traf am 13. Januar die Leiche auf dem Neustädter Bahnhof ein und wurde von Anverwandten in Empfang genommen . Aber die Teilnahme beschränkte sich nicht auf einen engsten Kreis und man darf sagen , die halbe Grafschaft geleitete diesen Toten auf seinem letzten Gange . Der Weg war weit und noch viele Ortschaften zu passieren ; von Turm zu Turm , bei Näherkommen des Zuges , gingen die Glocken , und Prediger und Schuljugend empfingen den Sarg und begleiteten ihn unter Gesang von Dorf zu Dorf . Er empfing die letzten Ehren für viele , die draußen in fremder Erde gebettet worden waren , und jeder beweinte seinen Toten in diesem Toten . Aber über alles bloß Selbstsüchtige hinaus , das unser Erbteil ist , rührte sein Geschick aufs herzlichste , denn auch von ihm hieß es : » und viele waren , die seiner Sitten Freundlichkeit erfahren « . Nun ruht er in der Familiengruft , nahe der Kirche . Wie viele Tafeln in den Dorfkirchen unseres Landes , die dem , der sie zu lesen versteht , eine gleiche Geschichte erzählen ! Lindow Lindow Wie seh ich , Klostersee , dich gern ! Die alten Eichen stehn von fern , Und flüstern , nickend , mit den Wellen . * Und Gräberreihen auf und ab ; Des Sommerabends süße Ruh Umschwebt die halbzerfallnen Grüfte . Lindow ist so reizend wie sein Name . Zwischen drei Seen wächst es auf und alte Linden nehmen es unter ihren Schatten . Seine Vorgeschichte versagt ; alles Archivalische ward ein Raub der Flammen , und nur mir hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen , daß das Kloster eher da war als die Stadt . Kloster Lindow wurde gegen Ende des zwölften oder Anfang des dreizehnten Jahrhunderts von dem Grafen Gebhardt von Ruppin und Lindow als ein Prämonstratenser-Nonnenkloster gegründet und empfing zu Ehren des Stammhauses der Familie ( Lindow im Anhaltischen ) seinen Namen . Die Stadt entstand aus Ansiedelungen ; Handwerker und Ackersleute kamen , die den Schutz des Klosters suchten . Und diese Beziehungen blieben durch alle Jahrhunderte hin und überdauerten den Bestand des Klosters bis in unsere Tage hinein . 1754 wurde dem lutherischen Rektor sein Gehalt ansehnlich erhöhet , » weil er , zu seinen geringen Einkünften , nur einen freien Tisch auf dem Klosterhofe habe « , und noch 1748 schenkte die Konventualin Anna Juliane von der Kettenburg 100 Taler an die Stadt mit dem Bedingnis , » daß von den Zinsen dieser Summe das Schulgeld für arme Kinder bezahlt werde « . Welchen beiden Notizen wir , außer dem Fortbestande guter Beziehungen zwischen dem Kloster und dem städtischen Gemeinwesen , auch gleichzeitig entnehmen können , daß man finanziell in Stadt Lindow nicht auf Rosen gebettet war . Auch im Kloster war man es , aller Guttaten unerachtet , nicht mehr , seit im Jahre 1542 die Säkularisation und die Umwandlung der Klostergüter in kurfürstliche Domänen begonnen hatten . Zwanzig Jahre vorher , beim Erlöschen des gräflichen Hauses Ruppin , hatte das Kloster auf seiner Höhe gestanden . Es war damals eines der reichsten Stifte in der Mark und besaß außer der Stadt Lindow achtzehn Dörfer , zwanzig wüst liegende Feldmarken , neun Wassermühlen und alle die Seen , die teils innerhalb des Großen Menzer Forstes , teils am Rande desselben gelegen sind , darunter auch den Großen Stechlin . Die Gesamtbodenfläche , die damals dem Jungfrauenkloster zugehörte , darf man auf vier Quadratmeilen schätzen , reichte mithin , wie Bratring spöttisch schreibt » vollkommen aus , um fünfunddreißig Nonnen , einer Äbtissin und einem Propst ein einigermaßen gemächliches Leben zu sichern « . Man kann dies zugeben , aber es den Bevorzugten auch neidlos gönnen , und zwar um so lieber und leichter , als ihr Glück , von jenem Kulminationspunkt an gerechnet , nur noch von kürzester Dauer war . Es ging galoppierend zu Ende . Wohl war am heiligen Dreikönigstage 1530 den Lindowschen Nonnen ihr Besitz zu » ewigem Eigentum « aufs neu bestätigt worden , aber eh noch die Mitte des Jahrhunderts heran war , war die Säkularisation bereits ausgesprochen und das » ewige Eigentum verflogen « . Aus dem Kloster Lindow wurde nunmehr ein » Fräuleinstift zu Lindow « , und an die Stelle der Äbtissin und ihrer fünfunddreißig Nonnen trat eine Domina mit vier Fräuleins ; das Gesamteinkommen aber sank allmählich auf tausend Taler und das Grundeigentum von vier Quadratmeilen auf -hundert Morgen . Unter den Dominas , soweit ihre Namen überhaupt noch auf uns gekommen sind , finden wir fast ausschließlich Adelsnamen aus Ruppin und Havelland : Elisabeth von Zieten 1557 , Anna von Gühlen 1625 , Katharina von Döberitz 1685 , Anna Hedwig von Fratz 1709 , Maria Elisabeth von Quast 1736 , Ilse Margarethe von Rochow und Anna Elisabeth von Bredow , letztere beide ohne Zahlenangabe . Unser Weg führt uns von Alt-Ruppin auf Lindow zu . Die nur durch ihre Lage reizende Stadt kann uns durch ihre Straßen und Plätze nicht fesseln , aber jenseits derselben , wo sich die Schmalung zwischen dem Gudelack- und dem Wutzsee wieder zu weiten beginnt , werden wir , nach rechts hin , eines Konglomerates von Häusern und Ruinen ansichtig , um welches sich eine niedrige Steinumwallung : die Einfriedigung von Kloster Lindow , zieht . Wir lassen halten , überklettern die gerad an dieser Stelle weder Tür noch Pforte zeigende Mauer und befinden uns auf einer von prächtigen alten Bäumen überragten Parkwiese , die , den verschiedensten Bestimmungen dienend , alle ihre Verschiedenheiten wieder in eine höhere Einheit zusammenfaßt . Die schönsten Teile dieser Parkwiese sind die , wo begraben wird . Von dem richtigen Gefühl ausgehend , daß Leben und Tod Geschwister sind , die sich nicht ängstlich meiden sollen , hat man hier die Spiel- und Begräbnisplätze dicht nebeneinander gelegt , und dieselben Blumen blühen über beide hin . Aber der Tod , so gemütlich er mit dem Leben zu leben weiß , hat doch innerhalb seiner eignen Gebiete nicht ganz