, um , wie sie das sonst gethan , die Hand der Gutsherrin zu küssen . Aber jenes siegreiche Lächeln war Angelika nicht entgangen ; sie zog die Hand zurück , und mit einer Härte und Bitterkeit , die Niemand je von ihr gehört hatte , sagte sie : Laß ' Sie es gut sein , ich kann die Heuchelei nicht leiden und ich kann Ihr nicht helfen ! Der Zorn der Baronin zeigte dem jungen Mädchen , wie mit hellem Lichte , sein ganzes Glück in vollem Glanze , und mit dem Worte schnell wie immer bei der Hand , während sie sich auch von Eifersucht ergriffen fühlte , entgegnete sie , der unverdienten Abweisung mit Freuden trotzend : Ich verlangte ja nichts , ich habe ja Alles , was ich wünsche , gnädige Frau ! Unverschämte ! stieß die Baronin hervor und wendete ihr , bebend vor Zorn , den Rücken . Niemand hatte die Worte gehört , welche die Baronin mit der Schwester ihres Amtmanns gewechselt , aber der Zorn der Ersteren , das Siegesgefühl in den strahlenden Augen der Letzteren blieben nicht unbemerkt , und die Herzogin sowohl als der Freiherr und Adam wußten sich den Vorgang zu erklären , der , wie verschieden die Lebenslage der beiden Frauen auch war , hier das Weib dem Weibe in seiner natürlichen Leidenschaft gegenüber gestellt hatte . Es war der erste Neujahrsmorgen , an dem es dem Freiherrn und seiner Gattin nicht wohl in ihrem Hause wurde , nicht frei unter ihren Leuten zu Muthe war , und an dem sie in den Mienen ihrer Umgebung spähten , weil sie nicht mehr die alte , unbedingte Sicherheit besaßen , nur auf Liebe und auf freie , verehrende Ergebenheit zu stoßen . Dem Baron war die Nähe des Amtmanns , der sich schon als eigner Herr fühlte , lästig , und die brieflichen Mittheilungen des Juweliers lagen ihm schwer im Sinne ; Angelika fand sich durch Eva ' s Anwesenheit beleidigt , und erniedrigt durch das Bewußtsein , sich vor ihr verrathen , sich ihr gleichgestellt zu haben , während beiden Gatten die unverkennbar neugierige Aufmerksamkeit ihrer Dienerschaft eben so wie die ängstliche Zurückhaltung des Pfarrers und der übrigen Beamten auffiel . Die Leute wagten sich nicht wie sonst heran , sie sprachen ihre Wünsche nicht so herzlich und offen wie früher aus , und der Pfarrer hatte nicht mehr seine altgewohnte Anrede vernehmen lassen , daß Alles hier zu Lande bleiben möge , wie es bisher gewesen , weil es so am besten sei . Er und die Pfarrerin blickten immer nur ängstlich nach dem Amtmanne und nach dessen Schwester ; auch die Wirthschafter und der Justitiarius hielten sich zu den Steinerts , so gut sie konnten . Die Amtskinder , wie man Adam und Eva in ihrer Jugend genannt hatte , waren der Gegenstand der allgemeinen Theilnahme ; auf die Herrschaften sah man in der Besorgniß , was sie den Steinerts thun würden , was es mit diesen geben könne , und selbst aus den Worten der ergebenen Gratulation glaubte der Freiherr einen Vorwurf gegen sich und ein Mißtrauen in die Zusicherung des Wohlwollens und der Geneigtheit herauszuhören , welche er , nach alter Sitte und Gewohnheit , den im Dienste Befindlichen und Verbleibenden versprach . Was half diese Zusage des Freiherrn ihnen auch im Grunde ? Man wußte nicht , wer an Adam ' s Stelle kommen würde , und das Wohlbehagen und Wohlergehen jedes Einzelnen hing vor Allem von dem guten Willen und der Rechtschaffenheit des Amtmanns ab . Was man an den Steinerts gehabt hatte , das war Jedermann bekannt ; was kommen konnte , war nicht zu berechnen , und das versicherten die Verwalter und Wirthschafter jetzt Jedem , der es hören wollte , wie sie es sich unter einander längst gesagt hatten : wenn jetzt nicht ein eben so tüchtiger und rechtschaffener Amtmann in die Herrschaft käme , wie Adam Steinert es gewesen , so wäre kein Durchhalten möglich , und man würde etwas erleben , auch wenn sie selber , wie bisher , gewissenhaft das Ihrige thäten . Das Mißtrauen , die Unzufriedenheit , der Zweifel schwebten wie eine ansteckende Krankheit in der Luft . Niemand sah sie , Jeder fühlte sich von ihrem beängstigenden Hauche ergriffen , und wie lustig lodernd die Feuer in dem Saale auch brannten und wie hell die Sonne auch die lange Reihe der Ahnenbilder beleuchtete , es wurde Niemandem wohl bei diesem Neujahrs-Frühstücke ; selbst Renatus machte die Bemerkung , daß die Großeltern und die Urgroßeltern auf den Bildern , wenn die Sonne so darauf scheine , ganz verdrießlich auf die Menschen niederblickten . Der Wein schmeckte heute den Leuten lange nicht so gut als sonst , und die Pfarrerin fand , daß die Kuchen , welche Eva zum Feste in die Pfarre gesandt hatte , weit besser wären , als die im Schlosse aufgetragenen . Ihr Mann bemerkte , daß der Herr Caplan gealtert , sehr gealtert habe , daß auch der Freiherr , obschon er stärker werde , nicht mehr so gut aussehe , als noch vor wenig Monaten , und nun gar die Frau Baronin ! - Er schüttelte den Kopf und faltete die Hände . Was der am Herzen nagte , darüber konnte man ja nicht im Zweifel sein . Wie mochte die sich an einem solchen Feiertage manchmal nach dem reinen Worte Gottes und nach den Eltern und Geschwistern sehnen ! Es war Allen leichter um das Herz , nachdem dieses Neujahrs-Frühstück erst vorüber war . Sonst hatte man sich darauf gefreut , heute hatte man es gefürchtet , und selbst der Freiherr nannte es heute in seinem Herzen eine leere , lästige Ceremonie , die er künftig abzustellen meinte . Es war die erste Gewohnheit , das erste Herkommen seines Hauses , auf das zu verzichten er sich selbst gedrungen fühlte . Zweites Capitel Das Jahr , welches dem Freiherrn unter schlechten Auspicien angebrochen war , bewies sich in