fragte er zu mir herauf . » Gut , sagte Schakara , « antwortete ich . » So darf ich ruhig nach der Halle gehen ? « » Ganz unbesorgt . Widme dich deinen Pflichten und deinen Gästen . An mich soll man nicht denken , doch grüße den Mir Alai von mir ! « Hierauf sah ich Schakara nach der Weide gehen . Sie fütterte den Syrr und dann auch den Assil Ben Rih , nachdem sie ihm das Reitzeug abgenommen hatte . Einige Zeit später erschienen vier fremde Reiter auf dem Hofe , welche nach dem Ustad fragten . Sie waren Dinarun , wie ich nachher erfuhr . Ihr Scheik Ben Hidr91 befand sich selbst dabei . Sie waren unten im Duar von dem Pedehr als vermutliche Feinde sehr kurz behandelt und herauf an den Ustad gewiesen worden . Darum stiegen sie gar nicht ab , als dieser aus der Halle trat , und Ben Hidr rief ihm in beinahe verletzender Weise die Meldung zu , daß sie gekommen seien , ihre Teilnahme am Wettrennen anzusagen , weiter nichts ! Jeder Andere als der Ustad hätte sie nun in ganz derselben Weise sofort entlassen . Dieser aber war menschenfreundlich und klug genug , sich zu beherrschen . Er ging auf sie zu , reichte ihnen die Hand und lud sie ein , mit hinauf in seine Wohnung zu kommen . Das überraschte sie . Sie sahen einander fragend an und sprangen dann doch von ihren Pferden , um ihm zu folgen . Sie waren wohl zwei Stunden lang bei ihm in seinem Zimmer . Auf den Balkon führte er sie nicht , weil sie Syrr nicht sehen sollten . Ich hatte mich inzwischen wieder niedergelegt und hörte ihre Stimmen unter mir , konnte aber nicht verstehen , was gesprochen wurde . Als sie sich entfernt hatten , kam er herauf zu mir und sagte mir , wer diese Leute gewesen seien und was er mit ihnen verhandelt habe . » Das sind die sogenannten Klugen , « fügte er hinzu . » Sie lächeln nach beiden Seiten und sagen einstweilen zu Allem Ja , um abzuwarten , nach welcher Seite sich der Zeiger neigen werde . Dann aber sind sie die Schlimmsten , die Unerbittlichsten , die keine Schonung kennen . Ich bin überzeugt , daß sie unsern Feinden ihre Hilfe zugesagt haben , und daß sie aber dennoch heut zu uns kamen , um nachzuschauen , ob es nicht vielleicht doch geraten sei , sich den Weg zum Rückzuge offen zu halten . Ich habe sie bedient , wie man so unsichere Kantonisten zu bedienen hat : Kein Wort zu wenig , aber auch keins zu viel . Sie werden sich zum Rennen einstellen ; ob sie sich aber dann auch beteiligen , steht noch in Frage . Erst waren sie zornig über den Empfang , den sie im Duar gefunden hatten ; dann wurden sie immer freundlicher und zutraulicher , um von mir so viel wie möglich zu erfahren , was ihnen aber natürlich nicht gelang , und zuletzt bot mir Ben Hidr die Hilfe seines ganzen Stammes an , die ich aber sehr höflich ablehnte , weil ich an die Feinde , von denen er gesprochen habe , unmöglich glauben könne . Noch am Schlusse behauptete ich mit aller Bestimmtheit , daß es ganz gewiß keinen einzigen Menschen gebe , der die Absicht habe , uns hier zu belästigen oder gar zu überfallen . So sind sie also in der festen Ueberzeugung fortgeritten , daß wir von der Gefahr , die sich in diesen Tagen um uns zusammenziehen soll , nicht das Geringste ahnen . Aber ich habe ihnen die goldene Karte des Schah-in-Schah gezeigt und sie dann noch viel Wichtigeres ahnen lassen . Nun haben sie Angst ! « Wir unterhielten uns noch einige Zeit , besonders über Assil Ben Rih , für den er ganz begeistert war . Dann kam Schakara , um mir die Grüße des Mir Alai zu bringen . Er ließ mir sagen , er sehe nun ein , daß es nichts Herrlicheres gebe als so einen Glauben und so ein unerschütterliches Gottvertrauen , dem nichts auf Erden widerstehen könne . Sehr erfreulich war es mir , daß der Ustad sich über mein Befinden höchst befriedigend äußerte , doch behauptete er , mich erst Freitag , also übermorgen , aus seiner Behandlung entlassen zu können . Ich hatte mich zu fügen und tat es gern . Als es dunkel werden wollte , nahm ich mein Abendessen ein und sank dann dem auch in Kurdistan und Persien sehr wohlbekannten Morpheus in die Arme . Er hielt mich möglichst fest , konnte es aber doch nicht verhindern , daß ich , grad wie gestern , in der Nacht einmal für kurze Zeit erwachte . Das geschah auf eine ganz eigentümliche Weise . Ich träumte nämlich nicht , und doch war es , als flüstere mir Jemand leise in das Ohr , aber nicht in das äußere , sondern in das innere : » Wache auf ! Ich komme nur für einige Augenblicke wieder , um dir Etwas zu zeigen , worüber du dich herzlich freuen wirst ! « Das hörte ich ganz deutlich . Da schlug ich die Augen auf . Die Sterne leuchteten hell . Ich schaute hinüber , wo Schakara gesessen hatte . Da kniete Einer im Gebete . Er hatte die gefalteten Hände auf die Ballustrade gelegt und das Gesicht emporgehoben . Ich erkannte ihn . Ich sah sogar , daß er die Lippen bewegte . Es war der Aschyk . Ich wußte genau , daß ich wach sei , und doch hörte ich die leise Stimme in meinem Ohre weitersprechen : » Er betet für dich ! Das ist der beste Dank , den wir in Euerm Erdenleben kennen . Schlaf wieder ein ! « Weiter vernahm ich nichts . Die Lider wurden mir plötzlich so schwer , daß sie niedersanken . Dann wußte ich nichts mehr ,