saust . Ich faßte seine geballte Hand ; löste die zuckenden Finger und sagte sanft und beruhigend : » Setzen Sie sich . Ich will mit Ihnen reden so lange Sie wollen ; ich will alles anhören , was Sie zu sagen haben , ob es nun vernünftig oder unvernünftig ist . « Er setzte sich , aber er kam noch nicht gleich zum Reden . Ich hatte schon lange mit den Thränen gekämpft . Wohl hatte ich mir die größte Mühe gegeben , sie zu unterdrücken , weil ich wußte , daß er mich nicht weinen sehen mochte . Jetzt indessen hielt ich es für besser , ihnen freien Lauf zu lassen so lange sie wollten . Wenn diese Thränenflut ihn bekümmerte – desto besser . Ich gab ihnen also nach und weinte bitterlich . Bald hörte ich , wie er mich ernstlich bat , mich zu fassen . Ich entgegnete , daß ich es nicht könne , so lange er so zornig sei . » Aber ich bin nicht zornig , Jane . Ich liebe dich nur zu sehr – das ist alles . Und du hattest dein kleines , blasses Gesicht mit einem so kalten , entschlossenen Blick gestählt , daß ich es nicht ertragen konnte . Sei jetzt still und trockne deine Augen . « Seine weiche Stimme verkündete mir , daß er besiegt sei ; daher wurde auch ich nun ruhig . Jetzt machte er den Versuch , seinen Kopf an meine Schulter zu lehnen , aber ich wollte es nicht erlauben . Dann wollte er mich an sich ziehen – auch das gestattete ich nicht . » Jane ! Jane ! « sagte er mit einem Ausdruck so bitterer Traurigkeit , daß jeder Nerv in mir erbebte . » Liebst du mich denn nicht mehr ? Es war also nur meine Stellung , der Rang meiner Gattin , den du schätztest und anstrebtest ? Jetzt , wo du mich nicht mehr für geeignet hältst , dein Gatte zu werden , zuckst du unter meiner Berührung zusammen , als sei ich eine Kröte oder ein Affe . « Diese Worte schnitten mir ins Herz . Aber was konnte ich thun ? Wahrscheinlich hätte ich gar nichts sagen oder thun müssen , aber die Gewissensbisse darüber , daß ich sein Gefühl auf diese Weise verletzen mußte , quälten mich derartig , daß ich dem Verlangen , heilenden Balsam zu spenden , wo ich verwundet hatte , nicht widerstehen konnte . » Ich liebe Sie , « sagte ich , » mehr denn je . Aber ich darf diese Empfindung nicht mehr zeigen , mich ihr nicht mehr hingeben . Und dies ist auch das letzte Mal , daß ich ihr Worte verleihe . « » Das letzte Mal , Jane ! Was ! glaubst du , daß du mich täglich sehen und neben mir leben kannst und doch , wenn du mich noch liebst , kalt und fremd zu bleiben vermagst ? « » Nein , Sir , ich weiß bestimmt , daß ich es nicht könnte . Und deshalb sehe ich nur einen einzigen Ausweg . Aber Sie werden wieder in Zorn geraten , wenn ich ihn nenne . « » O , nenne ihn nur ! Wenn ich tobe und wüte , besitzest du die Kunst des Weinens . « » Mr. Rochester – ich muß Sie verlassen . « » Auf wie lange , Jane ? Für einige Minuten während du dein Haar ordnest , das etwas in Unordnung gekommen ist . Oder um dein Gesicht zu kühlen , das fieberhaft glüht ? « » Ich muß Adele und Thornfield verlassen . Ich muß mich von Ihnen für das ganze Leben trennen ! Ich muß ein neues Dasein unter fremdem Himmel , zwischen fremden Gesichtern beginnen . « » Gewiß . Ich sagte dir ja schon , daß du es sollest . Den wahnsinnigen Gedanken , dich von mir trennen zu wollen , berühre ich nicht weiter . Du meinst , daß du ein Teil von mir werden mußt . Was das neue Dasein betrifft , so hast du recht . Du mußt dennoch mein Weib werden : ich bin nicht verheiratet . Du sollst Mrs. Rochester werden , sowohl dem Namen nach wie in der That . Ich werde zu dir halten so lange du und ich leben . Du wirst auf ein Besitztum gehen , das ich im südlichen Frankreich besitze , eine freundliche weiße Villa an dem Ufer des mittelländischen Meeres . Dort sollst du ein glückliches , beschütztes , unschuldiges Leben führen . Fürchte nicht , daß ich dich zur Sünde verleiten könnte – daß ich dich nur zu meiner Geliebten machen will ! Weshalb schüttelst du den Kopf ? Jane , du mußt Vernunft annehmen , oder wahrhaftig – die Wut faßt mich von neuem . « Seine Stimme und seine Hand bebten ; seine Augen funkelten ; und dennoch wagte ich zu sprechen : » Sir , Ihre Gattin lebt ; das ist ein Faktum , welches Sie heute morgen selbst zugestanden haben . Wenn ich bei Ihnen lebte , wie Sie es wünschen , so würde ich nur Ihre Geliebte sein – etwas anderes zu sagen ist sophistisch – ist falsch . « » Jane , ich bin kein sanftmütiger Mensch – das vergißt du . Ich bin nicht von großer Geduld . Ich bin nicht kalt und leidenschaftlos . Aus Mitleid für mich und dich selbst , lege deine Hand auf meinen Puls , fühle , wie er klopft und – hüte dich ! « Er schob den Ärmel vom Handgelenk zurück und hielt es mir hin , aus seinem Gefühl und seinen Lippen war alles Blut gewichen , er war aschfarben . Ich fühlte mich unsagbar elend . Es war grausam , ihn durch einen Widerstand , den er so verabscheute , ferner zu reizen . Ihm nachgeben – das war ebenfalls außer Frage . Ich that , was jeder Mensch instinktiv thut ,