrer Meinung nach ihr Mann geendet hatte . Er war erstaunt , denn sie traf ziemlich mit der Wahrheit zusammen . Apelles mußte ihr alle Umstände , jeden Blick , jedes Wort , jede Bewegung ihres Gemahls wiederholen . In dieser traurigen Beschäftigung , die mir so ganz zweckwidrig vorkam , schien sie Trost zu suchen , und fand ihn wirklich . Seitdem ist sie sich immer gegenwärtig , sie faßt sich mit unglaublicher Kraft , sie ist still , beinahe wortlos , aber sie ist bei Weitem nicht so gebeugt , und zernichtet , als ich es bei ihrem Charakter fürchtete . Woher kommt diesem sonst so zagenden Wesen dieser Muth , woher die Kraft , ohne den zu leben , der ihr einst so ganz unentbehrlich zu ihrem Daseyn schien ? Sollte ich glauben , daß dies die Wirkung der Schwärmerei , der Religion sey ? Wie kann sie das ? Wie kann der Glaube an die Götter , oder an einen Gott solche Umwandlungen , solche Wunder hervorbringen ? Wenn es aber wirklich so ist , so muß die Religion der Christen von ganz anderm Einfluß auf die Gemüther seyn , als die unsrige . Tiridates und ich haben ihr angeboten , sie mit nach Ecbatana zu führen ; denn ich liebe - und verehre sie wirklich , und ihre Gesellschaft wäre mir äußerst erwünscht . Sie zieht aber vor , nach Syrien zu einer Freundin zu gehen , die sie lange kennt und liebt , und mit der viele alte Bande , auch der Religion , sie verknüpfen . Hiergegen konnte ich nichts einwenden , - und so sehe ich mit Wehmuth dem Augenblicke der Trennung entgegen . Es wird mich schmerzen , von Allem zu scheiden , was einst dem theuren Freund noch angehörte , und nichts - gar nichts mehr für ihn an seinen Verlassenen thun zu können . Ach ich fand bei dem unendlichen Verlust einen kleinen Ersatz darin , das , was ich ihm nicht seyn konnte , den Seinigen zu werden ! O Lucius ! Er war mir so viel , so viel ! - Noch kann ich mich nicht an den Gedanken gewöhnen , daß er todt ist , noch kann ich es nicht fassen , daß ich ihn nie - nie wieder sehen soll ! Leb ' wohl , lieber Bruder ! Sobald Theophania im Stande ist , ihre Reise anzutreten , brechen auch wir auf . Mein Vater geht nach Rom zurück , und ich habe es geschworen , die Umgebungen dieser Stadt , in der das edelste Blut vergossen ward , deren Annäherung mir nichts als Unheil gebracht hat , nie wieder zu betreten . Fußnoten 1 Titon , Aurorens Gemahl der von den Göttern zwar das Geschenk der Unsterblichkeit , aber nicht der ewigen Jugend erhielt , und daher endlich aus Mitleid in eine Heuschrecke verwandelt wurde . 116 . Apelles an Junia Marcella . Nikomedien , im Junius 305 . In drei Tagen , meine theuerste Freundin , wird unsre arme Theophania sich mit ihren Waisen auf den Weg zu dir machen , und ich werde sie begleiten . Seit dem Tode ihres Mannes habe ich sie wenig verlassen , und vielfach Gelegenheit gehabt , die geheime Kraft ihrer Seele , und ihre Ergebung in den Willen des Schöpfers , und ihres Gemahls zu bewundern . Er hat sie gebeten , zu leben - er hat