, deren Duft süß wie die Liebe und erquickend wie die Freundschaft ist , und zwischen ihnen große , dunkelrote Fritillarien-Glocken . Wie ist der Schöpfer dieser Blumenwelt so gütig und so lieb ! Kann er derselbe sein , der auch die Menschenwelt erschuf ? Oder ist die Blume nur deshalb ohne Sünde , weil es ihr , der nur sich Hingebenden , unmöglich ist , sich einen Unterschied zwischen Für und Gegen , zwischen Mein und Dein zu konstruieren ? Könnte doch der Mensch so wie die Blume sein ! Wie hatte vorhin der Ustad gesagt , indem er mir die Rose gab ? War denn er so unendlich glücklich , in der Selbstüberwindung so weit gekommen zu sein , daß er kein eigenes Ich mehr kannte ? Es stieg in mir das heiße Wünschen auf , doch einmal so sehr , so schwer , so bitter , so tief gekränkt zu werden , daß jeder , jeder Andere es nicht erdulden und nicht ertragen könnte . Ich aber möchte dann die Selbstlosigkeit und das unerschütterliche , beglückende Gottvertrauen besitzen , alles still und heiter über mich ergehen zu lassen , als ob der Menschenhaß nur der naturnotwendige Schatten der Liebe Gottes sei . Die Sillan , diese Schatten , ruhig in den Ruinen Babels nach alten Ziegeln und Schriften , nach modernden Beweisen menschlicher Schwächen wühlen lassen , indem ich hier vom lieben , rosenduftumwobenen Beit-y-Chodeh hinauf zum herrlichen Alabasterzelte schaue und von unten herauf die Felsenstimme ertönt : » Steig auf zur Sonne . Amen ! « Nach einiger Zeit stand ich wieder auf , um nach dem Tempel zurückzukehren . Ich ging nach der hintern Seite desselben und begegnete auf dem Wege dorthin vielen Frauen und Kindern , von denen einige mir sagten , daß ich von Tifl gesucht werde . Ich traf ihn schließlich selbst . Er war überall nach mir herumgelaufen , ohne mich zu finden . » Effendi , du wirst gebraucht , « rief er mir zu , noch ehe er mich erreicht hatte . » Von wem ? Wozu ? « erkundigte ich mich . » Von dem Bluträcher . Er sagte , er habe mit dir zu sprechen . « » Aber ich nicht mit ihm . Ich bin mit ihm fertig . Wo ist er ? « » Sie lagern oben am Waldesrande . Sie haben unseren Pedehr gebeten , dem Feste zuschauen zu dürfen . « » Was ? Wirklich ? Das wäre ja ein Sieg für uns ! « » So sagte auch der Pedehr . Ein Sieg , den wir dir verdanken . Er läßt dich bitten , den Bluträcher ja nicht abzuweisen , denn es sei höchst wahrscheinlich wirklich wichtig , was er dir zu sagen habe . « » So komm ! « Als wir den Tempelbau erreichten , bemerkte ich zunächst , daß er nicht mehr von den Männern besetzt war . Sie hatten sich wieder zu ihren Angehörigen in den Park zurückgezogen . Das war ein Zeichen , daß die Feindseligkeit , wenigstens für einstweilen , zu ruhen hatte . Wir traten hinten , da , wo die Pferde die Rosen niedergestampft hatten , hinaus auf die Matte . Da sah ich die Perser im Schatten der ersten Waldbäume sitzen . Der Multasim bemerkte mich , stand auf und kam herab ; ich ging ihm langsam entgegen . Sein Gesicht war sehr ernst , doch nicht feindselig . In seinen Augen lag aber etwas Lauerndes . Wir standen nun vor einander . » Ich schickte nach dir , « sagte er . » Ich erfuhr es , « antwortete ich . » Du hast uns in unserem Thun gestört . Ich habe nachgegeben . Nun möchte ich wissen , ob ich recht gethan habe . Ich kenne euch . Woher , das wirst du wissen ; wenn nicht , so kannst du es ahnen . Deine Vorsicht geht oft über alle List . Aber eine Lüge machst du nie . Ist das so ? « » Ja . « » Wirst du jetzt lügen ? « » Nein . Warum fragst du das ? « » Weil ich die Wahrheit von dir wissen will . « » Wenn ich überhaupt spreche , so wirst du nichts anderes von mir hören als nur sie . « » Auch wenn es dein größter Schade wäre ? Wenn es dein Leben kosten könnte ? « » Auch dann ! « Es war ein ganz eigenartiger Blick , mit dem er mich nun musterte . Lachte er innerlich mich aus ? Oder zitterte irgend eine gute Saite seiner Seele ? » Ich glaube es , « nickte er . Dann fuhr er fort : » Ich will wissen , ob du ein Freund oder ein Feind von mir bist . Sage es ! « » Ich bin keines Menschen Feind . Ich hasse keinen bösen Menschen ; aber das Böse in ihm kann ich nicht lieben . « » Das will ich nicht wissen . Warst du vorhin gegen mich wahr oder listig ? « » Beides , wahr und listig . « » Hast du einen Gruß an mich ? « » Ja . Aber er wurde nicht mir , sondern einem anderen anvertraut . Ich erfuhr zufällig von ihm . « Das war keine Lüge , denn ich hatte einen Brief , und ein Brief enthält doch wohl noch mehr als bloß einen Gruß . » So hast du dich zwischen mich und Asara el Awar eingedrängt ? « » Ja . « » Weiß er davon ? « » Das verrate ich nicht . Er mag es dir selbst sagen . « » Was weißt du alles von ihm und mir ? « » Hierüber schweige ich . « » Bist du unser Verbündeter ? « » Nein . « » Also unser Gegner ? Ein Drittes giebt es nicht . Ich verlange die Wahrheit von dir ! « » Ich sage sie