sich auch « , rief Erikson , » wo die Staffeleien und Bilder dieses Kunsttempels seien ! Nur Geduld , junger Herr von Strebsam , der Mann zeigt sie uns noch , wenn wir schön bitten ! Aber wahr ist es , lieber Lys , bei Ihnen sieht ' s aus wie im Arbeitszimmer eines großen Publizisten oder eines Ministers ! « Etwas düster lächelnd versetzte der andere , er sei nicht aufgelegt , seine Arbeiten heute noch zu sehen ; schon zum dritten Male müsse der Bursche die Paletten unverrichteterdinge abends wieder absetzen , und unter solchen Umständen sei es wohl verzeihlich , daß er nicht gern ins Atelier hinübergehe , sei es allein oder mit Fremden . Wirklich erteilte er dem Diener , als der mit dem Kaffeebrett erschien , den Auftrag . Brett und Geschirr aber glänzten , mit Ausnahme der chinesischen Tassen , in schwerem Silber und waren in dem nüchternen neugriechischen Stile früherer Jahrzehnte gearbeitet , ein Zeugnis , daß Eltern und Familie des Niederländers von der Erde verschwunden waren und er als allein Übriggebliebener das Erbstück mit sich führte , um einen letzten Schimmer des verlorenen Vaterhauses um sich zu haben . Bei einer späteren Gelegenheit behauptete Erikson vertraulich , Lys bewahre in seinem Schreibtische auch das goldbeschlagene Kirchenbuch seiner Mutter auf . Das braune Getränke war das feinste , was ich in meinen einfachen Verhältnissen bis anhin genossen ; allein das Ungewohnte , ein so kostbares Familiengeräte bei einem fahrenden Künstler in täglichem Gebrauche zu finden , schüchterte mich etwas ein , und als Lys , meine abermals herumschweifenden Blicke bemerkend , mich anredete : » Nun , Herr Lehmann , können Sie sich noch nicht mit dem unmalerischen Anblick meiner Wohnung befreunden ? « reizte mich das Vergessen oder Nichtbeachten meines Namens sowie die Weigerung , seine Arbeiten zu zeigen , zu einem kleinen Ausfalle . Die Art seiner Einrichtung , versetzte ich , werde vielleicht mit einem andern Wesen zusammenhängen , das ich seit einiger Zeit beobachtet habe , nämlich die wunderliche Manier , in welcher die verschiedenen Künste ihre technische Ausdrucksweise vertauschen . So hätte ich kürzlich die Kritik einer Symphonie gelesen , worin nur von der Wärme des Kolorites , Verteilung des Lichtes , von dem tiefen Schlagschatten der Bässe , vom verschwimmenden Horizonte der begleitenden Stimmen , vom durchsichtigen Helldunkel der Mittelpartien , von den gewagten Konturen des Schlußsatzes und dergleichen die Rede sei , so daß man durchaus die Rezension eines Bildes zu lesen glaube ; gleich darauf hätte ich den rhetorischen Vortrag eines Naturforschers , der den tierischen Verdauungsprozeß beschrieb , mit einer gewaltigen Symphonie , ja mit einem Gesange der Göttlichen Komödie vergleichen hören , während an einem andern Tische des öffentlichen Lokales einige Maler die neue historische Komposition des berühmten Akademiedirektors besprochen und von der logischen Anordnung , der schneidenden Sprache , der dialektischen Auseinanderhaltung der begrifflichen Gegensätze , der polemischen Technik bei einem dennoch harmonischen Ausklingen der Skepsis in der bejahenden Tendenz des Gesamttones zu reden gewußt hätten , kurz , es scheine keiner Zunft mehr wohl in ihrer Haut zu sein und jede im Habitus der andern einherziehen zu wollen . Wahrscheinlich handle es sich um das Ermitteln und Feststellen eines neuen Inhaltes für sämtliche Wissenschaften und Künste , wobei man sich beeilen müsse , nicht zu kurz zu kommen . » Ich sehe schon « , rief Lys mit Lachen , » wir müssen doch noch hinübergehen , damit Sie sehen , daß wir wenigstens noch mit Farben malen ! « Er ging voran und öffnete die Türe zu einer Reihe von Räumen , in welchen je eines seiner Bilder , an denen er arbeitete , ganz allein und in der besten Beleuchtung aufgestellt war , so daß der Blick durch nichts anderes abgezogen und zerstreut wurde . Die spätere Nachmittagssonne , die auf den Wolken draußen , auf der weiten Landschaft und den tempelartigen Gebäuden lag , ließ die an sich schon leuchtenden Bilder durch ihren hereinfallenden Reflex noch verklärter erscheinen , so daß sie in der Stille des Raumes einen seltsam feierlichen Eindruck machten . Das erste war ein Salomo mit der Königin von Saba , ein Mann von eigentümlicher Schönheit , der sowohl das Hohelied gedichtet als geschrieben haben mußte Alles ist eitel unter der Sonne ! Die Königin war als Weib , was er als Mann , und beide , in reiche Gewänder gehüllt , saßen allein und einsam sich gegenüber und schienen , die glühenden Augen eines auf das andere geheftet , in heißem , fast feindlichem Wortspiele sich das Rätsel ihres Wesens , der Weisheit und des Glückes herauslocken zu wollen . Das Merkwürdige dabei war , daß der schöne König in seinen Gesichtszügen ein verschönter und idealisierter Lys zu sein schien . Im Zimmer war sonst nichts als eine flache blankgeputzte Messingschüssel von alter Arbeit mit einigen Orangen , die zufällig auf einem Ecktischchen stehen mochte . Die Figuren des Bildes waren von halber Lebensgröße . Das Bild im nächsten Raume stellte Hamlet den Dänen dar , aber nicht nach einer Szene des Trauerspieles , sondern als das von einem guten Künstler gemalte Bildnis gedacht , als das Porträt des in seine Staatsgewänder gekleideten , noch ganz jungen und blühenden Prinzen , um dessen Stirn , Augen und Mund jedoch schon das verschleierte Schicksal der Zukunft schwebte . Dieser Hamlet erinnerte ebenfalls an den Maler selbst , aber mit so großer Kunst verhüllt , daß man nicht wußte , woran es lag . In einer Ecke des Zimmers lehnte ein Schwert mit reich in Stahl und Silber gearbeitetem Korbe , welches offenbar zum Modell gedient hatte oder noch diente . Dieser vereinzelte Gegenstand erhöhte noch den Eindruck der Einsamkeit und sanften Trauer , der von des Bildes stillem Leuchten ausströmte . Im übrigen hatte das Kniestück die volle Lebensgröße . Von diesem Raume ging es endlich in den letzten hinüber , der schon ein Saal zu nennen war . Gleich den übrigen Bildern bereits