treiben , was ihm beliebte . Hatte er heute ein Geschäft begonnen , so zwang ihn niemand , es morgen fortzusetzen . Er konnte es ganz liegen lassen , oder es nach acht Tagen wieder aufnehmen , oder es dem Rentmeister , dem Förster , oder sonst dem betreffenden Beamten zur Fortsetzung zuschicken . Letzteres geschah denn auch regelmäßig ! Er fand alle Geschäfte , die Art sie zu führen , den Gang , den sie gingen , tötlich langweilig , und da die Beamten nun einmal auf diese Langeweile eingeübt waren und dafür bezahlt wurden , auch die Sache viel pünktlicher und schneller machten : so gab er es sehr bald ganz auf , sich um seine Geschäfte , seine Verhältnisse , den Zustand der Herrschaft , die Verwaltungsart seiner Beamten , um das Gute , das zu tun , um die Mißbräuche , die abzustellen waren , zu bekümmern . Drei Arten von Beschäftigungen hatte er auf Stamberg , und die trieb er abwechselnd mit einer Art von Wut : jagen , reiten , lesen . Die Jagdzeit war seine Lieblingszeit ; da trieb er sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend in Flur und Wald umher und ermüdete sich dergestalt , daß seine etwaige üble Laune bei der Heimkehr - in Schlaf unterging . Reiten war seine zweite Liebhaberei , nämlich Pferde zuzureiten . Das verstand er meisterhaft , und je böser das Pferd war , desto lieber übernahm er dessen Erziehung und » brachte die Bestie zur Raison « - wie er es nannte . Das war denn aber auch der Hauptspaß ! war einmal das Pferd zugeritten , so hatte er keine Freude mehr daran . Deshalb verschwendete er Unsummen für den Ankauf junger roher Pferde , die er zuritt und dann für ein Billiges verkaufte , um sie nur wieder los zu werden und Platz in den Stallungen für neue Zöglinge zu gewinnen . Endlich , wenn er bis zur äußersten Abspannung im Walde ein Nimrod und in der Reitbahn ein Rossebändiger gewesen war - pflegte er zu sagen : » Jetzt erhole ich mich an Leib und Geist bei den schönen Wissenschaften ; « legte sich auf einen breiten , niedrigen Divan von braunem Saffian , rauchte ein orientalisches Nargileh und las dutzendweise französische Romane greulichster Art. Dermaßen war er dann in seine Lektüre versunken , daß er nicht selten bei Tisch mit seinem Buch erschien und , da Corona sich seine Vorlesung verbat , während des Essens still für sich las . Diese Bücher trugen natürlich nicht dazu bei , ihm Lust und Liebe zum häuslichen Herd und zu dessen Freuden und Beschäftigungen zu geben . Mißmut überfiel ihn ; die Bücher wurden ihm verhaßt ; Corona sollte ihn unterhalten . Wie gern hätte sie das getan ! allein er fand sie nicht munter , nicht ausgeweckt genug . » Als Kind hattest Du Anlagen zu einer Lionne ! « rief er einmal höchst mißmutig ; » aber die fromme Erziehung hat sie bis auf ' s letzte Fünkchen ausgelöscht . Du bist eine ganz alltägliche Person geworden . « » Darin hast Du recht , lieber Orest , « sagte sie demütig . Und sie hatte doch einen feinen Verstand und eine liebenswürdige Munterkeit ; aber freilich , einbalsamiert in geistige Grazie , so daß alles Scharfe , Exzentrische , Leidenschaftliche - alles , was nicht bestehen konnte neben zarter Sitte und heiliger Wahrheit - dem Kreise ihrer Anschauungen und Urteile , dem Gang ihrer Gedanken fern blieb . Ein solcher Geist war nicht nach Orest ' s blasiertem Geschmack . Er machte den Versuch , sie in seinem Sinn höher zu bilden und sie mit einer gewissen traurigen Richtung des Geistes in literarischen Erzeugnissen bekannt zu machen , an welche manch ' großes Talent sich wegwirft . Er brachte ihr solche Bücher und empfahl ihr dringend , sie zu lesen . Sie las den Namen der Autoren , machte die Bücher zu und sagte : » Ich danke Dir tausendmal , aber lesen kann ich diese Bücher nicht . « » Was ich Dir gebe , darfst Du lesen ! « fuhr Orest auf . » Gewiß - insofern es nicht gegen Glauben und Sittlichkeit ist . Onkel Levin hat mir aber eben diese Autoren als solche genannt , die gegen beides verstoßen und mich vor ihnen gewarnt . « » Onkel Levin ! ... ich bitte Dich , rede doch nicht so kindisch ! der siebzigjährige Greis hat andere Ansichten über Lektüre , als die siebzehnjährige Frau . « » Andere - aber richtigere , « lieber Orest . « » Höre , Corona , Du tust mir leid , daß Du mit Deinem bischen Verstand fortwährend zwischen den Scheuklappen vegetieren sollst , die Onkel Levin Dir anbindet . Darum stelle ich Dir die Bücher hier in ' s Wandschränkchen und schenke sie Dir erb- und eigentümlich . In einem Augenblick von Langeweile nimmst Du sie doch vielleicht zur Hand und guckst neugierig hinein , und hast Du das nur erst getan , so wirst Du auch schon weiterlesen . Schau ' , wie sie gut eingebunden sind - dunkelblauer Saffian , ganz in Harmonie mit Deinem Kabinett ! eine wahre Zierde Deiner Bibliothek ! « » Da Du mir die Bücher schenkst , lieber Orest , so sage ich Dir meinen schönsten Dank , « sagte Corona . Die Bücher blieben unverändert auf ihrer Stelle ! Orest , der eine Ahnung hatte , als ob sie vielleicht verschwinden könnten , öffnete von Zeit zu Zeit das Wandschränkchen ; aber da standen sie in Reih ' und Glied . Weiter brachte er es jedoch nicht bei Corona . Fragte er , ob sie gelesen habe , so verneinte sie es . Da rief er einmal zornig : » Nun ! willst Du sie nicht lesen , so sollst Du sie hören ! « und griff ein Buch heraus . Es klappte in seiner Hand zusammen , denn es