Tag fortdauerte . Leser , fordere keinen genauen Bericht von jenem Tage : wie vorher suchte ich Arbeit ; wie vorher wurde ich zurückgewiesen ; wie vorher hungerte ich : nur einmal kam Speise über meine Lippen . Vor der Thür einer Hütte sah ich ein kleines Mädchen im Begriff , eine Schüssel mit kalter Suppe in einen Schweinetrog zu schütten . " Willst Du mir das geben ? " fragte ich . Sie starrte mich an . " Mutter ! " rief sie ; " da ist ein Frauenzimmer , welches will , daß ich ihr diese Suppe geben soll . " " Gut , Kind , " erwiderte eine Stimme von innen , " gib sie ihr , wenn sie eine Bettlerin ist . Das Schwein bedarf dessen nicht . " Das Mädchen leerte die geronnene Speise in meine Hand und ich verschlang sie begierig . Als es dunkler wurde , blieb ich auf einem einsamen Reitwege stehen , auf dem ich länger als eine Stunde fortgegangen war . " Meine Kraft entweicht gänzlich , " sagte ich bei mir selber . Ich fühle , ich kann nicht weiter gehen . Soll ich diese Nacht wieder eine Ausgestoßene sein ? Muß ich denn , während es so regnet , meinen Kopf auf den kalten , nassen Boden legen ? Ich fürchte , ich kann nicht anders , denn wer sollte mich aufnehmen ? Aber es wird sehr schrecklich sein mit diesem Gefühl des Hungers , dieser Schwäche , diesem Frost und diesem Bewußtsein der Verlassenheit — dieser gänzlichen Vernichtung der Hoffnung . Aller Wahrscheinlichkeit nach muß ich vor dem nächsten Morgen sterben . Und warum kann ich nicht mit dieser Aussicht auf den Tod mich aussöhnen ? Warum kämpfe ich , ein werthloses Leben zu behalten ? Weil ich weiß oder glaube , daß Rochester noch lebt : und dann ist der Tod aus Mangel und Kälte ein Schicksal , dem die Natur sich nicht leidend unterwerfen kann . O Vorsehung ! erhalte mich noch ein wenig länger ! Hilf mir ! — leite mich ! " Mein trübes Auge wanderte über die düstere und neblige Landschaft dahin . Ich sah , daß ich mich weit von dem Dorfe entfernt hatte : es war nicht mehr zu sehen . Selbst die Cultur , die mich sonst umgeben hatte , war verschwunden . Ich hatte mich auf Kreuzwegen und Fußsteigen wieder dem Moor genähert und jetzt lagen nur noch wenige Felder , die fast eben so wild und unfruchtbar waren , wie das Moorland , dem man sie mit Mühe abgewonnen , zwischen mir und den düsteren Hügeln . " Nun , ich möchte lieber dort sterben , als auf einer Straße oder auf einem häufig besuchten Wege , " dachte ich bei mir selbst . " Und viel besser ist es , wenn Krähen und Raben — wenn es Raben in dieser Gegend gibt — das Fleisch von meinen Gebeinen picken , als daß sie in einen von dem Armenhause bezahlten Sarg eingeschlossen werden und in dem Grabe eines Armen vermodern . " Ich kehrte also zu dem Hügel zurück . Ich erreichte ihn . Es fehlte nur noch , eine Vertiefung zu finden , wo ich mich niederlegen konnte , um mich wenigstens verborgen , wenn auch nicht sicher zu fühlen : aber die ganze Oberfläche der Einöde schien eben zu sein . Sie zeigte keine Veränderung , als nur in der Farbe : sie war grün , wo Moos und Binsen sich verbreitet hatten ; schwarz , wo der trockene Boden nur Haidekraut trug . So dunkel es auch schon war , konnte ich doch noch diese Veränderungen bemerken , obgleich sie nur als Wechsel von Licht und Schatten erschienen , denn die Farbe war mit dem Tageslicht verschwunden . Mein Auge schweifte noch über die düsteren Erhöhungen und die Fläche des Moors dahin , welches unter der wildesten Scene verschwand , als sich an einer dunkeln Stelle zwischen den Hügeln ein Licht zeigte . " Das ist ein Irrlicht , " war mein erster Gedanke und ich erwartete , daß es bald verschwinden werde . Aber es brannte ruhig weiter , ohne vor- oder zurückzugehen . " Dann ist es ein Freudenfeuer , welches man eben angezündet , " dachte ich . Ich beobachtete , ob es sich ausbreiten werde : aber nein . So wie es nicht abnahm , nahm es auch nicht zu . " Es wird ein Licht in einem Hause sein , " meinte ich ; " aber wenn das auch wäre , könnte ich es doch nimmer erreichen . Es ist zu weit entfernt : und wäre es nur einen Schritt von hier , was würde es helfen ? Ich würde nur an die Thür klopfen , um sie mir vor der Nase wieder zugeschlagen zu sehen . Und ich sank nieder , wo ich stand , und verbarg mein Gesicht am Boden . Ich lag eine Weile still , der Nachtwind fuhr über den Hügel und über mich dahin und erstarb seufzend in der Ferne ; ein dichter Regen fiel und durchnäßte mich wieder bis auf die Haut . Hätte ich nur bis zu den stillen Frost — bis zu der freundlichen Betäubung des Todes erstarren können , so hätte es fortregnen mögen : ich würde es nicht gefühlt haben ; aber mein noch lebendes Fleisch schauerte bei dem erkältenden Einfluß . Ich stand bald auf . Das Licht war noch da und schimmerte matt , aber ohne zu wanken , durch den Regen . Ich versuchte wieder weiter zu gehen : ich schleppte meine erschöpften Glieder langsam auf dasselbe zu . Es führte mich über die Seite des Hügels hin durch einen weiten Sumpf , der im Winter unzugänglich gewesen wäre und selbst jetzt in der Mitte des Sommers schlüpfrig und schwanken : war . Hier fiel ich zweimal nieder , stand aber eben so oft auf und sammelte meine Kräfte . Dieses Licht war meine verlorene Hoffnung