, bitten wir beide den Herrn Prediger , daß er Ihrem Begleiter einen schicklichen Ort , Sie zu erwarten , anweiset ; er wird uns diese Gefälligkeit nicht abschlagen , da er schon so gütig gewesen ist , uns dieß Zimmer für eine kurze Zeit zu überlassen und hier eine Zusammenkunft zu gestatten , die Ihnen unvermeidlich scheint . Der Baron fügte sich dem Wunsche des Grafen , und der alte Lorenz hatte in der Gegenwart des Letzteren nicht den Muth , seine Unverschämtheit fortzusetzen . Er verließ also das Zimmer , und auch der Prediger fühlte , daß er der Unterredung zwischen den beiden , sich so seltsam gegenüberstehenden Verwandten schicklicher Weise nicht beiwohnen könne ; auch er verließ also das Gemach , obwohl mit zögerndem Schritte , indem seine natürliche Neugierde ihn wie ein Magnet festhalten zu wollen schien . So waren denn nun die beiden Verwandten allein , und ein fragender Blick des Grafen lud den Baron zum Sprechen ein , der noch immer lächelnd schwieg , weil er , wie es schien , die rechten Worte suchte , um diese seltsame Unterredung zu eröffnen . Der Graf hatte also Zeit ihn zu betrachten und sich zu erinnern , daß der Baron in der Blüte der Jugend ein auffallend schöner Mann gewesen war . Jetzt hatte freilich die Zeit und mehr vielleicht noch ein unregelmäßiges Leben die herrliche Gestalt zerstört ; aber immer noch leuchteten dem Grafen die schönen dunkeln Augen entgegen , die ihn an seine Gemahlin erinnerten , obwohl ein wilderes Feuer darin brannte . Die hohe , freie Stirn wurde durch die Beweglichkeit der Augenbraunen verunstaltet , und das süßliche Lächeln , welches den feinen Mund fortwährend umschwebte , gab diesem einen Zug von spöttischer Falschheit ; aber dennoch machte noch jetzt die Persönlichkeit des Barons einen angenehmen Eindruck , der durch seine schöne , weiche und doch männliche Stimme erhöht wurde , als er endlich zu sprechen begann , so wie die edeln Gebehrden eine gute Erziehung und das Leben in der feinen Welt bewiesen . Es ist wohl seltsam , hob der Baron mit scheinbarer Freimüthigkeit an , daß ich heute zum ersten Male das Glück habe , Ihnen als Verwandter gegenüber zu stehen , obgleich Sie schon so lange mit meiner einzigen Schwester verbunden sind und man glauben sollte , daß nach dieser Verbindung unser natürliches Verhältniß zu einander das , in dem Brüder gegen einander stehn , wäre . Es drängt sich uns im Leben , erwiederte der Graf , oft die Erfahrung auf , daß wir uns den Banden , welche die Natur zu knüpfen scheint , dennoch entziehen müssen , wie beklagenswerth uns auch diese Nothwendigkeit erscheinen mag . Aber ist es möglich , sagte der Baron mit einschmeichelndem Lächeln , daß meine Schwester einen Groll so lange nähren kann , daß die vernünftigere Ansicht des Gemahls nicht im Stande sein sollte , ihn zu besiegen ? Ich kann nicht glauben , daß sie einen so hohen Werth auf einige Summen legen sollte , die ich , ich gestehe es , von ihrem ersten Gemahl empfing und bei dem besten Willen nicht zurück geben konnte . Wenn meine Gemahlin , versetzte der Graf mit höflicher Kälte , Gründe hat , jede Annäherung zu vermeiden , und lieber das lieblose Urtheil der Welt über sich ergehen läßt , die sie schonungslos genug tadelt , daß sie dem Wunsche des einzigen Bruders entgegen in dieser Zurückgezogenheit beharrt , so kann ich Ihnen wenigstens die Versicherung geben , daß diese Gründe nicht so niedriger Art sind . Sollte denn also ihr Herz , sagte der Baron mit den weichsten Tönen seiner sanften Stimme , sich auf immer feindlich gegen mich geschlossen haben , weil sie glaubt , daß ich freventlich , unkindlich unsere arme Mutter Preis gegeben habe ? Ach , könnte sie sich nur entschließen mich zu hören , sie würde dann auch dieß gewiß milder beurtheilen und mein Unglück vielleicht beklagen , wenn ich es auch durch Leichtsinn selbst veranlaßt haben sollte . Meine Gemahlin , antwortete der Graf , hat jeden Anspruch darauf , Ihre Handlungen zu beurtheilen , längst aufgegeben , und wenn sie sich außer dem Bereiche schmerzlicher Erinnerungen zu halten wünscht , so ist dieß , um den Frieden ihres Lebens zu bewahren , nothwendig , ohne von feindlichen Gesinnungen zu zeugen . Sie gewähren mir einen großen Trost , sagte der Baron mit scheinbarer Herzlichkeit , indem er dem Grafen die Hand bot , die dieser , wenn er nicht geradezu beleidigen wollte , nehmen mußte ; denn Sie geben mir die Versicherung , daß ich von meiner Schwester nicht gehaßt bin , und so darf ich denn nun mit größerer Zuversicht die Hoffnung einer endlichen Versöhnung hegen . Ich bitte Sie , entgegnete der Graf mit großem Ernst , jeden Gedanken an eine Annäherung gänzlich aufzugeben . Hat das Leben Ihrer Schwester den geringsten Werth für Sie , so werden Sie sich dieser Nothwendigkeit um so eher fügen , wenn ich Ihnen sage , daß Sie auf das Haupt dieser Unglücklichen ein Schicksal geladen haben , vor dem Sie vielleicht selbst schaudern würden , wenn Sie es in seinem ganzen Umfang kennen sollten . Wenn Sie aber trotz dieser Erklärung annähernde Schritte noch für angemessen halten , so muß ich noch hinzufügen , daß ich solche wie eine offenbare Feindseligkeit gegen mich betrachten würde , der ich auf gleiche Weise dann begegnen müßte . So wäre diese Hoffnung vorüber , sagte der Baron seufzend , und ich scheide völlig verarmt im Herzen aus meinem Vaterlande . Sie sehen nur mein Unrecht , aber nicht meine Schmerzen . Sie wollen Ihre Gemahlin vor unangenehmen Eindrücken bewahren und beachten es nicht , wenn Sie das Herz des Bruders zerreißen . Doch es sei , Sie ahnen nicht das Gefühl der Verzweiflung , mit dem ich von Ihnen scheide , da ich in der Hoffnung kam , das Herz meiner geliebten Schwester zu rühren , und