, ich legte mich ins Gras unter die schwärmenden Bienen mit Blütenzweigen im Mund und glaubte fest , sie würden meine Lippen nicht stechen , weil ich so befreundet war mit der Natur ; und so bot ich allem Trotz , was andre fürchteten , und in der Nacht , in schauerlichen Wegen im finstern Gebüsch , da lockte es mich hin , da war ' s überall so heimlich , und nichts war zu fürchten . Oben im ersten und höchsten Garten stand die Klosterkirche auf einem Rasenplatz , der am felsigen Boden hinab grünte und mit einem hohen Gang von Trauben umgeben war , er führte zur Türe der Sakristei , vor dieser saß ich oft , wenn ich meine Geschäfte in der Kirche versehen hatte , denn ich war Sakristan , ein Amt , dem es oblag , den Kelch , in dem die geweihten Hostien bewahrt wurden , zu reinigen und die Kelchtücher zu waschen , dies Amt wurde nur dem Liebling unter den jungfräulichen Kindern vertraut , die Nonnen hatten mich einstimmig dazu erwählt . In dieser Türwölbung saß ich manchen heißen Nachmittag , links in der Ecke des Kreuzbaues das Bienenhaus unter hohen Taxusbäumen , rechts der kleine Bienengarten , bepflanzt mit duftenden Kräutern und Nelken , aus denen die Bienen Honig saugten . In die Ferne konnte ich von da sehen ; die Ferne , die so wunderliche Gefühle in der Kinderseele erregt , die ewig eins und dasselbe vor uns liegt , bewegt in Licht und Schatten , und zuerst schauerliche Ahnungen einer verhüllten Zukunft in uns weckt ; da saß ich und sah die Bienen von ihren Streifzügen heimkehren , ich sah , wie sie sich im Blumenstaub wälzten und wie sie weiter und weiter flogen in die ungemessene Ferne , wie sie im blauen sonnedurchglänzten Äther verschwebten , und da ging mir mitten in diesen Anwandlungen von Melancholie auch die Ahnung von ungemessenem Glück auf . Ja die Wehmut ist der Spiegel des Glücks ; Du fühlst , Du siehst in ihr ausgesprochen ein Glück , nach dem sie sich sehnt . Ach und im Glück wieder durch allen Glanz der Freude durchschimmernd diese schmerzliche Wollust . Ja das Glück ist auch der Spiegel dieser aus unergründlichen Tiefen aufsteigenden Wehmut . Und jetzt noch in der Erinnerung , wie in den Kindertagen , füllt sich meine Seele mit jener Stimmung , die leise mit der Dämmerung hereinbrach und dann wieder nachgab , wenn das Sonnenlicht mit dem Sternenlicht gewechselt hatte und der Abendtau meine Haare losringelte . Die kalte Nachtluft stählte mich , ich buhlte , ich neckte mich mit den tausend Augen der Finsternis , die aus jedem Busch mir entgegen blitzten . Ich kletterte auf die Kastanienbäume , legte mich so schlank und elastisch auf ihre Äste ; wenn dann der Wind durchschwirrte und jedes Blatt mich anflüsterte , da war ' s , als redete sie meine Sprache . Am hohen Traubengeländer , das sich an die Kirchenmauer anlehnte , stieg ich hinauf und hörte die Schwalben in ihrem Nestchen plaudern ; halb träumend zwitschern sie zwei - , dreisilbige Töne , und aus tiefer Ruhe seufzt die kleine Brust einen süßen Wohllaut der Befriedigung . Lauter Liebesglück , lauter Behagen , daß ihr Bettchen von befreundeter Wärme durchströmt ist . O Weh über mich , daß mir im Herzen so unendlich weh ist , bloß weil ich dies Leben der Natur mit angeschaut hab in meinen Kindertagen ; diese tausendfältigen Liebesseufzer , die die Sommernacht durchstöhnen , und inmitten dieser ein einsames Kind , einsam bis ins innerste Mark , das da lauscht ihren Seligkeiten , ihrer Inbrunst , das in dem Kelch der Blumen nach ihren Geheimnissen forscht , das ihren Duft in sich saugt wie eine Lehre der Weisheit , das erst über die Traube den Segen spricht , ehe es sie genießt . Aber da war ein hoher Baum mit feinen phantastischen Zweigen , breiten Sammetblättern , die sich wie ein Laubdach ausdehnten ; oft lag ich in seiner kühlen Umwölbung und sah hinauf , wie das Licht durch ihn äugelte , und da lag ich mit freier Brust in tiefem Schlaf ; ja mir träumte von süßen Gaben der Liebe , gewiß , sonst hätte ich den Baum nicht sogleich verstanden , da ich erwachte , weil eben die reife Frucht sich von seinen Zweigen gelöst hatte und im Fallen auf meine Brust ihr Saft mich netzte ; dies schöne dunkle überreife Blut der Maulbeere , ich kannte sie nicht , ich hatte sie nie gesehen , aber mit Zutrauen verzehrten sie meine Lippen wie Liebende den ersten Kuß verzehren . Und es gibt Küsse , von denen fühl ich , sie schmecken wie Maulbeeren . Sag , sind das Abenteuer ? - und würdig , daß ich sie Dir erzähle ? * * * Und soll ich Dir noch mehr erzählen von diesen einfachen Ereignissen , die so gewöhnlich sind wie der Atem , der die Brust hebt , und doch fanden sie auf der reinen , noch unbeschriebenen Tafel der Erinnerung einen unverlöschbaren Eindruck . Sieh , wie dem Kind in den Windeln die ganze sinnliche Natur zur Nahrung seiner Kräfte gedeiht , bis es mannbar wird und mit seinen Gliedern das Pferd und das Schwert regiert , so gedeiht auch das Empfinden der Geistigkeit des Naturlebens zur Nahrung des Geistes . Nicht jetzt noch würde ich jene Sonnenstrahlen mit dem Auge der Erinnerung auffangen , nicht mich der Wolkenzüge als erhabener Begebnisse erinnern , die Blumen der verschwundenen Frühlinge würden mir nicht heute noch mit ihren Farben und Formen zulächeln , und die reifen Früchte , denen ich liebkoste , eh ich sie genoß , würden mich nicht nach verschwundenen Jahren , wie aus den Träumen seliger Genüsse , mahnen an die heimliche Lust . - Sie lachten mich an , diese runden Äpfel , die gestreiften Birnen und die schwarzen Kirschen , die ich mir aus den höchsten