zur Zeit unserer Geschichte die Mohrentaverne . Man hatte ihr diesen Namen gegeben , weil durch Zufall die meisten nicht europäischen Matrosen sich hier zusammenfanden . Immer konnte man sicher sein , gegen Mitternacht in der Höllengluth dieser Taverne an dreißig Mohren , Mulatten , Indier und Malayen anzutreffen . Der farbige Mensch herrschte hier , der weiße ward nur geduldet und mußte sich ohne Weigerung den Gesetzen fügen , die zu eigener Belustigung die Fremdlinge jeden Abend auf ' s Neue entwarfen und mit unerbittlicher Strenge handhabten . Die Mohrentaverne zeichnete sich schon äußerlich durch ihre Gestalt aus . Sie stellte nämlich eine colossale schwarz getheerte Tonne vor , deren hoher Zapfen auf dem Spunde zum Schornstein diente . Ihr Inneres war sehr geräumig , bestand aus Vorraum , Küche , dem großen Gesellschaftslocal und mehreren cabinenartigen Nebenzellell , die man durch Riegelthüren beliebig verschließen konnte . Im Hintergrunde , ebenfalls auf Tonnen ruhend , war das Orchester angebracht ; denn ohne Musik kann der Matrose auf dem festen Lande nicht leben . Schlecht gepolsterte Bänke liefen zwischen den Zellen an den Wänden hin . Hier standen auch Tische und Sessel für die Zechlustigen , obwohl selten in dem bacchantischen Getümmel des Tanzes ein paar Menschen ruhig neben einander sitzen konnten . Kurz vor Mitternacht traten zwei junge Männer von fast gleicher Größe in die Thür dieser berüchtigten Taverne . Sie glichen gemeinen Matrosen . Eine kurze Jacke von verschossenem ziegelrothen Tuch , weite schlotternde Beinkleider von blau und weißgestreiftem Wollenzeuge , grobe plumpe Schuhe von Rindsleder und ein gewöhnlicher mit schwarzer Glanzfarbe bestrichener niedriger Strohhut bildete ihre einfache Tracht . Diese späten Gäste waren Aurel und Gilbert . Wohl bekannt mit dem Tone , der in diesen Spelunken herrscht , wo der rohe Matrose nur Leute seines Gleichen duldet und jeden auf höherer Stufe der Bildung und des Umgangs stehenden Gast sogleich zu entfernen pflegt , umfaßte Aurel gleich beim Eintreten eine stämmige Dirne mit hochrothem Gesicht und Busen , die unfern der Thür an der Wand lehnte , und erlaubte sich enige nicht eben zarte Scherze , die von dem Mädchen mit heiserm Lachen und frechem Aufblick des unruhig umherflatternden Auges erwiedert wurden . Der Anblick der Mohrentaverne in diesem Augenblick war ein Bild für Höllenbreughel . Umdrängt von einer dreifachen Reihe rauchender , siedend heißen Grog oder blau brennenden Punsch trinkender Matrosen aus aller Herren Ländern , von denen Mancher ein , wohl auch zwei Mädchen im Arme hielt , führten drei Mohren und zwei Mulatten einen der wildesten und die Sinne erhitzendsten Tänze ihres Vaterlandes auf . Das unheimliche Rollen ihrer weißen glänzenden Augäpfel in den dunkeln Gesichtern , das tigerartige Zähnefletschen und das convulsivische Zucken ihrer sehnigen Arme , wenn sie die blendend weißen Körper ihrer Tänzerinnen wollüstig umschlangen , konnte einem mit solchen Scenen nicht Vertrauten glauben machen , er sei plötzlich in die Hölle unter Verdammte und Teufel versetzt worden , die sich eben in dämonischer Weise vergnügten . Die Mädchen waren groß , schlank und von schönem Wuchse , nur Blick und Gesichtsausdruck verriethen ihre moralische Verwilderung . Mit fast ganz nacktem Oberkörper , mit fliegenden Locken und gelöstem Haupthaar ras ' ten sie im Arm ihrer farbigen Tänzer , die vor Lust jauchzten und häufig fast thierische Töne ausstießen , in beschränktem Raume keuchend auf und nieder . Dazu schrien ein paar verstimmte Geigen und schrillte das Tamtam . Hinter Tänzern und Zuschauern hockte auf einigen umgestürzten Fässern eine Gruppe von Negern und olivenbraunen Indiern . Einer dieser Neger hatte ein scharlachrothes Tuch , das einem der anwesenden Mädchen gehören mochte , um sich geschlagen , was dem glänzenden nachtschwarzen Gesicht mit dem dichten wolligen Haar ein majestätisches Ansehen verlieh . Die Indier trugen weiße Turbane oder doch turbanähnliche Kopfbedeckungen . Alle rauchten aus langen Pfeifen und weideten sich mit Behagen an dem Tumult des Tanzes . Der Lärm war so arg , daß kaum die nächsten Nachbarn einander verstehen konnten . Dolche und Messer von den verschiedensten Formen trugen die Meisten in ihren Schärpen und Leibbinden . Sie mochten häufig gebraucht werden , denn sämmtliche Besucher der Taverne schienen wenig Spaß zu verstehen . In jeder Viertelstunde faßte irgend eine Hand den Griff seiner Waffe und nicht selten funkelten blaue Klingen über den Köpfen der Ausgelassenen . Dies chaotische Getümmel halb und ganz trunkener Menschen , die gewohnt waren , allen Leidenschaften ungehindert den Zügel schießen zu lassen , heiler Haut zu durchschreiten , schien unmöglich . Aurel zog es daher vor , im Hintergrunde eine Zeit lang den Beobachter zu spielen , und bestellte für sich und Gilbert steifen Grog . Sie nahmen Platz an einem der zur Seite stehenden Tische und unterhielten sich mit den hübschen Dirnen , die auf der Bank dem Tanze zusahen oder ab und zu gingen und bisweilen die schmucken Matrosen neckten . Aurel ' s Aufmerksamkeit richtete sich nunmehr auf das Orchester und die Musiker . Es war jedoch unmöglich , die Spielenden durch die feuchte und schwere Rauchwolke zu erkennen , die auf das wogende Menschenmeer in grauer Trübe niederhing . Er wandte sich daher an das hübscheste und , von ihrem Gesicht auf ihr Herz zu schließen , an das mindest verdorbene Mädchen mit der Frage : ob sie einen Mann kenne , welcher den Namen Blutrüssel führe ? Das Mädchen bejahte und fügte hinzu , daß er so eben das Tamtam spiele . » Kannst Du es nicht veranstalten , hübsches Kind , daß er einmal herabsteigt von seinem Throne ? « » Das thut er schon von selbst nach jedem Tanze , « versetzte das Mädchen . » Länger als eine halbe Stunde kann er ohne heißes Getränk nicht leben , und damit er es recht frisch aus der Quelle bekomme , holt er sich ' s allemal selbst . Sehen Sie , da ist der alberne Tanz zu Ende ! Einer von den Schwarzen ist gefallen vor Erschöpfung . Eher hört man nicht auf . « Die