, was Sie mir jetzt abbitten : Sie haben mich bisher verachtet und nun sehen Sie , daß doch etwas Gutes an mir ist . Ja , ich habe wild gelebt , ich bekenne es — ich habe den Maßstab nicht geachtet , den die Menschen an ein Weib legen , weil ich die Menschen selbst nicht achtete . — Jetzt , jetzt erkenne ich ihn an , weil ich endlich einen Mann gefunden , den ich inbrünstig , gläubig verehre — aus dessen Hand ich jedes Gesetz meines Lebens fraglos hinnehmen würde . Möllner , ich bin noch zu Besserem fähig , als ein paar tausend Rubel zu geben — ich kann mich selbst hingeben , aufgeben ! Wenn Sie es wollten , wenn es mir Ihre Achtung wiedererwerben könnte , so wollte ich Zügel und Peitsche wegwerfen , wollte Nadel und Faden zur Hand nehmen , kein Pferd mehr besteigen , nicht mehr über Feld und Heide dahin brausen , — nicht mehr von einem Ort zum andern fliegen , noch in stetem Wechsel des Lebens perlenden Schaum genießen ; — hier , hier wollte ich liegen und diese Kniee umfassen , still büßend wie Maria Magdalena . Meine Reichtümer wollte ich zu Ihren Füßen hinwerfen und von mir tun allen Glanz , der mich in andern Augen schmücken könnte , als in den Ihren . Ihnen sollte Alles gehören , was ich zu geben habe , was Andere so heiß begehrten , und ich wollte es als eine Tat der Barmherzigkeit betrachten , wenn Sie mich würdigten , mein Geschenk anzunehmen ! — O , sehen Sie , ich verstoße wieder gegen Brauch und Sitte , da ich , das Weib , mich dem Manne meiner Wahl anbiete : Aber was bei jeder Andern ein Überschreiten der sittlichen Grenzen wäre , das ist bei mir eine Rückkehr zur Sittlichkeit . Ich darf nicht stolz abwarten , bis mir ein Mann wie Sie sein Herz entgegenbringt , ich bin so tief gesunken , daß ich in reuiger Zerknirschung mir Achtung und Liebe erbetteln , in lebenslanger Buße sie verdienen muß und nicht murren darf , wenn sie versagt wird . Ich empfinde die Schmach , die darin liegt , aber ich kann ja nur durch diese Schmach mich wieder zu meiner verlorenen Würde erheben , kann mich nur durch eine emanzipierte Tat von der Emanzipation lossagen ! — O , glauben Sie mir , es ist keine frivole Wallung , die jetzt aus mir spricht , es ist das verzweifelnde Ringen einer verirrten Seele nach der erlösenden Kraft einer wahren Liebe ! “ Sie konnte kaum vollenden , die Leidenschaft überwältigte sie , und die schönen Arme zu ihm emporstreckend wie eine Versinkende stürzte sie vor ihm auf die Knie und verfiel in wildes Schluchzen . Johannes versuchte vergebens , sie aufzuheben . Er war wie betäubt von diesem vulkanischen Ausbruch . In die offenen Wunden , die Ernestinens Kälte ihm geschlagen , ergoß sich jetzt so plötzlich die glühende Lava einer Leidenschaft , von der er keine Ahnung hatte , die ihm in der gemäßigten Zone deutschen Geisteslebens nie vorgekommen war . Er stand davor , wie vor einer fremdartigen Naturerscheinung , überrascht , überwältigt , rat- und fassungslos . Ein einziger bitterer Gedanke kam ihm zum klaren Bewußtsein : Wo er Liebe suchte , fand er sie nicht und wo er sie nie gewährt noch begehrt , da überströmte sie ihn . Der Gegensatz war zu grell — er legte wie geblendet die Hand vor die Augen und ein schwerer Seufzer entstieg seiner Brust . Sie zog ihm die Hand vom Gesicht : „ Möllner , gilt diese Träne mir ? “ „ Uns Beiden ! “ „ Möllner ! “ sagte sie mit ihrem tiefen , schmeichelnden Tone und ihre weichen , warmen Finger umschlangen die seinen , ihre dunklen , glühenden Augen hafteten in Todesangst an seinen Mienen . So lag das schöne majestätische Weib vor ihm , in heißer Qual , die Sünde büßend , daß sie sich dem Manne ihrer späten Liebe nicht rein erhalten hatte , — auf ihn hoffend , wie auf ihren Erlöser , bereit , sich selbst und ein Leben voll Genuß ihm hinzugeben — ihm , dem einfachen Gelehrten , der sich keiner der Vorzüge bewußt war , durch welche die stolzen Männer ihrer Kreise glänzten , der ihr nie auch nur das Geringste zu Liebe getan ! So , so konnte ein Weib ihn lieben , ein Weib , das gewöhnt war , die höchsten Ansprüche zu machen — und Jene , jene Eine , der er seine ganze Seele entgegenbrachte , für die er sein Leben hingäbe , konnte ihn einem Wahn aufopfern , einem Dünkel , der sie nicht einmal beglückte ? Ihm schwindelte , er entzog der Gräfin seine Hände und sprang auf , um Atem zu schöpfen , sie warf den Kopf auf seinen verlassenen Sessel und barg das Gesicht still in den Armen , als erwarte sie den Todesstreich , der ihr das Haupt vom Nacken trennen sollte . — Jetzt , als sie in ihrem Schmerz hingegossen vor ihm lag , sah er zum ersten Male die Schönheit dieser Gestalt , aber nur einen Augenblick sah er sie , im nächsten wandte er sich von ihr , stieß einen Laden auf , daß das volle Tageslicht hereinströmte und die beklemmende Dämmerung wich . Ein frischer Luftzug hatte sich erhoben . Er atmete ihn mit vollen Zügen . Als er wieder zur Gräfin trat , war er ruhig . Nachsicht , diese hervorragende Eigenschaft feiner , milden * Seele , hatte jeden Widerwillen besiegt und an seinem Schmerz um Ernestine nährte sich sein Erbarmen für die hoffnungslos liebende Frau . Es war ein reines , echt menschliches Gefühl , das aus seinen Augen strahlte , als er ihren Kopf emporhob , aber sie war aufs Neue davon getroffen wie von einem Zauber . „ O , diese Augen ! Möllner —