Katzensprung alle Knochen im Leib durcheinander . « Am anderen Morgen , gegen drei Uhr , weckte Franzl seinen Herrn . - Sechs Tage vergingen . Die Auerhähne , deren Balz schon dem Ende zuneigte , waren für Graf Egge eine erloschene Sache . Nur noch die Adler lebten für ihn . Täglich sah er die beiden Alten beim Aus- und Einflug , studierte ihre Gewohnheiten und ermittelte den Platz , von dem der Schuß am sichersten gelingen mußte . Fallen durften die zwei Adler erst an dem Tag , bevor man die Leitern brachte . Wären die Alten auf der Strecke , und ginge das Ausnehmen nicht glatt vonstatten , so würden die Jungen vor Hunger eingehen , ehe Graf Egge sie am Kragen fassen und aus dem Horst herauslupfen konnte . Von diesem vierzehnstündigen Sitzen und Lauern , Tag für Tag , waren Graf Egges Kräfte und Glieder so zerrieben , daß er gegen Abend des sechsten Tages die Hütte kaum noch zu erreichen vermochte . Weil er wußte , daß ihm die fiebernde Erregung keinen Schlummer vergönnen würde , nahm er einen festen Löffel voll Schlafpulver . Und da lag er von fünf Uhr abends an auf dem gleichen Matratzenfleck , unbeweglich wie ein Bleiklumpen . Jetzt kam der große Morgen . Franzl , wieder gegen die dritte Frühstunde , weckte den Grafen und vermochte ihn kaum wach zu bekommen . Endlich gelang es . Und Graf Egge sprang aus dem Bett , als hätte der zehnstündige Schlaf auch die letzte Spur der schweren Ermüdung von seinen Knochen gelöst . Aus seinem ersten Worte sprach schon die brennende Spannung , die der Gedanke an die bevorstehende Jagd in ihm entzündete . Während er das Frühstück hinunterschlang , gab er dem Jäger die Weisung : » Ich bleib allein . Zwei können nicht so ruhig sein wie einer . Daß du mir heut den ganzen Tag nicht in die Nähe der Hangenden Wand kommst ! Laß dich auch sowenig als möglich auf den Almen blicken , damit du mir die Adler nicht vergrämst , wenn sie zustreichen . Geh lieber hinunter in den Wald und sieh nach den Auerhähnen . Wenn sie noch leidlich balzen , hol ' ich mir ein paar , sobald ich den Horst geräumt habe . « Noch am letzten Bissen kauend , hob er den mit Proviant gefüllten Bergsack auf den Rücken , nahm die Büchse und eilte aus der Stube . Für diesen wichtigen Tag war ihm jede nötige Vorsicht so fest ins Blut gegossen , daß er bei aller Hast auch ohne Beule durch die Dippeltür kam . Franzl , der ihm nachsah , seufzte beklommen vor sich hin : » Unser gütiger Herrgott soll ' s geben , daß er s ' kriegt , alle zwei . Sonst macht der Zorn aus ihm an Igel , den man nimmer angreifen kann ! « Die Sterne wollten schon verlöschen , als Franzl die Hütte verließ . Im Laufschritt umkreiste er das weite Almfeld , um vor dem ersten Morgengrauen den tiefer liegenden Bergwald zu erreichen . Auf dem offenen Gehänge hoben sich schon die grauen Steine erkennbar aus dem finsteren Rasen , doch im Walde , zwischen den hohen Fichten , lag noch tiefe Nacht . Ein Käuzl huschte mit klagendem Schrei über die Bäume , in deren schwarzem Schatten Franzl den Weg zu den Balzplätzen suchte . Allmählich begann es im Walde grau zu werden , durch eine Lücke der Bäume schimmerte schon ein lichter Streif des östlichen Himmels , und bald vernahm der Jäger in der Morgenstille den klippenden Balzgesang des ersten Hahnes . Nicht weit davon balzten zwei andere Hähne . Im Bogen umging der Jäger den Platz , um die verliebten Sänger nicht zu stören , und wanderte , bis er bei vollem Erwachen der Morgendämmerung das Herz des Hahnenreviers erreichte . Am Saum einer kleinen Blöße , die mit jungen Lärchen und dichten Heidelbeerbüschen bewachsen war , ließ Franzl sich zu Füßen einer alten Fichte nieder , legte die Büchse über den Schoß und lauschte . Fünf Hähne sangen mit heißem Eifer um ihn her , und in das Quintett dieses seltsamen Minneliedes mischte sich der Schlag und das Gezwitscher der erwachenden Drosseln und Meisen . Mit rosigem Schimmer fiel der Morgen über den Wald , eine ferne Felswand leuchtete wie reines Gold , und farbige Bänder schwammen über den Himmel hin . Bald zuckten , wie brennende Pfeile , die ersten Strahlen der Sonne über die Wipfel , in tausend Tautropfen begann ein blitzendes Gefunkel , und als hätte der erwachende Wald tief aufgeatmet , so strich mit sachtem Hauch der Morgenwind durch die Bäume . Unbeweglich sah Franzl ringsumher , und die wundersame Schönheit dieses Frühlingsmorgens schlich ihm wie ein erquickender Trost in das müde , bedrückte Herz . Ein Gefühl hoffender Lebensfreude erwachte in ihm , er preßte die Fäuste auf die Brust , als würden ihm plötzlich alle Rippen zu eng - und dabei mußte er an Graf Egge denken , der jetzt geduckt und fröstelnd zwischen den feuchten Latschen saß und für nichts anderes Sinn und Auge hatte als für den Horst in der Wand . » Meiner Seel , ich möcht net tauschen ! « Breit flutete ein goldiges Sonnenband über die Blöße und rückte immer weiter , bis es den Jäger erreichte . Mit schwirrendem Flügelschlag fielen drei Auerhennen in das Heidekraut , und immer neue strichen aus dem Wald hervor , als hätte sich hier die ganze Weiblichkeit des Hahnenreviers zum Frühstück Stelldichein gegeben . Der Balzgesang der Hähne , der schon ausgesetzt hatte , begann von neuem . Die Stimmen der jüngeren Hähne wurden übertönt von dem hitzigen Gesang des alten Platzhahnes . Nahe dem Jäger saß er auf einer Buche und gaukelte bei seinem Lied auf dem dürren Aste hin und her . Plötzlich schwang er sich in das Heidekraut und tanzte mit gefächertem Stoß und zitternden Schwingen zwischen den leise glucksenden Hennen seinen Hochzeitsreigen .