, rasch vorschreitenden Zustande schien sie keine Ahnung zu haben . Sie klagte nicht und doch legte sie zuweilen die abgezehrte Hand auf die Brust , und wenn der Arzt sie fragte , ob sie Schmerzen habe , sagte sie freundlich : » immer ! immer ! « Auch ließ der im Fieber fliegende Puls und das öftere Erbrechen von Blut keinen Zweifel über ihr Uebel . Gegen Anfang des Frühjahres trat eine Veränderung ihres geistigen Zustandes ein . Der kleine Reginald hatte eben die ersten Versuche gemacht , sich an dem Stuhle seiner Mutter aufzurichten , und das Ereigniß hatte Fennimor bis zu einem lauten Ausrufe des Jubels gebracht . Als Emmy herbei stürzte , erblickte sie das unschuldige Glück , was die glühend erröthende Mutter erlebte , und sah den schönen , kleinen Reginald , der fast nicht von seiner bleichen Mutter zu trennen war , wie er lachend und lallend vor Lust , sein erstes Kunststück zu behaupten suchte und die kleinen , dicken Händchen eisenfest um den gedrehten Stuhlfuß krampte . Emmy kniete liebkosend neben diesem einzigen Trost ihres verdüsterten Herzens nieder - da hörte sie Fennimor tief seufzen und dann den fast vergessenen Namen Leonin aussprechen . - » Wo er nur bleibt , Emmy ? « sagte sie ; - » ich kann nicht , wie sonst , Alles bedenken ; aber er muß lange fort sein - und doch ist sein Kind so schön , und er läuft ihm endlich entgegen , wenn er noch lange zögert . « Emmy schwieg . Zu bitter war ihr Gefühl ! Sie hatte gehofft , Fennimor habe ihren Mörder ganz vergessen . Jetzt erwähnte sie ihn ruhig - freundlich - wie in ihr ganzes Leben verflochten . » Der bleiche Mann , den ich immer für die Schlange hielt , « fuhr sie indessen fort - » der hat ihn von mir getrieben . Armer Leonin , wie sie Dich wohl quälen mögen in der bösen Welt , in der Du leben mußt ! Ach , wie wollen wir Dich lieben , wenn Du wieder kömmst ; - nun hast Du einen mehr , der Dich liebt . Aber dort ? Wer liebt Dich dort , wo die Mütter auch sich verhärten können und von Gott abweichen , wie ich jetzt weiß . Da muß Dir das Herz schwer werden ! Wo bleibt er wohl , Emmy ? - Und ist es lange , daß er fort ist ? « » Er ist indessen mit dem Könige in den Krieg gezogen , « stammelte endlich Emmy , die gehässige Lüge kaum über die Lippen zwingend - » und Ihr waret ja lange krank . « Nur allmälig kamen Erinnerungen und Beziehungen in dem zerschmetterten und jetzt durch die vorschreitende Krankheit erschöpften Geist zurück . Schon sank das liebliche Haupt ermattet in den Stuhl ; der kurze , fieberhafte Schlummer deckte die glänzenden und doch so tiefe Leiden verkündigenden Augen . Emmy blieb mit dem Kinde zu ihren Füßen . Sein süßes Lallen störte nicht mehr diesen kurzen Schlummer - wenn es zu ihr drang , ward das schlafende Antlitz immer freundlicher . Auch ihre Träume mußten harmlose Bilder enthalten , in welche die ersten Töne der kleinen Kinderstimme hinein paßten und sie vielleicht leiteten und belebten . Doch war von dieser Stunde an Leonins Bild neben dem ihres Kindes , und sie begann bei ihren langen , rührenden Gebeten , ihn einzuschließen und Gott anzuempfehlen - ihm vorzustellen , wie er seine Hülfe so nöthig habe , da er ihn doch in Versuchungen führe . Wie er doch ja seine Seele behüten möge und immer bei ihm sein ! Dann schwieg sie wohl ; aber wenn sie fort betete , mußte man glauben , Gott habe ihr indessen geantwortet ; denn sie sagte : » das wußte ich wohl , daß Du bei ihm bleiben wirst , und will auch nicht um ihn sorgen , da Du es allein thun willst ! « Oft beriethen sich die Geschwister mit Emmy und dem Arzte über das Schicksal Fennimors , dessen schreckliche Härte sie durch Lesüeur erfahren . Immer mußten sie einig darüber bleiben , daß sie ihr Alles verhüllen müßten . » Lange brauchen wir es nicht mehr , « sagte der Arzt wehmüthig ; - » das Gras grünt - die Knospen schwellen - wenn die Blumen kommen , werden sie über ihrem Grabe aufblühen ! « In dem Maaße , als der Ausspruch des Arztes sich zu erfüllen schien , steigerte sich Fennimors Sehnsucht nach Leonin - und dies ward dann die Veranlassung der letzten Sendung an Lesüeur . Die Freunde glaubten zu bemerken , daß Fennimor eine Ahnung von ihrer Auflösung bekam . Sie hatte ihre Schwäche , wenn sie darüber zur Erkenntniß gelangte , noch immer auf die Geburt ihres Kindes bezogen . Jetzt wünschte sie zuweilen aufzustehen , um die immer kühneren Versuche des kleinen Reginald unterstützen zu können . Sie fühlte nun , daß sie es nicht mehr vermochte und befrug Emmy darum . Ausweichend antwortete das trostlose Weib ihrem hinsterbenden Lieblinge , und es schienen sich an diesen halben Worten in Fennimor Folgerungen zu entwickeln , die ihr Gebet offenbarte . Denn keine andere Mittheilung gab es mehr für sie - die Freunde erfuhren den Gang ihrer Gedanken aus den lauten Gesprächen , die sie in ernster , kindlicher Unschuld täglich mit Gott führte . » Du hättest mich doch bei meinem Kinde lassen können ! « sprach sie - » Du hättest nur wollen dürfen , und meine Glieder hätten wieder Kraft gehabt , ihm zu folgen - und Leonin - wie wird er weinen , wenn ich bei Dir bin und er mich nicht mehr sehen kann ! Ja , « fuhr sie dann fort - » freilich weißt Du Alles am besten - auch gehe ich gern zu Dir , wie Du mir auch glaubst . Aber Dein Leben ist doch auch so schön , und ich