wissen « , sagte der Prinz , » Sie würden nicht zurückkehren . Sie wären der Associé Ihres Oheims in seinem Geschäfte geworden . « - » Die Welt « , versetzte Hermann , » hat einen entschiednen Hang , uns Dinge anzudichten , welche gewöhnlich dem , was wir eigentlich tun und begehren , schnurstracks entgegen sind . « » Das ist wahr « , erwiderte der Prinz . » Hierin zeigen sich die Menschen wahrhaft erfindungsreich , und aus den gewöhnlichsten Köpfen entspringen nicht selten die sinnreichsten Mythen . So hat man mich zum Beispiel - und ich wüßte durchaus nicht zu sagen , wodurch ich die Veranlassung gegeben hätte - zu einem begeisterten Verehrer oder gar Protektor der bildenden Künste gemacht , während ich mir bewußt bin , für sie eigentlich kein Auge zu besitzen . Das Lustigste bei solchen Gesellschaftsfabeln ist , daß man unversehens und unwillkürlich aus einem Objekte derselben , zu ihrem Subjekte und Helden wird . Nach und nach versammelte sich um mich allerhand Gemaltes und Plastisches , ich übernahm das Patronat eines Vereins , und gehöre zu den fleißigsten Besuchern dieser Säle , obgleich ich , die Wahrheit zu gestehn , mehr der Menschen , welche sich hier einfinden , als der Gemälde wegen komme . « » Gnädigster Prinz « , sagte Hermann höflich , » Sie werden heute auf Ihre eignen Unkosten zum Märchendichter . « » O nein « , erwiderte der Prinz , » und ich schätze mich deshalb nicht geringer , weil ich der Mode meine Neigung versage . Ein lebendiges Interesse kann nur an einer Sache sich entzünden , welche in der Gegenwart kräftig wurzelt . Nun aber sehe ich an den Handlungen der Zeitgenossen durchaus nichts für das Auge , mithin auch nichts für den Pinsel oder Meißel . Wo die Kanonen und die taktischen Bewegungen das Schicksal der Reiche entscheiden , gibt es keine Heldengruppen , wo die Predigt im Gottesdienste das Wort führt , keine Erscheinungen , wo die Leute bis zu den Schustern und Schneidern hinunter den Frack tragen , kein Genre . Was soll also entstehn ? Entweder ein geschmackvoller Eklektizismus , welcher niemals eine Epoche macht , oder ein romantisches Unbestimmtes ; Versuche , der Poesie nachzutreten , die in wenigen Jahren schon , wenn gewisse momentane Stimmungen vorübergegangen sein werden , unverständlich sein müssen . Man darf sich ja nicht durch die jetzige allgemeine Neigung zu diesen Dingen täuschen lassen . Ein Unterschied der modernen Zeit von der griechischen besteht darin , daß unter uns Neueren das wahrhaft geniale Schöne fast immer im Gegensatze zu der herrschenden Stimmung erwächst , welche dagegen ihrerseits das als vorhanden zu präkonisieren pflegt , woran es ihr eben ganz gebricht . Dagegen ging in jener glücklichen griechischen Periode das besondre Genie der Künstler aus dem allgemeinen Talente der Nation hervor . Um an einem Beispiele meine Meinung klarzumachen , so glaubten wir an Klopstocks Oden , Bardieten und an den Nachahmungen derselben eine große vaterländische Poesie zu besitzen , und doch waren diese frostigen Exerzitien am allerfernsten von einer solchen . Nur eine Entwicklung der Schönheit sehe ich noch vor uns , nämlich die poetische ; in der Dichtkunst hat , wie ich glaube , Deutschland den Gipfel noch nicht erreicht . « » Diese Meinung ist für die Poeten der Gegenwart sehr tröstlich « , sagte Hermann , » um so tröstlicher , als viele Stimmen das dichterische Element der Zeit ganz leugnen wollen . « » Ich rede nicht von einem einzelnen , nicht von Individuen « , erwiderte der Prinz . » Urteile über Personen und Werke , deren Zeitgenosse man ist , sind meistens sehr mißlich . Meine Hoffnung bezieht sich auf etwas Allgemeines . Nun ist es wohl klar , daß eine Periode , in welcher alle Schätze des Geistes gewaltsam aufgeregt worden sind , so daß sie gleichsam in das Freie fielen , von selbst einen Fähigen hervorrufen muß , welcher sich dieses Reichtums bemächtigen wird . Diesem wird gerade der Mangel an äußerm plastischen Leben höchst förderlich sein , da unsrer Stimmung die deskriptive Poesie immer langweilig erscheint , und die Dichter dieser Jahrhunderte mit Glück nur das Innerliche , die bewegenden Ursachen der Dinge ergriffen haben . « Hermann hatte nur aus schuldiger Rücksicht dem letzten Teile dieser Auseinandersetzung zugehört , denn eine unerwartete Erscheinung wendete seine Gedanken von den Reden des Prinzen ab . Zu der Flügeltüre des Saals , in welchem sie standen , trat nämlich herein , abenteuerlich aufgeputzt , im bunten Gewande , eine Gestalt , in welcher er nach kurzem Besinnen Flämmchen erkannte . Flatternde Bänder zierten Achseln und Schulter , Schmelzbesatz säumte Busen und Leib , das kurze Röckchen war zackig ausgeschnitten , darunter sahen rotflammige Strümpfe und goldne Schuhe hervor . Die schönen nackten Arme umschlossen an den Gelenken Korallenschnüre , ein safrangelbes Bindentuch , welches sich durch ihre Locken zog , vollendete den fremdartigen Anblick . Sie betrat den Saal mehr schwebend , als gehend , spielte mit einem Elfenbeinstäbchen , warf es empor , und fing es mit reizender Beugung des Arms wieder auf . Ihr nach drang ein Schwarm verwunderlich-geschmückter junger Herrn ; eine ältliche korpulente Figur mit kahlem Haupte , die Brille vor den Augen , bewegte sich mühsam hinterher . Flämmchen scherzte und schäkerte mit ihrer Begleitung , der ganze Zug rauschte an den Wänden umher , und auf die Gemälde wurde wenig geachtet . Es war das Bild einer leichtfüßigen Nymphe , welche Satyrn und Faunen umspringen , und der Silen mit Anstrengung folgt . » Was ist Ihnen ? « fragte der Prinz Hermann , welcher starr nach Flämmchen hinsah . Dieser versetzte , daß er ein Frauenzimmer bemerke , welches er früher sehr wohl gekannt habe . » Ach , unsre herkulanische Tänzerin und junge gnädige Frau dort « , sagte der Prinz , der nun erst auf den Zug aufmerksam wurde . » Ja , ich erinnre mich ,