und seiner Sinne nicht mächtig ; aber ich kann es beschwören ; es war so . « Und nun bekannte Ulrich aufrichtig , aber alle Mitschuld der Andern mit auf sich nehmend , Alles ohne Rückhalt , was er gethan hatte . » Du hast also selbst das Vergehen eingestanden , « sagte der Hüttenmeister . » Du mußt an das geistliche Gericht abgeliefert werden , wir haben nichts weiter mit Dir in dieser Angelegenheit zu thun . Aber es giebt noch andere Anklagen wider Dich . Man beschuldigt Dich nicht nur , daß Du das Judenmädchen habest verführen wollen , sondern daß Du Dich an die Frau von Scheurl gedrängt , oder Dich hast von ihr verführen lassen - vielleicht zum Ehebruch - vielleicht zum Mord - « Einen Augenblick erbleichte Ulrich , denn diese Anklage kam ihm doch unerwartet . Stolz sagte er : » Solch ' ungerechter Anklage gegenüber habe ich keine Antwort , als meine Unschuld zu beschwören . « Seine weiteren Aussagen über diesen Punkt stimmten mit denen des Hieronymus , und dann fügte er hinzu , daß er nur einmal in Scheurl ' s Hause gewesen sei und mit der Hausfrau allein gesprochen habe , als er ihr den indianischen Raben gebracht , den das Judenmädchen ihm für Jene übergeben . Der Hüttenmeister glaubte Ulrich gern , denn er hatte ihn , seit er in der Lorenzkirche arbeitete , gleich sehr als Menschen wie als Künstler schätzen lernen , und ihn oft den andern Steinmetzen als Muster vorgestellt ; aber höher als der Einzelne stand ihm das Ganze der Brüderschaft und die gewissenhafte Aufrechterhaltung ihrer Statuten . Er sagte : » Ich habe dem geistlichen Inquisitor , der Dich vorladen ließ , die Antwort gegeben , daß Du ihm heute Abend ausgeliefert werdest - wenn wir Dich schuldig befunden , als ein Ausgestoßener aus unserm Bunde ; wenn wir Beweise für Deine Unschuld haben , aber als einen der Unsern , den wir vertreten werden vor Kaiser und Reich , und dem kein Haar gekrümmt werden darf , es sei denn , daß unsere oberste Behörde , der Maurerhof zu Straßburg , zuvor sein Urtheil gefällt . Draußen läutet jetzt die Mittagglocke - während die Andern gehen , bleibe hier und erwarte Dein Urtheil . « Darauf entfernte sich der Hüttenmeister mit dem einen Beisitzer , der andere blieb als Wächter für Ulrich und Hieronymus zurück . Die Freunde umarmten sich schweigend , da man sie wieder zusammen ließ . » Dir kann nichts geschehen ! « sagte Ulrich freudig , » Du bist unschuldig . « » O hättest Du mir mehr vertraut , « klagte Hieronymus , » ich hätte Dich besser vertheidigen können ! « Ulrich schüttelte mit dem Kopf : » Von dem Augenblick an , da ich fühlte , daß der Schein gegen mich zeugen und mich verderben konnte , mußte ich Dich meiden , mich von Dir zurückziehen , damit ich Dich nicht mit in meinen Sturz verwickelte . Nun begreifst Du wohl , warum es den Anschein hatte , als sei meine Freundschaft für Dich erkaltet - aus Freundschaft mußt ' ich Dich meiden , und das Band lockern , das uns umschlang . « Hieronymus konnte kaum sprechen und weinte an dem Halse seines Kameraden ; als er sich wieder von ihm losmachen wollte , hielt Ulrich seine Hand fest und sagte : » Laß mir jetzt die Hand noch , die vielleicht in der nächsten Stunde sich mir als einem Ausgestoßenen und Beschimpften für immer entziehen muß . « - Als der Pallirer wieder kam und die Glocke zur Arbeit rief , durften auch die beiden Baubrüder wieder mit an die ihrige gehen . Ulrich war es dabei wunderbar zu Muthe . Vielleicht war dies seine letzte Arbeitsstunde , vielleicht schwang er zum letzten Male den Meißel und lenkte das Richtscheit , vielleicht war er zum letzten Male in der Hütte , vielleicht war er in der nächsten Stunde kein Baubruder mehr - mit Schimpf und Schande ausgestoßen aus dem geweihten Bund ! Und seine ganze Seele hing an ihm - schlimmer als Tod war es , wenn man ihn ausstieß - und doch sah er kein anderes Loos vor sich ; aber war es ihm nur gelungen , dadurch , daß er die Schuld auf sich allein nahm , die drei andern Mitangeklagten als Unschuldige darzustellen , so fühlte er in sich einen freudigen Triumph , der ihn wenigstens auf Augenblicke sich selbst vergessen machte . Daß in dem Verhör , als Ulrich Amadeus seinen Vater nannte , der Hüttenmeister nicht weiter danach gefragt , das befremdete Ulrich . Seitdem er gestern am Sterbebett seiner Mutter gewesen , um ihren letzten Wunsch zu erfüllen , dadurch allen Zwang von sich werfend , den er bis jetzt sich angethan und seinem kindlichen Gefühl - seitdem war er darauf gefaßt gewesen , daß er über seine Eltern verhört werden würde . Nun hatte man diese Frage gegen ihn gar nicht berührt , da doch seine Erklärung , daß Amadeus sein Vater sei , schon eine Art von Geständniß war . Strahlte nicht hierin ein Hoffnungsschimmer ? Hatte nicht vielleicht der Propst Kreß einen Beweis gesucht und gefunden , daß Amadeus und Ulrike durch Priestersegen verbunden waren ? Gab es für ihn wirklich noch eine Rettung ? Der Ertrinkende in einer Fluth von Unheil sieht in der schwimmenden Strohähre einen Rettungsanker . Da es ein Samstag war , so ward an diesem Tage eine Stunde früher als sonst zum Feierabend geläutet . Als alle ihre Werkzeuge weggelegt hatten , pflegten sie noch zusammen zu bleiben , weil an diesem Tage jedem der Wochenlohn ausgezahlt ward . Da die Strafen für kleinere Vergehen wie Betrinken , Sichverspäten , Schimpfen u.s.w. meist in Lohnentziehungen bestanden , die dafür in die allgemeine Büchse flossen , oder in Wachs , das von den Strafbaren abgeliefert werden mußte , so wurden auch diese bei derselben Gelegenheit mit den üblichen Ermahnungen zur Besserung