diesem Menschen zürnen ? Hundertmal befahl ich ihm , als Meister für mich zu lügen . Jetzt lügt er als Meister wider mich . Sancta justitia ! « » Ach , gnädigster Herr ! Wollt Ihr meinen ehrlichen Worten nicht glauben « , flötete Nachtigall , » so laßt meinen blutigen Schädel für meine Unschuld reden ! Den hab ich den wütigen Bauren geduldig hingehalten , daß sie mir nit das Lautenspiel beschädigen . Schauet , Herr ! Mein Spiel hab ich mitgenommen . Weil ich doch als Halbgenesener hergeritten bin , um meinem Herren für müde Lagerstunden eine Kurzweil zu bringen , wie er sie lieb hat ! « Bei diesem Beweise , der sieghaft hätte werden können , vergriff sich Meister Nachtigall im Ton . Und Herzog Ludwig packte die verbeulte Laute , riß sie vom Band und schlug sie dem Musikanten von rechts und links um die Ohren , daß die Saiten kreischten und der hohle Holzbauch in Scherben ging . Den Halsstumpf mit den geringelten Stahlfäden schleuderte er gegen die Zeltwand . Bei dieser Gewalttätigkeit schien sein wühlender Zorn sich völlig entladen zu haben . » Peter ! « sagte er ruhig . » Bei allem hast du noch Glück ! War ich die kluge Laus von Burghausen , so ließe ich dich jetzt auf die spanische Bank legen , bis du redest , was wahr ist . Aber dein Glück erkor dich zu einem Getreuen des dummen Stieres von Ingolstadt . Tausend Stunden Hast du mir schön gemacht . Ich kann dich nicht ermorden um einer einzigen willen , die mir häßlich wird . Geh mir aus den Augen ! Und suche den verschwundenen Laitzinger ! Den auf einem süßen Botenweg die Straßenräuber erschlugen - wie mein zärtlicher Herzkäfer vermutet . « » Glaubt mein geliebter Vater , daß es anders wäre ? « fragte der Bucklige unter aufatmendem Lächeln , während Peter Nachtigall seine blutenden Ohren flink aus dem Zelte hinaustrug . In der blaublinkenden Rüstung trat Herzog Ludwig vor den Prinzen hin . » Was du getan hast , weiß ich nicht . « Aus seinen Augen sprach eine schwere Trauer . » Ich weiß nur , es war ein schlechtes Ding . Und ich spüre , daß mir die Münchener Vettern , noch ehe die Schlacht begann , einen mörderischen Streich versetzten . « Er preßte die zitternden Fäuste auf den Panzer . » Verraten werden ? Das ist , seit Jesus sterben mußte , kein allzu hartes Ding . Man sollt es nur nicht erfahren . Das ist das Harte . « Auch Hauptmann Wessenacker war wieder in den Stahlmuscheln seiner mit Dullen besäten Rüstung . Er sagte ernst : » Herr ! Um der Ehre Eures fürstlichen Sohnes willen hättet Ihr den Nachtigall nicht so barmherzig entlassen dürfen . « Da knirschte der Herzog : » Ich hab ' s getan , weil ein meineidiger Knecht nicht zeugen soll wider meinen einzigen Sohn und Erben . « » Dein einziger Erbe ? Ja , Vater ! « Prinz Ludwig richtete sich auf . » Dein einziger Sohn ? Stimmt das ? « In den Augen des buckeligen Knaben war ein kalter und böser Blick . » Da du immer von anderen die Wahrheit willst , solltest auch du bei der Wahrheit bleiben . « Der Herzog lachte . » Du ? Bist du mein Blut ? Oder bist du der Sohn eines Kochs ? « Er faßte den Wessenacker am Arm und zog ihn vor den Prinzen hin . » Sieh dieses verbogene Geschöpf an ! Das nur mein Erbe sein will . Und sag mir , ob es denkbar ist , daß mich der da verraten hat ? « Er atmete schwer . » Wenn ' s nicht Wahrheit wäre , daß die Salzacher Laus daheim in ihrem Pelze sitzt und durch den Zollern um Frieden bettelt , so müßte ich glauben - - « Herr Ludwig biß die Zähne übereinander . » Nein ! Ich mag ' s nicht sagen . Wer einen schlechten Gedanken ausspeit , macht die Welt unsauber . « Er stülpte den Helm über die Kettenhaube . » Komm , Wessenacker ! Kampf ist ein Wille Gottes . Sonst hätte der Himmlische die Menschen ohne Falsch erschaffen . « Ruhig sagte er zu seinem Sohne : » Gott allein soll zeugen für oder wider dich . Mit meinen Einrössern stell ich dich in die erste Reihe des Treffens . Da soll sich erweisen , ob du schuldlos bist . Wie Gott dich zeigt in dieser Schlacht , so stell ich dich morgen zu München vor deine Richter , die ich aus Heer und Volk berufe . « Lächelnd sagte Ludwig Höckerlein : » Dann bin ich morgen ein Gereinigter . « Ohne zu antworten , ging der Herzog aus dem Zelte . Wolfl Graumann trug ihm das schwere Schwert und die mit Stahl geplatteten Handschuhe nach . Der Prinz guckte den Medikus an . » Ich bin gesund . Um meintwillen brauchst du nicht zu bleiben . « Er rief mit scharfer Stimme zwei Namen . Während der Medikus davonging , kamen aus der Zeltkammer zwei Diener gesprungen , ein junger und ein alter . Erschrocken sahen sie , wie Prinz Ludwig den Deckel der Truhe öffnete , den kleinen Lederbeutel mit des Herzogs Majestätssiegel herausnahm und unter dem Brüstling des höckerigen Panzers verwahrte . Der Alte flüsterte zitternd : » Herr ! Ihr rennet in Euer Verderben ! Laßt Euch raten , schauet mein weißes Haar an , Alter macht das Gehirn hellsichtig . « » Aber die Lenden schlaff und das Feuchte in der Nase trocken . Die Kräfte fallen aus , aber in den Ohren wachsen die Haare . « Ludwig Höckerlein war heiter . » So seh ich es an meinem Vater und an dir . Drückt dich dein Gewissen , so beichte morgen . Heut ist Arbeitstag . Sobald die letzte Dummheit meines Vaters da draußen anfängt , schafft