um den Hofschulzen von dem rechtswidrigen Verlangen abzubringen . Der Küster ging , etwas erleichtert , da es Zeit war , und die Menschen sich schon in der Kirche versammelt hatten , hinaus und begann auf der Orgel die hergebrachte » Schlacht von Prag « zu spielen . Er kannte nämlich nur ein Präludium , und dieses war jene verschollene Schlachtmusik , an welche sich vielleicht noch einige ältere Leute erinnern , wenn ich ihnen in das Gedächtnis zurückrufe , daß das Tongemälde mit dem Aufmarsche der Zietenschen Husaren anfängt . Von diesem Aufmarsche wußte der Küster dann immer mit freilich nicht selten kühnen Gängen sich in die gangbaren Kirchenmelodien hinüberzuschwingen . Während des Liedes betrat der Diakonus die Kanzel , und als er die Augen zufällig auf die Versammlung warf , hatte er einen unerwarteten Anblick . Ein vornehmer Herr vom Hofe stand nämlich mitten unter den Bauern , deren Aufmerksamkeit er zerstreute , weil sie von ihrem Gesangbuche immer empor- und nach seinem Sterne schielten . Der vornehme Herr wollte mit irgendeinem Bauern in das Gesangbuch sehen , um in das Lied einzustimmen , da aber jeder , sowie der Herr vom Hofe sich ihm näherte , ehrerbietig auswich , so gelangte er nicht zum Zwecke und erregte nur eine fast allgemeine Unruhe . Denn wenn er in eine Kirchenbank sich setzte , so rutschten auf der Stelle sämtliche darin seßhafte Bauern bis in die äußerste entgegengesetzte Ecke , und entflohen der Bank gänzlich , wenn der Vornehme ihnen nachrutschte . Dieses Rutschen und Entrutschen wiederholte sich in drei bis vier Bänken , so daß der Herr vom Hofe , der in der besten Absicht diesen Dorfgottesdienst besuchte , es endlich aufgeben mußte , zu einer tätigen Teilnahme an demselben zu gelangen . Er hatte Geschäfte in der Gegend und wollte die Gelegenheit nicht verabsäumen , durch Herablassung die Herzen dieser Landleute für den Thron zu gewinnen , dem er sich so nahe wußte . Deshalb war in ihm , sobald er von der Bauernhochzeit hörte , der Vorsatz entstanden , ihr leutselig von Anfang bis zu Ende beizuwohnen . Den Diakonus berührte der Anblick des Vornehmen , den er aus den glänzenden Zirkeln der Hauptstadt kannte , nicht wohltuend . Er wußte , welche sonderbare Sitte der Predigt folgen werde , und fürchtete den Spott des Vornehmen . Seine Gedanken verloren daher von ihrer gewöhnlichen Klarheit , seine Gefühle waren etwas bedeckt und er kam , je weiter er redete , um desto weiter aus der Sache . Seine Zerstreuung wuchs , da er bemerkte , daß der Vornehme ihm verstehende Blicke zuwarf und bei einigen Stellen beifällig mit dem Haupte nickte ; meistenteils da , wo der Redner mit sich am unzufriedensten gewesen war . Er beschnitt daher die einzelnen Teile der Traurede , und eilte sich , zur Zeremonie zu gelangen . Das Brautpaar kniete nieder und die verhängnisvollen Fragen ergingen an dasselbe . Da trug sich etwas zu , was den vornehmen Fremden in den äußersten Schreck versetzte . Denn er sah links und rechts , vor sich und hinter sich , Männer und Frauen , Mädchen und junge Bursche dicke Knittel , aus Sacktüchern gewunden , hervorziehen . Alles war aufgestanden , zischelte untereinander und sah sich , wie es ihm vorkam , mit wilden und heimtückischen Blicken um . Da es ihm nun unmöglich war , den richtigen Sinn dieser Vorbereitungen zu erraten , so verließ ihn alle Fassung , und weil die Knittel doch unwidersprechlich auf jemand deuteten , der Schläge empfangen sollte , so kam ihm der Gedanke , daß er der Gegenstand einer allgemeinen Mißhandlung sein werde . Er erinnerte sich , wie scheu man ihm ausgewichen war , und er bedachte , wie roh der Charakter des Landvolkes ist , und wie die Bauern vielleicht , weil ihnen seine herablassende Gesinnung nicht bekannt sei , sich vorgenommen hätten , den ihnen unbequemen Eindringling zu entfernen . Alles dieses ging blitzschnell durch seine Seele und er wußte nicht , wie er Würde und Person vor dem entsetzlichen Angriffe wahren sollte . Als er noch ratlos nach Entschlüssen rang , schloß der Diakonus die Feierlichkeit , und es entstand augenblicklich der wildeste Tumult . Sämtliche Knittelträger und Knittelträgerinnen stürzten schreiend und tobend und ihre Waffen schwingend nach vorwärts , der Herr vom Hofe aber war über mehrere Bänke mit drei Sätzen seitwärts nach der Kanzel zu gesprungen , erstieg dieselbe im Nu und rief von diesem erhöhten Standpunkte mit lauter Stimme in die tobende Menge hinunter : » Ich rate euch , mich nicht anzutasten ! Ich hege die besten und herablassendsten Gesinnungen gegen euch , aber jede mir zugefügte Beleidigung wird der Monarch ahnden , wie eine ihm selbst widerfahrene . « Die Bauern aber hörten nach dieser Rede nicht hin , von ihrem Vorhaben begeistert . Sie rannten dem Altar zu , und unterweges bekam schon dieser und jener unabsichtliche Prügel , bevor das eigentliche Ziel derselben erreicht war . Dieses war der Bräutigam . Die Hände über den Kopf schlagend , bahnte er sich mit aller Anstrengung eine Gasse durch die Menge , welche ihre Knittel auf seinem Rücken , seinen Schultern und überhaupt allerorten , wo Platz war , tanzen ließ . Er lief , sich gewaltsam Raum schaffend , nach der Kirchtüre zu , hatte aber , bevor er dieselbe erreichte , gewiß über hundert Schläge empfangen , und kam so , wacker zerbläut an seinem Ehrentage aus dem Heiligtume . Alles lief ihm nach ; der Brautvater , die Braut folgten , der Küster schloß unmittelbar hinter dem letzten die Türe ab und verfügte sich in die Sakristei , welche einen besonderen Ausgang in das Freie hatte . In wenigen Sekunden war die Kirche leer geworden . Noch stand indessen der vornehme Herr auf der Kanzel . Der Diakonus aber stand vor dem Altare , sich gegen den Vornehmen mit freundlichem Lächeln verbeugend . Dieser hatte , als er auf seinem Felsen Ararat sah