zu dem halb Erstorbnen einzudringen . Es entstehen so oft Zeichen eines höhern Daseins in einem sonst leer davon befundenen Leben , wunderbarer , als die Oasen in der Wüste , und vergänglicher und leichter überschüttet von dem heißen Sande des ringsum herrschenden Bodens . Genug , der Pater zögerte nicht , ein Mensch zu sein . Wünscht diese Zusammenkunft nicht in dieser Stimmung , sagte er leiser , und laßt Euch warnen , den Geist nicht zu zeigen , der Euch belebt . Man fürchtet eben Euer hochstrebendes Gemüth , und wenn man sich davon überzeugt hielte , würdet Ihr nie mehr diese Mauern verlassen dürfen . Erschreckt nicht so heftig , sprach er begütigend weiter , da er die blasse Stirn , den Schreck des edeln Wesens sah , Ihr sollt nicht umsonst mir Vertrauen geschenkt haben . Haltet mich nicht zurück . Ich kann Euch nützlicher sein in der Ferne , und ich will es , wenn Ihr mir dagegen feierlich gelobt , Euch hier mit Klugheit zu verhalten , durch keinen Widerspruch eine zürnende Aufmerksamkeit auf Euch zu lenken , still ehrend Electa ' s und der Andern Glaubenseifer zu begegnen , und ruhig den kühnen Geist in Fesseln einzuschlagen . Dann , fuhr er schwankend fort , glaubt man vielleicht , wenn ich zu Eurer Freiheit Euch das Zeugniß des beschränkten Sinnes gäbe - doch genug , unterbrach er sich sichtlich beängstigt . Die Theilnahme macht mich geschwätzig ; ich hoffe , Ihr werdet mich nicht mißverstehn . Ich ehre jede Absicht meiner Obern und hoffe ihnen nicht zu nah damit zu treten , daß ich zu Duldung und Gehorsam Euch ermahnte . O , bereut nicht , edler Mann , was Euer menschlich Herz Euch sagen ließ , rief kindlich zärtlich hier Maria . Ihr habt genug gesagt . Kann ich auch den Grund von diesem Verfahren nicht erkennen , so weiß ich doch die Absicht und will mich wahren , mit Gottes Beistand , obwol ich niemals absichtlich zu täuschen gelernt , sondern es stets verschmäht habe . Ich will Gott bitten , daß er mir eingebe , was nöthig ist , die Feinde hier zu täuschen ; denn Freiheit ist so süß , und jenseits dieser Mauern lebt noch so manche heitere Hoffnung . Ach , helft mir sie erringen , und glaubt mir die schöne Welt , die Gottes Offenbarung war , sie ist nicht sündig , und Sünde nur ist , was sie von Gottes Ebenbild trennt . Thränen flossen auf die Hand des Priesters , die Maria mit den ihrigen fest umschlossen hatte , und so lebensvoll , so überzeugt sprach sie ihm zu , daß es fast schien , als habe sie vielmehr das Werk der Bekehrung an ihm versucht und sei weiter darin vorgedrungen , als mit seinem Berufe sich vertragen wolle ; denn das niedergeschlagene Auge konnte nicht ganz verbergen , was seine ausdrucksvollen Züge von innerem Widerspruch und tiefer Rührung sagten . So laßt uns scheiden , sagte er sanft , und Gott behüte Euch und lenke Alles nach seinem Wohlgefallen . Sanft beugte Maria das Haupt , und segnend berührte er es einen Augenblick . Leise , aber fest , verließ er das Gemach , und Maria blieb nicht so trostlos zurück , wie er sie gefunden . Ein Strahl von Hoffnung erhellte die düstern Räume ihres Herzens , in welche mit der vollen Kraft der Jugend das Vertrauen wiederkehrte und der Muth , dem Widerwärtigen zu begegnen . - Wir wollen nicht behaupten , daß Maria ' s Muth derselbe blieb , als sie am nächsten Morgen die Augen aufschlug und ihre Gedanken darauf fielen , daß Pater Clemens längst aus diesen Mauern entfernt sei und sie allein Allem gegenüber stehe , was ihr fremd und besorglich erschien . Aber der gesunde Schlaf der Jugend hatte nicht umsonst ihren Körper erquickt ; frei lebte er auf , und in ihm fand die Seele Ruhe . Margariths Vater bereitete das Frühstück an dem lodernden Feuer des Kamins , während Maria sich mit Hülfe der Tochter im Nebenzimmer ankleidete . Bei ihrem Eintritt empfing sie eine sehr feierliche Einladung des alten Dieners , der Herrin des Schlosses sich vorzustellen . Ich bin bereit , erwiederte Maria mit leichtem Wechsel der Farbe ; sagt Eurer Dame meine Willfährigkeit , ihr aufzuwarten . Sie wird die Stunde Euch vielleicht bestimmt haben , wann sie mich empfangen will , denn wenig kenne ich noch die Ordnung des Hauses . Ihro Gnaden bedürfen einer langen Morgenruhe , sprach der alte Diener , die Augen niederschlagend . Schwester Electa wird Euch , Mylady , abrufen , wenn Ihro Gnaden dazu bereit sind . Schön , mein guter Alter , erwiederte Maria ; wir sind erst kurze Zeit Bekannte , ich habe Euch aber Dank zu sagen für die Sorgfalt und Güte , die Ihr mir bei einigen Zufälligkeiten erwieset . Schuldigkeit , durchaus Schuldigkeit , murmelte der alte erfreute Mann und schob den Sessel zu dem Tischchen , worauf ein Frühmahl bereitet stand , das der Schloßküche Ehre machte und nichts vergebens aufgestellt war für Maria ' s angeregte Eßlust . Sie beschäftigte sich alsdann damit , die Einrichtung ihrer Zimmer zu mustern , und untersuchte besonders ihre Bibliothek , die , allerdings von einseitiger Auswahl , Maria aufs Neue die unheimliche Ueberzeugung gab , daß man auf alle Weise ihrem Geiste jene Richtung zu geben trachte , welche in diesem Hause die allein geduldete war . Eine kleine Ausgabe des italienischen Homers war hinter andern Büchern verborgen , offenbar eine Abweichung vom vorgeschriebenen Plan , die Pater Clemens sich erlaubt . Es erfreute sie dies um so mehr , da sie eine tröstliche Zusage seiner milden , wohlwollenden Gesinnungen darin wahrnahm , das einzige Unterpfand aller Hoffnung für ihre Zukunft . Diese Beschäftigungen wurden von der Schwester Electa unterbrochen , welche erschien , sie zu dem bevorstehenden Besuche abzurufen . Maria empfing sie mit der ihr eignen huldvollen Güte